Der Wettbewerb der Milchbauern verschärft sich

Josef Peters: „Wer seine Kosten im Griff hat, wird überleben. Dumme Bauern können wir nicht mehr durchschleppen.“
Josef Peters: „Wer seine Kosten im Griff hat, wird überleben. Dumme Bauern können wir nicht mehr durchschleppen.“
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit Spannung erwarten die Milchbauern den Wegfall der Quotenregelung. Kreislandwirt Josef Peters sieht einen verstärkten Strukturwandel voraus.

Kreis Kleve.. Für die Milchbauern im Kreis Kleve wird 2015 ein spannendes Jahr. Ende März läuft die so genannte Milchquote aus, die seit 1984 die Produktion der Milchbauern regulierte. Ab April dürfen die Bauern dann so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Oder besser gesagt: So viel wie sie auch verkaufen können. Kreislandwirt Josef Peters erwartet für dieses Jahr eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs: „Wir sind froh, dass die Milchquote endlich abgeschafft wird“, sagt er als Funktionär des Bauernverbandes: „Wer heute noch eine Mengenregulierung befürwortet, hat Angst vor der Zukunft.“

Über die Quotenregelung wurde den Milchbauern ein Kontingent zugewiesen, welches sie produzieren dürfen. Wer mehr Milchleistung bringen möchte, muss zusätzliche Quotenrechte hinzu kaufen: „Die Quote hat die Produktion jahrelang gehemmt und die Betriebe im Kreis Kleve viel Geld gekostet und am Ende nichts gebracht“, so sieht es Peters. Im Kreis Kleve gebe es Betriebe, die fünfstellige Beträge für die Quote auf den Tisch gelegt hätten.

Das eigentliche Ziel der Quote, eine Stabilisierung der Milchpreise, sei nie erreicht worden: Denn trotz Mengenbeschränkungen habe sich der Preis je Liter Milch zwischen 20 und 35 Cent bewegt: „Mittlerweile hat wohl jeder begriffen, dass der Milchpreis allein vom Weltmarkt abhängt“, sagt Peters.

Weltmarkt bestimmt den Preis

Aktuell liege der Milchpreis bei 30 Cent. Und die Experten erwarten einen weiteren Anstieg, da der Weltmarkt mehr Milch benötige.

Doch was bedeutet diese Entwicklung für den Milchwirtschaft im Kreis Kleve? Immerhin ist der nördliche Niederrhein eine der größten Milchregionen in NRW. „Der Strukturwandel wird sich durch den Wegfall der Quote noch einmal verstärken“, sagt Peters. In den vergangenen 30 Jahren haben 75 Prozent der ursprünglichen Milchviehbetriebe aufgehört. Aktuell gebe es noch 530 Betriebe, in denen im Durchschnitt jeweils 100 Kühe bewirtschaftet werden. Das sei NRWweit Spitze.

Dass die großen Milchbetriebe allerdings zu den Gewinnern zählen werden, ist noch keine ausgemachte Sache. Denn durch den Wegfall der Milchquotenkosten, könnte auch der Milchpreis um vier bis fünf Cent fallen. Gerade bei großen Betrieben gebe es aber eine empfindliche Fremdkapitalbelastung: „Größe ist nicht alles“, sagt Peters. In der Wirtschaftlichkeit der Milchviehbetriebe im Kreis Kleve gebe es durchaus 10 Cent Unterschied je Liter. „Wer 50 Kühe nicht gut managen kann, kann auch 100 Kühe nicht gut machen.“ Für alle Milchbauern wird es daher ab April spannend: „Wer seine Kosten im Griff hat, wird überleben. Dumme Bauern können wir nicht mehr durchschleppen“, so Peters.