Der wahre Meisterbürger

Richard van de Loo
Richard van de Loo
Foto: NRZ
Richard van de Loo war fast drei Jahrzehnte ehrenamtlicher Bürgermeister von Kleve, das sich in seiner Amtszeit zu einer modernen Stadt entwickelte

Kleve..  Als der Rat der Stadt Kleve in einer Sondersitzung am 21. Februar 1984 den Bürgermeister Richard van de Loo an dessen 75. Geburtstag einstimmig die Ehrenbürgerschaft zuerkannte, fand das Ratsmitglied Johannes Menke (FDP) die wohl prägnanteste Zusammenfassung seines Wirkens zum Wohle der Stadt. Der Bürgermeister, so Menke, sei ein „Meisterbürger“.

Wer alte Zeitungen durchblättert, findet natürlich auch Fotos, die van de Loo als Bürgermeister bei der Verrichtung repräsentative Aufgaben zeigen. Doch typischer für das Auftreten des Rechtsanwalts als erster Mann der Stadt ist beispielsweise eine Aufnahme, die ihn inmitten von Jubilaren der Schuhfabrik Hoffmann zeigt. Er ist auf Augenhöhe mit den Arbeitern und scheint entspannt mit ihnen zu plaudern, als gehöre er zu ihnen. (Mit dabei natürlich auch Hoffmann-Chef Dr. Walter Siegert, ebenfalls ein Mann ohne Allüren.)

Seine bescheidene, ausgleichende und freundlich-verschmitzte Art brachte ihm Sympathien über alle Parteigrenzen hinweg ein. Er brachte gegensätzliche Positionen zusammen, er fand Kompromisse, bei denen alle ihr Gesicht wahren konnten. Mehrfach wählten die Mitglieder des Rates (die damals noch den Bürgermeister bestimmten) van de Loo einstimmig wieder – die einzige Enthaltung kam von ihm selbst.

Der erste Ehrenbürger nach 1945

Richard van de Loo entstammte einer Rechtsanwaltsfamilie, sein Vater Franz van de Loo verteidigte Mitte der Dreißigerjahre den Juden Emil Mannheimer und wurde deshalb Opfer eines Boykotts seiner Anwaltspraxis. Nach dem Krieg war er im Stadtrat aktiv und erhielt 1952 als erster Klever in der Nachkriegszeit die Ehrenbürgerwürde der Stadt.

Richard van de Loo nahm nach seinem Abitur am Staatlichen Gymnasium Kleve ein Studium der Rechtswissenschaften auf, das ihn nach Freiburg, München und Bonn führte. 1940 trat er als Rechtsanwalt in die Fußstapfen seines Vaters, 1946 wurde er Mitglied der CDU, und seit 1948 saß er im Stadtrat.

Das Amt, das sein Leben prägen sollte, fiel ihm sieben Jahre später zu: Am 31. Januar 1955 wählte der Rat ihn zum Nachfolger von Dr. Josef Stapper. Die knapp drei Jahrzehnte seiner Amtszeit als Bürgermeister waren eine Zeit, in der Kleve sich von der Beseitigung der Kriegsschäden abwandte und sich jenes Gesicht gab, das im wesentlichen auch heute noch das Bild der Stadt bestimmt.

Um nur einige wenige Meilensteine zu nennen: Bezug des damals neuen Rathauses an der Kavarinerstraße (1957), Einweihung des Hallenbades (1958), Eröffnung des Museums Haus Koekkoek (1960), Fertigstellung des Gustav-Hoffmann-Stadions (1963), der Rheinbrücke und der Stadthalle (1965) sowie des Klever Rings (1979). Einer der Höhepunkte seiner Amtszeit war sicherlich der Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der am 1. Dezember 1978 im Haus Koekkoek den niederländischen Premier Dries van Agt empfing.

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als erster Bürger der Stadt engagierte Richard van de Loo sich auch noch in vielen anderen Bereichen für das Gemeinwohl. Er wirkte als Justiziar beim Kreisverband des Roten Kreuzes, er war aktiv in der deutsch-niederländische Vereinigung Liemers-Niederrhein, und schon seit 1953 engagierte er sich im Vorstand des Ferienlagers Wolfsberg e.V.

Ein vorbildlicher Bürger

1978 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Die Stadt Kleve würdigte ihn mit den folgenden Worten: „Tatsächlich war er ein vorbildlicher Bürger der Stadt Kleve indem er bereit war, in der jungen Demokratie, die die Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegszeit war, nicht nur die Bürgerrechte zu genießen, sondern als Bürger auch Verantwortung zu übernehmen. Das tat er sowohl als Kommunalpolitiker und Bürgermeister wie auch in zahlreichen anderen ehrenamtlichen Funktionen mit großem Engagement und über Jahrzehnte hinweg, in einer Weise, die ihm viel Respekt über die Parteigrenzen hinaus einbrachte. Dabei hat er ein wichtiges Kapitel der Klever Stadtgeschichte wesentlich mitgestaltet.“

Am 29. August 1984 legte van de Loo das Bürgermeisteramt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Vor fast genau 25 Jahren, am 15. April 1990, verstarb er im Alter von 81 Jahren. Richard van de Loo hinterließ seine Frau Elisabeth, zwei Töchter und eine Stadt, die ihm viel zu verdanken hat, mit Menschen, die ihn schätzten.