Der Untergang des Niederrheins

Nur noch der Schornstein der Lederfabrik Moll (später Standortverwaltung), der letzte Woche abgerissen wurde, stand 1945 noch. Hier: Brückenstraße Goch in Blickrichtung Bahnhof.
Nur noch der Schornstein der Lederfabrik Moll (später Standortverwaltung), der letzte Woche abgerissen wurde, stand 1945 noch. Hier: Brückenstraße Goch in Blickrichtung Bahnhof.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Heute vor 70 Jahren wurden die Städte Kleve, Goch und Kalkar bombardiert.Eine Ausstellung in Goch erinnert an die verheerenden Luftangriffe

Kreis Kleve/Goch..  „Die Nacht des Grauens“ war angebrochen, als am 7. Februar 1945 gegen 22 Uhr die Luftangriffe auf Goch, Kleve, Kalkar und Weeze begannen. Nachzulesen im Text zur Ausstellung „Die Zerstörung der Stadt Goch im Jahre 1945“ von Hans-Joachim Koepp. Der Stadtarchivar hat nach langer Recherchearbeit die wichtigsten Kriegsereignisse in und um Goch herum aus verschiedensten Quellen zusammengetragen. Die entsprechenden Fotos dazu sind in der Gedenkausstellung zum 70. Jahrestag der Zerstörung ebenfalls zu sehen. Der Heimatverein Goch und die Stadt Goch zeigen sie im Foyer des Rathauses. Die Ausstellung wird heute offiziell eröffnet: Treffpunkt ist um 17 Uhr das „Bejers Kruis“ vor der St.-Maria-Magdalena-Kirche. Nach einem ökumenischen Gottesdienst beginnt die Eröffnung um 18 Uhr im Rathaus-Foyer.

„Das Inferno und damit der Untergang der alten, historischen Stadt Goch wurde durch die Nacht des Grauens eingeläutet“, berichtet Koepp. „Eine todbringende Welle von Bomben, Glut und Feuer rollte durch die Straßen und legte ganze Häuserreihen in Schutt und Asche. Am Ende des Bombardements war Goch zu 84 Prozent zerstört.“

Ergreifende Berichte

Welches Ausmaß diese Zerstörung hatte, zeigen die Tafeln in der Ausstellung, die den Untergang der historischen Stadt Goch zeigen. Schockierende Fotos dokumentieren zerstörte öffentliche Gebäude, bekannte Häuser, ganze Straßenzüge, Geschäfte und Fabriken, die als solche nicht mehr zu erkennen sind.

Besonders ergreifend werden die Bilder, wo sie mit Augenzeugenberichten kombiniert werden. Beeindruckend auch aus heutiger Sicht ist die Gegenüberstellung von 16 Motiven aus dem Stadtbild. Sie zeigen den Zustand von Gebäuden und Landschaft vor dem Krieg, zerstört und aus heutiger Sicht. Zu sehen sind die dokumentierten Zeitzeugen in Wort/Schrift und Bild noch bis zum 6. März.

Auch wird nicht nur die „Nacht des Grauens“ aufgegriffen, sondern bereits die Jahre ab 1940, als der Westfeldzug begann. Denn dann wurden auch die Gocher zum ersten Mal direkt mit den Verhängnissen des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Nachdem deutsche Flugzeuge englische Städte angegriffen hatten, begannen die Gegenangriffe der Alliierten.

Ab März 1942 mussten nicht nur die Gocher wegen der ständigen Luftalarme Nacht für Nacht in die Luftschutzkeller. Am 17. September 1944 fiel – wie ein Zeitgenosse es beschrieben hat – „der Krieg vom Himmel“. Hans-Joachim Koepp: „Amerikanische und britische Fallschirmjägereinheiten sprangen unter anderem über dem Gebiet zwischen Arnheim und Nimwegen ab. Einige landeten irrtümlich in Keppeln und Umgebung und wurden verhaftet. Tagelang kreisten feindliche Flieger ständig über dem Stadtgebiet und beschossen mit ihren Bordwaffen Zivilisten und Verkehrsmittel.“

Zehn Jahre Ent-Trümmerung

Am 30. September 1944 erfolgte ein schwerer Tagesangriff auf das Gocher Bahnhofsviertel, um den Verkehr der Stadt, besonders die Bahnverbindungen, stillzulegen.

Am 7. Oktober 1944 um die Mittagszeit wurde in Kleve akuter Luftalarm ausgelöst. Es begann der vernichtende Angriff. Zusammen mit Kleve wurde Emmerich an diesem Tag zerstört. Das Ende des historischen Gochs begann endgültig in der oben beschriebenen Nacht des Grauens.

Letztendlich war das Jahr 1945 gezeichnet von Trümmern, Trostlosigkeit und Elend. Etwa zehn Jahre dauerte die Enttrümmerung der Stadt. Anfang Mai 1945 lebten wieder etwa 2300 Einwohner von Goch unter denkbar schwierigsten Umständen in der Stadt. Am 1. November zählte die Weberstadt wieder 9650 Einwohner.