Der Paradiesvogel als Beamter

Die Erstbesetzung der Starfighters: Werner Böhm, Helmut Schreiner, Werner Neumann und Theodor Brauer.
Die Erstbesetzung der Starfighters: Werner Böhm, Helmut Schreiner, Werner Neumann und Theodor Brauer.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In den 70er Jahren leitete Helmut Schreiner quasi vom Schreibtisch aus das Nachtleben in Kleve. 1981 kam sogar Hermann Brood nach Kleve

Kleve..  Sein Gehalt erhielt er als biederer Beamter im Kulturamt der Stadt Kleve, irgendeine Besoldungsstufe also, doch seine Welt war eine andere. Das zeigte Helmut Schreiner den Bürgern der Stadt schon durch seine Erscheinung. Oft sah man ihn mit wallender, eisgrauer Mähne im Trenchcoat und mit einem weißen Schal seinen zotteligen Bobtail an der Nassauer Allee ausführen, und dann hätte man ihn auch für den Chef eines großen Pariser Verlagshauses halten können, den es nur durch widrige Umstände kurzzeitig in eine Kleinstadt an den Niederrhein verschlagen hat.

Als Mitarbeiter des Kulturamts holte er tatsächlich auch den Glamour der großen weiten Welt nach Kleve, mit der von ihm initiierten Konzertreihe „Modern Concerts der Stadt Kleve“, die just in diesen Tagen – 38 Jahre nach seinem Tod – mit der von Michael Dickhoff veranstalteten Reihe „Remember Modern Concerts“ ein Revival erfährt.

In der Generation der heute rund Fünfzigjährigen gab es kein Entrinnen vor diesen Veranstaltungen in der Stadthalle. Man musste Besucher der „Modern Concerts“ sein, wenn man zur Szene der Stadt gehören wollte. „In sein“, organisiert von einem Beamtenschreibtisch im Klever Rathaus aus – heute eine geradezu groteske Vorstellung.

Die Reihe begann am 16. April 1978 mit der Beatles Revival Band, im gleichen Jahr folgten noch „The Puhdys“ aus der damaligen DDR (die übrigens im Oktober dieses Jahr wieder kommen) sowie Klaus Doldinger. Im Jahr darauf gastierten erstmals die heute noch aktiven Niederländer „The Golden Earring“ sowie Olivia Molina. 1981 spielte Hermann Brood in der Stadthalle, 1983 Grobschnitt, 1984 Jürgen von der Lippe und die polnischen Klaviervirtuosen Marek & Vacek.

Der Konzertmanager

Als Schreiner 1985 das Klever Rathaus verließ, um in Emmerich Leiter des Kulturamtes zu werden (ein Aufstieg, der ihm in Kleve verwehrt blieb), überreichte ihm der damalige Stadtdirektor Dr. Schröer ein Buch, in dem sämtliche Konzerte dokumentiert waren. 41 hatten bereits stattgefunden, acht weitere, das komplette Kulturprogramm der folgenden zwölf Monate, waren fest eingeplant. Das Geschenk war passend gewählt, die „Modern Concerts“ bleiben Helmut Schreiners Vermächtnis für Kleve.

Bekannt war Helmut Schreiner in der Stadt freilich schon vor seiner Zeit als Konzertmanager. Er gehörte zur Ur-Besetzung der Klever Band „The Starfighters“, der ersten und wohl auch erfolgreichsten Beatband aus dieser Stadt.

In gewisser Weise war Helmut Schreiner in dieser Zeit auch dafür verantwortlich, dass ein damals noch unbekannter junger Mann namens Theo Brauer den Weg auf die große Bühne fand und diese fortan Zeit seines Lebens lieben lernte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Werner Neumann hatte er sich auf die Suche nach einem Schlagzeuger begeben – und auf einer Kirmes Theo Brauer entdeckt. Werner Neumann erinnerte sich so an diese Begegnung: „Den haben wir übrigens nur genommen, weil der so gut aussah. Das Schlagzeugspielen habe ich ihm später beigebracht.“

Legendäre Stadtfeste

Bis Ende der Sechziger Jahre tourte die Band erfolgreich umher, dann war ihre Zeit abgelaufen, die Musiker verloren sich aus den Augen. Doch Helmut Schreiner gelang es, seine Liebe zur Musik als städtischer Konzertmanager weiter zu leben und zu geben. Darüber hinaus machte er sich auch um Veranstaltungen wie das ebenfalls legendäre Stadtfest „KLE-Fete“ und die Fietsvierdaagse verdient.

Als er nach Emmerich wechselte, hinterließ er eine große Lücke im Kulturleben der Stadt. Doch auch sein beruflicher Erfolg konnte nicht verhindern, dass Helmut Schreiner, der nach außen stets so schillernd auftretende Paradiesvogel, seinem Leben am 9. April 1987 im Alter von nur 40 Jahren ein Ende setzte.