Der Niederrhein braucht Regen

Was wir bereits wissen
Der Rhein führt zurzeit sehr wenig Wasser. Landwirte kämpfen mit knochenharten Böden, die Binnenschifffahrt ist eingeschränkt und Fische kämpfen ums Überleben

Kleve.. Noch ein paar Zentimeter, dann ist der Boden des Altrheins vor den Schleusentoren in Brienen erreicht. Seit Tagen ist der Wasserstand des Rheins bemerkenswert niedrig. Die Anlegestelle des Klever Yachthafens liegt bereits auf Grund, die Segelschiffe ragen mit ihrem Rumpf weit aus dem Wasser: „Wir sind am untersten Limit“, sagt Jan Böhme von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) in Duisburg.

Viel weniger geht auch bald nicht mehr. Kollege Thomas Killewald aus Emmerich blickt auf die Pegelstände und muss feststellen, dass das Wasser bis zu 30 Zentimeter unter dem gleichwertigen Wasserstand (GLW) liegt – die angestrebte Wassertiefe des Rheins. Der elektronische Wasserstraßen-Info-Service meldet für den Pegel Emmerich aktuell 55 Zentimeter und dies wird sich in den kommenden Tagen auch nicht wesentlich ändern. Denn richtiger Dauerregen ist noch nicht in Sicht. Hubert Reyers meldet zwar einige Niederschläge für die nächsten Tage: „Aber das wird den Pegelstand des Rheins nicht beeinflussen“. Im Grunde habe es seit Mitte August nicht mehr richtig geregnet.

Sehr ungewöhnlich

„Für diese Jahreszeit sind das schon sehr ungewöhnliche Werte“, sagt Jan Böhme vom WSV. Unter den geringen Niederschlägen hat jetzt vor allem die Schifffahrt zu leiden. Auf dem Rhein sieht man daher mittlerweile emsiges treiben. Denn die großen Schubverbände können bei diesen niedrigen Ständen nicht mehr auf Europas größter Wasserstraße verkehren. Dafür kommen jetzt die kleineren Schiffe zum Einsatz. Die Schifffahrtsverwaltung in Emmerich markiert die wichtigsten Gefahrenquellen mit Bojen.

Wer entlang des Griethausener Altrheins spazieren geht, der blickt zum Teil nur noch auf ein spärliches Rinnsal. Die alte Fahrrinne führt noch eine Handvoll Wasser. Vögel picken in der modrigen Erde nach Regenwürmern und Kleinstlebewesen – für sie ist der Tisch jetzt reich gedeckt. Der Angelsportverein Kleve blickt hingegen eher mit Sorge auf die niedrigen Pegelstände. Stefan Kleindorp ist Vorsitzender des ASV und hat vor allem ein Auge auf seine Angelgewässer in Rindern, am Kermisdahl und in Kellen. „Hier sind die Auswirkungen noch nicht so gravierend. Der Wasserstand richtet sich an den Grundwasserspiegel. Aber das Wasser ist auch hier schon merklich zurückgegangen.“

Gefahr für Fische

Gefahr für Fische bestehe noch nicht. Im Altrhein könnten sich die Tiere über die Fahrrinne selbst retten, anders sieht dies in nahe gelegenen Tümpeln hinterm Deich aus. Zwischen Brienen und Griethausen musste Kleindorp bereits im Frühjahr 60 Karpfen aus einem Teich retten.

Betroffen sind auch die Landwirte am Niederrhein, die jetzt mit einem sehr harten Ackerboden leben müssen: „Der faulste Bauer macht es jetzt richtig, wenn er gar nichts tut“, scherzt Landwirt Hubert Reyers. Noch gestern habe er mit einem Kollegen gesprochen, dessen Egge kaputt gegangen sei: „Bei diesen harten Böden macht man sich nur das Arbeitsmaterial kaputt“.