„Der Krieg ist noch nicht vorbei“

Revse Akyel stellt nun das Programm des Kulturvereins fürs Neujahrsfest vor.
Revse Akyel stellt nun das Programm des Kulturvereins fürs Neujahrsfest vor.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Neujahrsfest mit roten Eiern. Mit zahlreichen Spendengütern wird zurzeit eine Halle am Flughafen Weeze gefüllt. Jesidische Gemeinde Kelve-Emmerich läft am 15. April ab 17 Uhr ins Kevelaerer Bühnenhaus

Kreis Kleve..  Noch sechs Tage, dann startet das neue Jahr. Genauer: am 15. April. „Wir sind spät dran“, gibt Revse Akyel zu. Und lächelt. Die Sprecherin des Jugendkomitees Kleve-Emmerich im Jesidischen Kulturverein freut sich schon auf das Neujahrsfest. Das steigt stets am ersten Mittwoch im April (der jesidische Kalender ist zwei Wochen zum christlichen verschoben, sodass der erste April-Mittwoch auf unseren 15. April fällt).

Gedrehte und gesponnene Wunschbändchen, die am Handgelenk getragen werden, bis sie von selbst abfallen, werden dann verteilt. Und die Eier färben Jesiden rot. Gehört zur religiösen Tradition wie bei den Christen das Osterfest.

Musik und Tanz wird es am 15. April ab 17 Uhr im Kevelaerer Bühnenhaus geben, aber keine „Party“. „Es sind immer noch jesidische Flüchtlinge im Gebirge unterwegs, viele Häuser in jesidischen Dörfern gesprengt oder verwüstet. Der Krieg ist noch nicht vorbei“, betont Akyel – mit bangem Blick auf das weiterhin fürchterliche Treiben der Terrormiliz Islamischer Staat im Nord-Irak und auch in Syrien. Ihr Wunschbändchen-Wunsch liegt auf der Hand.

Das zwölfköpfige Kleve-Emmericher Jugendkomitee – auch für die große Gruppe in Kalkar zuständig – versucht weiterhin, dringend benötigte Hilfsgüter ins Krisengebiet zu schicken. Hygiene-Artikel wie Seife, Duschgel oder Zahnbürsten sind gefragt. Auch Kochutensilien, Babynahrung, warme Decken. Und, besonders wichtig, Medikamente.

Die Menschen in Kleve, in Kalkar und Emmerich „haben sich als tolle Stütze erwiesen, um den Jesiden zu helfen“, betont Akyel. Seit vergangenen August hat das Jugendkomitee, so errechnete Buchhalter Vedat Erzi, stolze 60 000 Euro gesammelt.

Mittlerweile kommen die Hilfsangebote sogar aus München oder Berlin. Grenzenloses Internet macht’s möglich. Und auch ein gewisses Vertrauen in die emsige niederrheinische Gruppe. Akyel: „Die Spender wissen, dass wir selber vor Ort aktiv sind, deshalb nichts vom Geld und anderen gespendeten Dingen verloren geht.“

Spediteur Cengiz Erkis sorgt für den Transport, Behiya Erkis kümmert sich um die Pakete. Die gehen nun an eine Lagerhalle, die der Flughafen Weeze den Jesiden für zwei Monate zur Verfügung stellt – bis Ende Mai oder Anfang Juni der mittlerweile vierte Lastkraftwagen von hier aus mit den Spenden ins Krisengebiet aufbrechen wird.

Bisher wurde alles im Vereinsheim in Emmerich am Ossenbruch gesammelt. Doch die Räume, eigentlich für Zusammenkünfte, Feierlichkeiten und Trauerfeiern gedacht, erwiesen sich als zu klein. „Wir können dem Flughafen nur dankbar für die Halle sein“, sagt Revse Akyel.

Weitere Aktionen für Hilfsbedürftige sind geplant. Am 18. April gibt es in der Aula des Bocholter Euregio-Gymnasiums ein Benefizkonzert. Organisiert von Kalkarer, Emmericher, Weseler und Bocholter Jesiden. Mit Rojhat aus Kalkar, mit Kendal Manis aus Paris, Carneva und auch Seyidxan treten bekannte kurdische Sänger auf. Dazu werden junge neue Talente am Mikrofon zu sehen und zu hören sein. „Wir hoffen auf sechshundert Zuschauer“, sagt Vedat Erzi.