Der Klang der Gestirne
01.09.2009 | 18:55 Uhr 2009-09-01T18:55:00+0200Zwei durchaus verschiedenartige Konzerte in der Reihe „colla voce” erklingen im im September und im November auf Schloss Moyland.
Johannes Kepler (1571-1630), deutscher Astronom und Mathematiker, war überzeugt davon, dass dem Sonnensystem eine musikalische Harmonie innewohnt, die der Schöpfer in diesem System verewigte – der „gleich einem menschlichen Baumeister, der Ordnung und Regel gemäß, an die Grundlegung der Welt herangetreten ist.”
Sein Gedankensystem schrieb er im weltharmonischen Werk „Fünf Bücher zur Harmonik der Welt” nieder und erläuterte, daß die durch Bewegung der Gestirnsphären entstehenden Töne der Harmonie einer diatonischen Skala (Ganz- und Halbtöne) entsprechen.
Ganz schön viel abstrakte Theorie. Gesine van der Grinten, Kuratorin sowie ausführende Künstlerin der Reihe „colla voce” im Museum Schloss Moyland hat daraus und aus weiteren Konstellationen geschlossen: „Alles ist in Allem”. Ihre Erkenntnis ist gleichzeitig Titel des zweiten „colla voce”-Konzertes mit Jürgen Löscher und ihr am 22. November. Die Herbstausgabe der Reihe beginnt allerdings mit zwei sehr unterschiedlichen Komponisten.
Beispiele für Schönbergs Technik
Der spätere „Erfinder” der Zwölftonmusik, Arnold Schönberg, sprang während eines Gastspiels des Berliner Cabarets „Überbrettl” des Ernst von Wolzogen für den Pianisten Oscar Straus ein. Von Wolzogen gründete sein „Überbrettl” in Anlehnung an die damals populäre musikalisch-literarische Pariser Cabaret- und Chanson-Szene und spielte dabei auf den Begriff des „Übermenschen” bei Friedrich Nietzsche an.
Schönberg war so begeistert, daß er anschließend selbst acht Chansons komponierte, von denen sieben in Moyland zu hören sein werden. Hier regieren noch Tonalität und Rhythmik, weil der junge Schönberg noch weit von atonalen Abenteuern entfernt war.
Als krasses Gegengewicht interpretieren Henning Kaiser (Tenor) und Lucius Rühl (Klavier) Chansons des 1928 in Chile geborenen, seit 1951 in Deutschland lebenden Juan Allende-Blin mit Texten von Theobald Tiger (= Kurt Tucholsky), Joachim Ringelnatz, Friederike Kempner, Ivan Goll und anderen.
Recht entfernt von Schönbergs Chansons komponierte Allende-Blin im normalen rhythmischen Duktus der Chansons, verfremdete aber die Akkorde massiv. Allende-Blin nennt seine Stücke „ein imaginäres Cabaret”, die eigentlich während der Nazi-Zeit hätten aufgeführt werden müssen. Am Sonntag, 20. September, wird Juan Allende-Blin selbst beim Konzert auf Schloss Moyland anwesend sein.
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