Der Kampf um die Kinder
09.02.2012 | 17:26 Uhr 2012-02-09T17:26:00+0100
Kleve. Sportvereine müssen stärker mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten, wenn sie in Zukunft bestehen wollen
Wie sieht die Zukunft des Vereinssports in Kleve aus? Nicht rosig, könnte man annehmen, wenn man den Vortrag von Holger Fuhrmann, Sportwissenschaftler an der Hochschule Köln, am Mittwochabend im Sportausschuss verfolgte. Der Sportwissenschaftler stellte ein Gutachten zur Sportentwicklung vor: „Die Vereine stehen unter einem enormen Druck und haben mit einem gravierenden Wandel zu kämpfen“, sagte Fuhrmann.
So werde die Zahl der über 60-Jährigen in den kommenden 15 Jahren deutlich ansteigen, zudem werde es immer schwieriger Ehrenamtliche zu finden, die sich als Trainer oder Betreuer engagieren. Durch die neue Klever Schullandschaft wird es deutlich mehr Ganztagsunterricht geben, es entsteht ein neuer Konkurrenzkampf um die Freizeit der Kinder und um die Belegungszeiten für Sporthallen und Plätze. Nicht zuletzt ändert sich auch das Sportverhalten der Bevölkerung: „Ältere Menschen machen weniger Mannschaftssport als jüngere“, sagt Holger Fuhrmann.
Mehr Austausch, mehr offene Gruppen
Der Vereinssport wird sich in den nächsten Jahren auf gravierende Veränderungen vorbereiten müssen. Und dieses Bewusstsein ist offenbar auch schon vorhanden. In einer Abfrage teilten sieben von 38 Vereine mit, dass sie sich im Bestand bedroht fühlen. Wie der Wandel am Besten gelingen kann, dafür hat Holger Fuhrmann in seinem Gutachten zahlreiche Vorschläge gemacht. So sollten Vereine, Schulen und Jugendzentren in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Bislang hat die Hälfte der Klever Sportvereine bereits über eine Kooperation mit einer Schule nachgedacht, aber für die andere Hälfte kommt dies noch nicht in Frage. Das Wissen der Klever Vereine über den Offenen Ganztag sei unterschiedlich, so Fuhrmann. Viele wüssten zum Beispiel nicht, dass die Übungsleiter in der Schule auch bezahlt werden. Fuhrmann: „Die Vereine kommen um die Schulen nicht herum, wenn sie den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren wollen.“
Dies allein werde aber nicht reichen. Regelmäßige Treffen zwischen den Vereinen seien notwendig, um Probleme zu diskutieren. In Kleve gebe es keinen übergeordneten Stadtsportverband, der diese Aufgabe wahrnehmen könnte. Dies sei aber wichtig, um auch langfristige Konzepte zur Nachwuchsgewinnung von Übungsleitern und Vorständen zu entwickeln. „Die Vereine können voneinander lernen.“ Nur sie müssen sich auch zusammenfinden: „Hier zeigen sich deutliche Informationsdefizite.“
Information: Schule und Sport
Sport ist wichtig. Vor allem in der Schule. Die Schuleingangsuntersuchungen des Kreisgesundheitsamtes belegen, dass in Kleve jedes zehnte Kind zu dick, bzw. adipös ist. Die Zahlen für Kleve liegen über dem Kreisdurchschnitt. Jedes zehnte Kind im Kreis Kleve hat auch Probleme mit der Körperkoordination. Für Kleve lag dieser Wert bei 15,7 Prozent. Trotz dieser erschreckenden Statistik wird offenbar noch zu wenig Wert auf den Sportunterricht gelegt. 22,2 Prozent der Klever Lehrer sehen ein Problem beim Sportunterricht. Er falle zu häufig aus. Gerade in den Grundschulen gebe es kaum Lehrer, die Sport studiert haben. Der Gutachter schlägt eine tägliche „Bewegungsstunde“ vor und Konzepte für eine „Bewegte Schule“. Dies könne allerdings nur fruchten, wenn die Schulen 100prozentig dahinterstehen.
Bei den Kindergärten zeigt sich ein ähnliches Bild: 88 Prozent sagen, dass mehr Bewegung in der Kita gut wäre. 56 Prozent der Klever Einrichtungen hätten auch ein Interesse an Programmen zur Bewegungsförderung und 67 Prozent gaben an, dass das Außengelände der Kitas bewegungsfreundlicher gestaltet werden kann. 79 Prozent der Kindergärten stehen einer Kooperation mit Sportvereinen positiv gegenüber.
Auch die meisten Schulen sind bereit mit Vereinen zu arbeiten. Eine weitere Empfehlung des Gutachters: Auf vielen Schulhöfen müsse es mehr Bewegungsmöglichkeiten geben.
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