Der Geist der Freiheit

Pfarrer Ernst Geerkens wohnt seit mehr als einem Jahrzehnt in dem Haus, in dem Karl Leisner aufwuchs
Pfarrer Ernst Geerkens wohnt seit mehr als einem Jahrzehnt in dem Haus, in dem Karl Leisner aufwuchs
Foto: NRZ
Im Klever Karl-Leisner-Haus kann man nicht nur sehen, wo der berühmte Klever gelebt hat. Man erfährt auch eine Menge aus seinem Leben

Kleve..  Klare Haltung, klare Worte. Dass Karl Leisner Adolf Hitler kritisierte und dafür ins KZ gesperrt wurde, ist relativ bekannt. Aber auch mit seiner Kirche haderte er. Er kritisierte „das Erstarrte, Verkrampfte, Altmodische und Hinterwäldlerische im äußeren Gebaren der Kirche“. Der Geist der Freiheit, des Vertrauens, der Weite, der Liebe und Größe sei durch diesen alten Klüngel und Krimskrams gehemmt. O-Ton Karl Leisner. „Ist das nicht toll?“, fragt der emeritierte Pfarrer Ernst Geerkens lachend. „Das könnte man doch eins zu eins auf heute übertragen.“

Geerkens wohnt seit mehr als einem Jahrzehnt in dem Haus, in dem Karl Leisner aufwuchs. 1929 zog die siebenköpfige Familie Leisner von der Triftstraße in das 1912 erbaute Haus in der Flandrischen Straße. Nebenan, im heutigen Stein-Gymnasium, ging Leisner zur Schule. Prägende Jahre. Hier wurde er das, was man damals „jugendbewegt“ nannte: engagiert in kirchlicher Jugendarbeit. Eine Art Jugendheim fanden die Jugendlichen in der ehemaligen Mühle an der Merowinger Straße. Und auf dem alten Friedhof an der Lindenallee gab es dann schon mal Keilereien zwischen den Kirchen-Jungs und der Hitlerjugend.

Öffentlich zugänglich

Erfahren kann man das alles und noch viel mehr im Karl-Leisner-Haus. Das Erdgeschoss ist der Öffentlichkeit zugänglich. Große Schautafeln bündeln die wichtigsten Stationen aus dem Leben, Wirken und Nachleben des seliggesprochenen Klevers. Bis 1999 wohnte hier Maria Leisner, seine Schwester. Als sie starb, stellte sich die Frage, was mit dem Haus geschehen sollte.

„Wir haben damals mit sieben Priestern einen Verein gegründet, damit das Haus im Sinne Karl Leisners weiterexistieren kann“, erklärt Geerkens. Sie erwarben das Haus von den Erben und sorgten für die Renovierung. Die Schautafeln, die heute zu sehen sind, stammen aus dem Stein-Gymnasium. „Wir hatten sofort etwas, was wir bei Führungen zeigen können“, sagt Geerkens.

In all den Jahren sind zahlreiche Besucher hier gewesen. Schulklassen natürlich, aber auch Einzelpersonen und Gäste aus Übersee. Einen größeren Raum nutzt zeitweise eine Malgruppe und der Verein Papillon – auch hierfür ist Platz. Trotzdem ist vielen Klevern immer noch nicht klar, dass es hier, im Herzen von Kleve, eine so anschauliche Ausstellung gibt, die Biographisches mit Zeit- und Lokalgeschichte verknüpft. Geerkens: „Ich spreche immer wieder Menschen an, um darauf aufmerksam zu machen.“ Im Dachgeschoss soll demnächst eine eigene Wohnung entstehen, vielleicht für Studenten. Nicht der schlechteste Ort, um sich bewusst zu machen, was Leben eigentlich bedeutet.

Die Karl-Leisner-Begegnungsstätte ist in der Flandrischen Straße 11. Führungen und Besuchstermine bei Ernst Geerkens, 02821/ 99 73 50.