Der Frühling kündigt sich an

Sehr galant: Die ersten Frühlingsboten am Niederrhein, die Schneeglöckchen, kämpfen sich durch eine dicke Blätterschicht.
Sehr galant: Die ersten Frühlingsboten am Niederrhein, die Schneeglöckchen, kämpfen sich durch eine dicke Blätterschicht.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Kohlmeisen und Spatzen haben bereits damit begonnen, ihre Nistmaterial zu sammeln. Und auch die ersten Kiebitze balzen auf den Feldern der Düffel

Kleve..  Frostige Nächte und herrlich sonnige Tage. Was war das eine herzerfrischende Wetterlage um die „jecken“ Tage. So viel Sonne, klarer blauer Himmel und die Nächte doch noch empfindlich kalt. Über dem Boden aber keine schützende Schneedecke. Ist das noch der Ausklang des Winters oder schon der Anfang des Frühlings? Wohl beides zugleich.

Beim Spaziergang entlang der Niers fallen mir Schneeglöckchen auf, die dort am Waldrand in einem kleinen Tuff zusammen stehen und blühen. Damit künden sie den Vorfrühling an. Und in der Vogelwelt lassen sich auch schon deutliche Signale vernehmen: Die ersten Singvögel machen ihrem Namen alle Ehre und erfreuen uns mit ihrem Gesang. Überall am Waldrand sind die Kohlmeisen zu hören, die mit ihrem typischen „tsitsi-däh tsitsi-däh“ anfangen, ihre Reviere anzuzeigen. Vielleicht haben sie auch schon eine Nisthöhle gefunden und machen mit ihrem Gesang interessierte Weibchen darauf aufmerksam. In den Dörfern und ländlichen Siedlungen sind die Spatzen jedenfalls schon ganz eifrig dabei, die besten Nistplätze zu säubern. Und bei uns unter dem Dach hat der Haussperling schon das erste Nistmaterial eingetragen. Eben habe ich noch die Spätzin beobachtet, die sich den Bau von außen durch das Einflugloch sehr genau angesehen hat.

Herausforderung Klimawandel

Aber nicht nur die Standvögel, zu denen Kohlmeise und Haussperling gehören, melden das Ende des Winters an. Wer genau hinhört, erkennt unter den ersten Sängern zurzeit auch schon den einen oder anderen Zugvogel. Auf dem kahlen Zweig der Hasel singt beispielsweise die spatzenbraun und grau gefärbte Heckenbraunelle. Aus dem Feldgehölz ist der erste Gesang der Singdrossel zu hören und in der Feldflur habe ich schon die ersten Ansätze von Kiebitzbalzflügen und -rufen über den nassen Wiesen in der Düffel beobachtet.

Ist das normal, dass so früh im Jahr schon gebalzt und gesungen wird, als sei es April? Oder sind das jetzt schon die erkennbaren Zeichen des Klimawandels in der Natur? Nun, Klimawandel lässt sich ja bekannterweise nicht an einem Phänomen allein belegen oder widerlegen. Da macht’s die Summe der Ereignisse.

Und es ist zunächst einmal ganz normal, dass die Kohlmeise schon im Januar und Februar mit ihrem Gesang zu hören ist. Auch die Singdrossel und die Heckenbraunelle kann schon sehr früh im Jahr wieder in die Brutgebiete einziehen – und sich dort bemerkbar machen. Aber weil der Winter in diesem Jahr so mild war, sind viele Vogelarten gar nicht oder nicht allzu weit weg gezogen. So konnten wir in der Düffel über den ganzen Winter immer wieder Kiebitze, Stare oder auch viele Wiesenpieper beobachten. Es liegen Beobachtungen von Schwarzkehlchen vor und in der Hetter hat eine Gruppe von rund 20 Weißstörchen überwintert. Milde Witterung und ein gutes Nahrungsangebot haben dazu geführt.

Jetzt haben diese Vögel eigentlich die besten Voraussetzungen, um die besten Reviere zu besetzen und als erste mit der Brut zu beginnen. Das kann ein großer Vorteil sein, wenn nicht noch ein harscher Kälteeinbruch kommt. Aber die klimatischen Änderungen gehen doch eher dahin, dass die Winter bei uns immer milder werden. Und so kann sich mit der Zeit die Strategie der Standvögel gegenüber der Strategie der Zugvögel als Vorteil erweisen. Aber Vögel sind sehr anpassungsfähig.

Wie auch in diesem Winter, können wir immer wieder sehen, dass einzelne Vögel, die normalerweise weiter in den Süden ziehen, ganz flexibel auf sich ändernde Witterungs- oder Umweltbedingungen reagieren können. Ob solche Anpassungen, wenn sie dann auch an Folgegenerationen weiter gegeben werden, erfolgreich sind, erweist sich aber oft erst nach vielen Jahren. Die richtige Anpassung an den Klimawandel zu finden ist eine riesengroße Herausforderung - nicht nur für die Tier- und Pflanzenwelt.