Der aufrechte Klever

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Kleve..  Vor gut 70 Jahren endete in Deutschland der Zweite Weltkrieg. Am Dienstag erinnerte man auch in Kleve an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Auch Klever Juden und Widerständler wurden in Konzentrationslagern misshandelt und ermordet. Ein bekannter Name ist heute Wilhelm Frede. Über ihn ist bereits viel geschrieben worden und dennoch kann insbesondere das Studium seiner Gestapo-Akte neue interessante Fakten zu Tage bringen. Frede war Bediensteter des niederländischen Konsulats, das seit der Besetzung der Niederlande 1940 als Hilfsstelle des Königlich Schwedischen Vizekonsulats in Ruhrort weiter bestand, welches nun die niederländischen Interessen vertrat.

Im Visier der Gestapo

Im Oktober 1940 geriet Frede in das Visier der Gestapo, nachdem der Sicherheitsdienst (SD) in Kleve einen Bericht über ihn verfasst hatte. Frede erscheint hier als ein standhafter Mann, der sich mit vielen kleineren Handlungen der nationalsozialistischen Weltanschauung widersetzte. Sein katholischer Glaube und die Verbundenheit zu den Niederlanden waren für ihn Maßstab seines Handelns. Man warf ihm seine intensive Teilnahme am kirchlichen Leben und sein pro-niederländisches Verhalten vor. Er verweigere den „deutschen Gruß“ und beteilige sich nicht an Sammlungen des Winterhilfswerks. Auch verhalte er sich den Juden gegenüber freundlich. So grüße er seine jüdischen Nachbarn, führe mit ihnen lange Gespräche und habe nach dem Novemberpogrom von 1938 Jungen zurechtgewiesen, die dort Fensterscheiben eingeworfen hatten. Zusammenfassend kam der SD zu dem Ergebnis, Frede sei „deutschfeindlich, judenfreundlich und schwarz“.

Festnahme im November 1942

Die Vorwürfe reichten letztlich nicht zu einer Verhaftung. Doch Frede stand nun noch mehr unter Beobachtung. Die Gestapo bemühte sich um seine Entlassung aus dem Konsulat und suchte nach einem Grund für eine Verhaftung. Diesen fand sie schließlich genau ein Jahr später ausgerechnet in einem Brief, den Frede in seiner Funktion als Konsulatsbeamter und im Auftrag des schwedischen Vizekonsulats an den Amtsbürgermeister von Rindern geschickt hatte. Eigenartigerweise bat die Abwicklungsstelle des „Departements van Defensie“ in Den Haag anderthalb Jahre nach der deutschen Besetzung, bei einem in Keeken wohnenden niederländischen Staatsbürger nachfragen zu lassen, warum er im August 1939 seinem Gestellungsbefehl nicht nachgekommen war. Fast trium-phierend erkannte die Gestapo hierin einen erneuten Beweis für Fredes deutsch- und staatsfeindliche Einstellung. Im Schreiben der Gestapo heißt es: „Die Spitze der Unverschämtheit ist jedoch darin zu sehen, dass dieses Konsulat zur Erreichung des Zieles eine deutsche Behörde, also eine Behörde des Siegerstaates einzuspannen versucht“. Dieser Vorgang erwecke den Eindruck, dass Holland noch Machtbefugnisse habe.

Gedenken an Wilhelm Frede

Am 3. November 1941 wurde Frede in Schutzhaft genommen. Eingaben seiner Familie und des schwedi-schen Vizekonsulats, er habe als Beamter nur im Auftrag gehandelt, konnten nicht verhindern, dass er im Februar 1942 in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt wurde. Hier starb er schon nach einem Monat am 13. März 1942 an den Folgen der Haftbedingungen.

Ausgerechnet auf diesen Tag datiert ein Schreiben des Reichssicherheitshauptamts in Berlin an die Gestapo in Düsseldorf mit der Bitte zu prüfen, ob Frede nicht aus der Schutzhaft entlassen werden könne, da er in der Hauptsache tatsächlich nur im Auftrag gehandelt habe und die übrigen erhobenen Beschuldigungen bereits längere Zeit zurück lägen.

Seit den 1970er Jahren förderte und verbreitete vor allem die katholische Seite die Erinnerung an Wilhelm Frede, den sie wegen seines Eintretens für seinen Glauben zu den „Klever Märtyrern“ zählte.

Max Gonsenheimer, der die Judenvernichtung durch Emigration nach Palästina überlebt hatte, war beeindruckt vom Verhalten Fredes seinen Verwandten gegenüber. Daher ließ er durch den jüdischen Nationalfonds im Jerusalemer Wald fünf Bäume zum Andenken an Frede pflanzen. Mit der „Allee der Gerechten“ in Yad Vashem und einer sich daraus ergebenden Ehrung Fredes als „Gerechter unter den Völkern“ hat dies nichts zu tun.