Das Wasser zum Leben

Jörg Santel, technischer Ingenieur, zeigt im Klever Wasserwerk die Technik.
Jörg Santel, technischer Ingenieur, zeigt im Klever Wasserwerk die Technik.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Vor 50 Jahren ging das Wasserwerk im Klever Reichswald in Betrieb. Heute versorgt die Station 100 000 Menschen in der Region mit Trinkwasser

Kleve..  Dass das Klever Trinkwasser irgendwo aus dem Reichswald kommt, wissen wohl die meisten. Aber wo genau befindet sich das Wasserwerk eigentlich? Versteckt im tiefen Reichswald wird seit 50 Jahren sauberes Wasser für 46 000 Haushalte gefördert – aber nur die wenigsten haben eine Ahnung davon, wo ihr Trinkwasser tatsächlich herkommt. In der vergangenen Woche stattete der Umweltausschuss der Stadt Kleve dem Haus einen Besuch ab. Und siehe da: Auch viele Stadtverordnete irrten eine Zeit lang im Wald umher, ehe sie das unscheinbare Wasserwerk gefunden hatten.

„Nitrat ist das große Thema“

Kleve ist wirklich gesegnet. Ralf Ketz, Mitarbeiter der Stadtwerke, erklärt, dass das Wasser in Kleve kaum einer Aufbereitung bedarf. Im Grunde sei das Wasser, welches aus 20 Metern Tiefe gewonnen werde, trinkbar. Lediglich der erhöhte Anteil an Kohlensäure müsse mit Kalkwasser gebunden werden. Für diese Aufbereitung werden jedes Jahr gut 150 Tonnen Weißkalkhydrat zugemischt, so Ketz. Und sein Kollege Jörg Santel, der für den technischen Betrieb der Anlage verantwortlich ist, verdeutlicht: „Eigentlich haben wir hier eine kleine Kalk-Wasser-Fabrik.“

Ein Problem ist allerdings der Eintrag von Nährstoffen in das Grundwasser. „Nitrat ist das große Thema“, sagte Ketz. So gibt es bereits seit 1995 Kooperationsverträge mit 32 Landwirten, mit dem Ziel, dass diese die Nährstoffeinträge ins Grundwasser reduzieren. Durchschnittlich zahlen die Stadtwerke dafür 150 000 Euro im Jahr. Bislang habe sich die Extensivierung aber noch nicht ausgezahlt. Die Stadtwerke nehmen regelmäßig Wasserproben. Der Nitratwert liege im Durchschnitt bei 40 Milligramm pro Liter. 50 Milligramm seien noch zulässig, so Ketz. Bei einigen Wasserbrunnen messe man 14 bis 15 Milligramm je Liter, bei anderen bis zu 45 Milligramm.

„Das Wasser muss gemischt werden, um die Werte einzuhalten“, so Ketz. Anfang der 90er Jahre lagen die Nitratwerte bei 30 Milligramm je Liter.

Trinkwasser hat ein langes Gedächtnis. Es dauert gut zehn Jahre, bis ein Regentropfen wieder als Trinkwasser gefördert wird. Schutzmaßnahmen, die heute getroffen werden, wirken sich erst in zehn Jahren auf die Qualität des Trinkwassers aus.

Brunnenbau in Handarbeit

Eine öffentliche Wasserversorgung gibt es in Kleve seit 1878. Damals gab es einen Brunnen an der Flutstraße, der 37 Kubikmeter gefördert hatte. Heute werden jährlich 5,6 Millionen Liter Trinkwasser im Jahr gefördert – mit einer rückläufigen Tendenz. Rein rechtlich dürfen die Stadtwerke jährlich sieben Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Boden entnehmen.

Karl-Heinz Angenendt von den Stadtwerken erklärt, dass mit dem Bau des heutigen Wasserwerks 1955 begonnen wurde. Mit Handarbeit habe man den Brunnen erstellt und die langen Wasserleitungen nach Kleve gelegt. Erst fünf Jahre später, 1960, wurde dann das erste Trinkwasser gefördert und nach weiteren fünf Jahren ging das Wasserwerk 1965 endlich in Betrieb. Die Kiesgruben rund um den Reichswald haben bislang keinen Einfluss auf die Qualität des Trinkwassers gehabt.