Das vorbildliche Kleve
21.10.2007 | 15:55 Uhr 2007-10-21T15:55:02+0200FESTAKT. Jubiläum des deutsch-polnischen Miteinanders wurde gefeiert. Wie vor 25 Jahren traf man sich zum Gottesdienst.
KLEVE. Blitzlichtgewitter im Klever Kolpinghaus am Samstagabend. Polnische und deutsche Medienvertreter - unter ihnen auch das Staatsfernsehen TV Polonia - wollten dabei sein: 25 Jahre polnisch-katholische Mission Kleve und ein Vierteljahrhundert Bund der Polen in Deutschland - Ortsgruppe Kleve - wurden gefeiert. Nach 2004, der zentralen deutschen Veranstaltung zum Beitritt Polens in die EU hier im Kreis Kleve, erneut ein Höhepunkt in dem schrittweise aufeinander Zubewegen zweier europäischer Staaten.
Ein gern gesehener Gast ist immer Polens Generalkonsul Andrzej Kaczorowski. Er brachte es beim Festakt auf den Punkt: "Für mich ist es höchste Genugtuung, dass die Arbeit so vorbildlich verläuft", hieß es von ihm: "Das doppelte Jubiläum heißt, dass wir mit Freude anerkennen, dass es in der Schwanenstadt gelungen ist, eine besondere deutsch-polnische Atmosphäre aufzubauen."
Kleve ist Hauptstadt der Zusammenarbeit
NRW-Europaminister Breuer habe vor gar nicht allzu langer Zeit Düsseldorf zur Hauptstadt der deutsch-polnischen Zusammenarbeit erklärt: "Heute ist es ausnahmsweise Kleve", so Kaczorowski. Auch ging der Generalkonsul auf die Wurzeln des Europäischen Hauses ein - und bezeichnet Kleves heutigen Bürgermeister Theo Brauer als einen Nachfahren des Kaisers Otto III. - einem der Architekten eines vereinten Europas.
Bürgermeister Brauer, der wie sein Vorgänger Josef Joeken im Rahmen der Feierlichkeiten mit dem Goldenen Abzeichen des Bundes der Polen in Deutschland ausgezeichnet wurde, erinnerte an den Wegbereiter, den Mann der ersten Stunde, und dankte Pfarrer Fritz Leinung "für die nachhaltige vorbildliche Pionierarbeit". Stets erinnerte Brauer an das gute Miteinander in der Schwanenstadt: "Alle sind sie Klever Bürger."
Stolz sei er, und mit ihm viele seiner Freunde, Bürger der Schwanenstadt zu sein, unterstrich Wladyslaw Pisarek, Vorsitzender des Bundes der Polen in Deutschland in Kleve: "Ich würde es heute als göttliche Fügung bezeichnen, dass wir vor 25 Jahren in die Unterstadtkirche kamen". Damals habe man nicht ahnen können, was mit dem ersten Gottesdienst in polnischer Sprache begann. Erst recht nicht, welche Ausstrahlung für ein gutes Miteinander davon ausgehen würde.
Während Vertreter des polnischen Militärs die polnisch-katholische Gemeinschaft beglückwünschten, wartete einer der Menschen der ersten Stunde, Pfarrer Fritz Leinung, auf seinen Einsatz. Schließlich wollte er sein Buch "Gemeinsame Wege - auf den Spuren europäischer Geschichte" den 150 Gästen vorstellen.
Pfarrer Leinung blieb gelassen
Doch da machte ihm der gut gelaunte Bischof Dr. Ryszard Karpinski, der gemeinsam mit ihm am Mittag den Gottesdienst zelebrierte, einen Strich durch die Rechnung: "Ich könnte noch lange über Johannes Paul sprechen, aber ich glaube, die Suppe ist schon kalt geworden", sagte er und gab damit den Startschuss fürs Buffet. Pfarrer Leinung nahm's gelassen. Wie ihn die Klever eben kennen.Es blieb zwar keine Zeit mehr für die Buchvorstellung von Pfarrer Fritz Leinung. Trotzdem verriet er der NRZ vieles zu seinem neuesten Werk: Gemeinsame Wege - auf den Spuren europäischer Geschichte. "Der Hauptteil beschäftigt sich mit Fahrten, die mit uralten Ereignissen zu tun hatten - mit einer seit 1000 Jahren gemeinsamen Geschichte Europas", so Kleves Ehrenbürger. Bilder und Geschichten berichten von den Anfängen - der ersten polnischen Messe in der Unterstadtkirche 1982 und die Vorbereitungen für diesen damals noch außergewöhnlichen Gottesdienst. Auch die Besuche in Gnesen und Rom und die vielen Begegnungen in Kleve dürfen nicht fehlen. Das Buch in polnischer und deutscher Sprache beschäftigt sich ebenfalls mit Kaiser Otto III., dem Urvater des europäischen Gedankens.
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Pfarrer Fritz Leinung, ein Held im Stillen. Fernab jeder Äußerlichkeit arbeitet er bereits viele Jahre seines Lebens für die internationale Verständigung.