"Das stinkt nach Schieberei"
19.08.2008 | 19:00 Uhr 2008-08-19T19:00:00+0200Parteiübergreifende Bürgerinitiative gegen geplanten Flugplatz Bylerward gegründet. Scharfe Kritik an Behörden.
Der Protest gegen den geplanten Segel- bzw Motorflugplatz in Wissel-Bylerward (die NRZ berichtete exklusiv) hat sich formiert: „Heute verkünden wir offiziell die Gründung der Bürgerinitiative gegen den Flugplatz”, sagte gestern deren Vorsitzender, August Raadts. Gemeinam mit Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve, informierte Raadts vor Ort in Anwesenheit zahlreicher Landwirte und Anlieger über den Stand der Dinge. Mit ihrem Unmut hielten die Männer nicht hinterm Berg. Scharf kritisierten sie nicht nur die Landwirtschaftskammer, den Kreis Kleve, die Stadt Kalkar sowie Düsseldorf. „Es ist unglaublich, wie das hier läuft”, wetterte Peters. Denn obwohl angrenzende Landwirte dem Landschaftsverband als Besitzer des gut 75 Hektar großen Areals das Land für übliche vier Euro hätten abkaufen wollen, hätte ein Emmericher Privatmann den Zuschlag erhalten – „Für 2,09 Euro je Quadratmeter”, hieß es. „Das stinkt nach Schieberei”, wetterte Peters, Raadts nannte die Umstände „hochgradig merkwürdig”. 1,5 Millionen Euro an Steuergeldern würden so verschenkt, sagte ein anderer. Das Argument, hier ginge es um öffentliche Belange, ließ keiner der Anwesenden gelten. Hintergrund des Ärgers: Weil sie nicht weiter an ihren Standorten in Wissel und Emmerich-Dornick bleiben und wachsen dürfen, wollen die Hobby-Piloten nach Bylerward, dort nicht nur eine 1100 Meter lange und 100 Meter breite Piste bauen. „Da sind eine Flugzeughalle, ein Kasino sowie große Jugendcamps geplant”, weiß Nachbar Franz Schooltink. Das, was in den vergangenen Monaten gelaufen ist, bringt in Bylerward jedenfalls alle auf die Palme. Und nicht nur die. Zu den Mitgliedern der überparteilichen Bürgerinitiative zählt etwa Notar Dr. Gewaltig. „Mitmachen gegen den Flugplatz will auch Vizebürgermeister Karl-Ludwig van Dornick”, sagte Schooltink gegenüber der NRZ. Einig sind sich alle in der Bewertung der Lage: Man könne aus Umweltschutz-Gründen nicht die Fliegerei von Emmerich und Wissel ins Landschaftsschutzgebiet Bylerward verlagern – ohne überhaupt die Anlieger gefragt zu haben. „Hier gibt's wertvolle Hecken, einen Deich aus dem 14. Jahrhundert, beste Böden”, ärgerte sich Peters über Düsseldorf, weil die Verantwortlichen bereits grünes Licht für die flugrechtliche Genehmigung signalisiert hätten. „Auch der Kreis und die Stadt scheinen nichts gegen den Flugplatz zu haben – obwohl die Stadt den Flugplatz verhindern könnte, indem sie etwa den Flächennutzungsplan einfach nicht ändert”, forderte Peters. Überhaupt nicht verstehen können die Mitglieder der Bürgerinitiative, mal abgesehen von drohenden Lärm- und Verkehrsproblemen, dass der Verein absehbar große Gebäude in die Kulturlandschaft setzen können soll. „Wenn einer der Landwirte nur einen Hühnerstall errichten will, ist das ein Riesenproblem”, schimpfte Peters. „Wenn die hier bauen dürfen, frag ich den Kreis künftig überhaupt nicht mehr, wenn ich was errichten will”, ließ ein dort wohnender Landwirt seinem Ärger freien Lauf.
Termin in Düsseldorf:Sorgen, besonders um ihr Vieh, machen sich die Landwirte wegen des geplanten Motorflugplatzes. Erst jüngst seien motorisierte Paragleiter über die Wiesen geflogen und hätten Pferde und Rinder in Panik versetzt. „Das ist Tierquälerei”, hieß es. Auch darüber wollen Peters und Raadts in Düsseldorf sprechen, wenn sie sich dort mit dem Staatssekretär des Umweltministers treffen.
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