Das Sprachrohr
09.04.2008 | 00:07 Uhr 2008-04-09T00:07:00+0200Sigrid Koch kümmert sich seit zehn Jahren als Ombudsfrau um die Probleme der Patienten in den Rheinischen Klinken.
Ein freundliches Lächeln, ein verständnisvolles Nicken und einige beruhigende Worte – Sigrid Koch weiß, wie sie die Gemüter beruhigen kann. Die 70-Jährige ist Ombudsfrau in den Rheinischen Kliniken. Ihre Aufgabe ist es, als unabhängiger Ansprechpartner die Beschwerden der Patienten aufzunehmen und sie gegebenenfalls an den Träger weiterzuleiten sowie bei Problemen zu vermitteln. Das ist in den Rheinischen Kliniken nicht immer ganz so einfach. Schließlich gehören die Anliegen mancher Patienten nicht zu den alltäglichen Dingen. „Ich bin ein Zeitreisender, Gott und Satan zugleich, der Fürst des Lichtes und der Finsternis”, schreibt ein Patient auf einen Zettel und reicht ihn in das Besprechungszimmer von Sigrid Koch im Sozialzentrum. „Natürlich kommen zu mir auch Leute mit Wahnsvorstellungen, aber das ist eher selten”, erzählt die Ombudsfrau.Seit fast zehn Jahren bekleidet Sigrid Koch das ehrenamtliche Amt. Vorher war sie Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Kreis Kleve und steuerte eigentlich auf die Rente zu. „Dann sprach man mich an, ob ich nicht als Kontaktperson zwischen Patienten und dem Träger der Rheinischen Kliniken LVR fungieren möchte”, erinnert sie sich, „da ich vorher meist mit Unternehmen und weniger mit der Basis zu tun hatte, fand ich die Aufgabe sehr reizvoll”. Dass es mal zehn Jahre werden sollten, habe sie zu dem Zeitpunkt allerdings nicht gedacht. Am heutigen Mittwoch wird sie wohl im Krankenhausausschuss für weitere zwei Jahre in ihrem Amt bestätigt – eine andere Kandidatin gibt es nicht. Einmal in der Woche bietet Sigrid Koch eine Sprechstunde an. Die fördert regelmäßig die Probleme im Gesundheitssystem zu Tage. „Ich habe in den zehn Jahren die Entwicklung mit vielen Verschlechterungen verfolgt: weniger Personal, weniger finanzielle Mittel und vor allem die Überbelegung”, erzählt die 70-Jährige. Daraus würden für die Patienten zahlreiche kleinere Probleme entstehen – etwa wenn sich 20 Leute zwei Toiletten und die Duschen auf dem Gang teilen müssen. „Dann versuche ich zu trösten und zeige Verständnis – das klingt vielleicht blöd, aber oft reicht das dann auch schon, wenn sich die Patienten ihren Ärger von der Seele reden können und ihnen jemand zuhört. Andererseits kann sie auch beim Personal auf Missstände hinweisen, bei Streitereien schlichten und bei dringend benötigten Reparaturmaßnahmen bei der Verwaltung vorsprechen. So ist es mit der wöchentlichen Sprechstunde bei weitem nicht getan. Viele Gespräche müssen nachgearbeitet werden, was Zeit in Anspruch nimmt. „Aber es macht mir großen Spaß, sonst würde ich nach so vielen Jahren nicht noch zwei weitere dranhängen wollen”, so Sigrid Koch.
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