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Eiseskälte

Das Rathaus war kalt gestellt

06.02.2012 | 19:55 Uhr
Das Rathaus war kalt gestellt
Bürgermeister Theo Brauer gestern im Büro in Mantel und Schal bei der Arbeit. Ein warmer Tee half. Und Auswärtstermine im Warmen. Foto: Roy Glisson

Kleve.   Bürgermeister ließ nicht „Dampf ab“, sondern kleine weiße Wölkchen sichtbarer Atemluft. Ein Seehund im Tierpark lernt das Schollen-Hüpfen - und ein Schwan beschäftigte die Feuerwehr.

Tapfer saßen städtische Mitarbeiter gestern im Mantel an ihren Schreibtischen in Kleve. Es hatte sie kalt erwischt: Heizungsausfall im Rathaus. Und das übers Wochenende. Das alte Gebäude war ausgekühlt. Je höher die Etage, um so eisiger der Arbeitsplatz. Fünf Grad Celsius.

Hausmeister Jörg Naß stellte kurz nach 7 Uhr den Fehler fest. Als drei Fachfirmen bis 9.30 Uhr die Ursache noch nicht gefunden hatten, gab Bürgermeister Theo Brauer den meisten Kollegen frei (denen im Rathaus, die ausgelagerten Ämter blieben natürlich besetzt). Brauer: „Die Gesundheit der Mitarbeiter ist ein hohes Gut.“ Aber die Panne hat ihn doch „aufgewühlt. Das is nix für Theo“ sagt er über sich selbst. „Die Verwaltung ist kalt gestellt. Hier ist eben nichts isoliert. Im Sommer ein Brutofen, heute ein Kühlschrank“. Und dabei steigen kleine weiße Rauchwölkchen aus seinem Mund. „Sonst lässt er nur Dampf ab“, witzelt Beigeordneter Jürgen Rauer, der gerade mit Kämmerer Willibrord Haas mantel-gehüllt in Brauers Büro kam.

Nach 11 Uhr stieg dann weißer Rauch überm Rathaus auf: Habemus vaporarium. Wir haben wieder Heizung.

Sanitärmeister Georg Aymanns ließ seine Leute bis unters Dach jeden Heizkörper nach Rohrbrüchen durchtesten. Detlef Mai und Marko Doerwald vom Gebäudemanagement begleiteten Dieter Röpling von der Regelungsfirma (Kieback und Peter) zur Elekronik im Keller. Dass mal eine Steuerungskassette ausfällt, das passiert. Aber diesmal hat das ganze System versagt. „Es ist alt“, kommentiert Röpling. Heute soll wieder „zumutbare Betriebstemperatur“ herrschen.

Die Feuerwehr rückte aus - zur Schwanenrettung. Foto: Guido Schulmann

Der klassische Eiszeit-Notruf erreichte gestern Vormittag die Feuerwehr: Ein Schwan sei festgefroren, meldeten Passanten vom Breijpott in Kellen. Die Wehrleute rückten mit drei Fahrzeugen und Schlauchboot aus. Als sich ein angeseilter Feuerwehrmann langsam dem Federvieh näherte, „hat sich das Tier durch Flucht der Rettung entzogen“, antwortet die Leitstelle auf NRZ-Anfrage. Die Wehrleute bliesen das Rettungsboot dennoch vorsorglich auf.

Ein anderes Tier hat gestern was fürs Leben gelernt: Alex, der kleine Seehund im Tierpark. Während seine großen Verwandten im Wasser Anlauf nehmen und mit Schwung über die Kante auf die vereiste Betonplattform flutschen, um sich dort ihr Futter abzuholen, versuchte Alex sich mit den Flossen am Rand hochzuhieven wie Menschen im Schwimmbecken. Das schaffte er erst nach Stunden. Die stellvertretende Tierparkleiterin Marie-Christine Kuypers sah mehrfach nach dem Rechten. Normalerweise bekommen die fünf Seehunde zusammen 20 Kilo Futter am Tag, momentan sind es zur Stärkung 30 Kilo. Das Seehundbecken ist übrigens fast komplett zugefroren. Nur die Atemlöcher halten sich die Tiere selbst frei, indem sie immer an der selben Stelle auftauchen.

Trotzdem gibt es genug zu gucken im Tierpark. Der Sonnenschein lockt auch bei Frost die Bewohner nach draußen. Den Trampeltieren wuchs ihr Winterfell so dicht, dass „die Hand darin verschwindet“, beschreibt Kuypers. Polarfüchse finden’s prima. Kängurus nehmen’s gelassen. Nur die afrikanischen Erdmännchen sind im Stall eingesperrt, auf einer Heizmatte, mit Wärmelampe und Heizöfchen.

Astrid Hoyer Holderberg

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