„Das kann doch alles nicht sein“

Reiner Erping
Reiner Erping
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Reiner Erping wurde nach einem Hörsturz am Wochenende vom Klever Krankenhaus abgewiesen. Er musste zum Notdienst nach Krefeld fahren

Kleve..  Reiner Erping verfolgt zurzeit mit großem Interesse die NRZ-Berichterstattung zur angedachten Neuausrichtung des Notdienstes im Kreis Kleve. Kopfschüttelnd nimmt der Pensionär zur Kenntnis, dass die notdienstliche Versorgung für HNO und Augenheilkunde dauerhaft in Krefeld erfolgen soll. Für Reiner Erping ein Unding.Dabei hat er selbst schon die Erfahrung machen müssen, zum Notdienst nach Krefeld zu fahren.

Reiner Erping erlitt an einem Samstagmorgen einen Hörsturz: „Ich habe häufiger Probleme mit meinen Ohren, ich weiß daher mittlerweile, wie sich ein Hörsturz anfühlt“, erzählt er im Gespräch mit der NRZ. Und er wisse auch, dass der Faktor Zeit durchaus eine Rolle spiele. Reiner Erping rief also schnell die Notrufnummer 11 61 17 für den Kreis Kleve an. Hier teilte man ihm bereits mit, dass der Notdienst für HNO-Angelegenheit sich bei der Helios-Klinik in Krefeld befinde.

Keine Fahrtkostenerstattung

Reiner Erping legte verwundert den Telefonhörer wieder auf. Das kann doch alles nicht wahr sein, wunderte sich der Pensionär und versuchte es zur Sicherheit auch beim Klever Krankenhaus: „Da gibt es doch auch Belegärzte“, dachte sich Erping. Doch auch hier bekam er zu hören: „Wir nehmen keine Notfälle an. Bitte wenden sie sich an die Helios-Klinik in Krefeld.“. Der Hinweis, dass ihm schwindelig sei und er niemanden habe, der ihn Krefeld fahren könne, zog nicht: „’Dann nehmen sie sich bitte einen Krankenwagen’, hat man mir gesagt“, schildert ein verdutzter Reiner Erping. Was soll das den bitte schön kosten?

Nach reiflicher Überlegung hat er sich dann doch selbst hinters Steuer gesetzt und sei „auf Nebenstrecken“ nach Krefeld gefahren. Gute fünf Stunden nach seinem Hörsturz sei er endlich behandelt worden.

Christian Weßels, Sprecher der Klinikgruppe KKLE in Kleve, bestätigt, dass die hiesigen Krankenhäuser am Wochenende keine HNO- und Augenpatienten behandeln können. „Wir dürfen es einfach nicht“, so Weßels. Er berichtet zudem von einem jungen Schüler aus Goch mit starken Nasenbluten, der auch in Krefeld zum Notdienst geschickt wurde. Die Mutter habe 280 Euro fürs Taxi ausgeben müssen.

Denn eine Erstattung der Fahrtkosten gibt es nicht. Roswitha Reimer-Evers, Sprecherin der AOK in Kleve, erklärt, dass die Kosten für einen Krankenwagen nur dann von den Kassen übernommen werden, wenn der Patient mindestens in der Pflegestufe II aufgenommen wurde oder eine starke Gehbehinderung vorliegt. Ansonsten müssen die Fahrtkosten selbst getragen werden.

Reiner Erping hat noch Glück gehabt. Die Fahrt nach Krefeld ist ihm geglückt. „Aber die Zeit, die ich verloren habe. Seitdem habe ich ein dauerhaftes Piepen im Ohr. Ich bin ja schon froh, dass ich nicht taub geworden bin“, sagt Erping. Er kann es nicht nachvollziehen, dass sich Krankenhäuser und HNO-Ärzte nicht zu einem Notdienst zusammen schließen können: „Auf dem Gebiet der HNO-Versorgung geben wir bereits heute im Kreis Kleve ein ganz schwaches Bild ab.“