Das ist der Hammer
16.05.2008 | 23:30 Uhr 2008-05-16T23:30:00+0200Der Papst hatte ihn in der Hand. Kardinal Meisner auch. 364 Tage im Jahr liegt das Pilgerwerkzeug im Schrank.
Einmal im Jahr ist er auf rotem Samt gebettet. Messdiener tragen ihn behutsam über den Kapellenplatz zur Basilika. Dort wird er von seinem weichen Kissenbett genommen und mit Schwung gegen das Pilgerportal geschlagen. Dreimal. Papst Johannes Paul II hatte ihn 1987 in der Hand, als er die Wallfahrtszeit eröffnete. In diesem Jahr war es der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, der seine Finger um den Kevelaerer Pilgerhammer legte.Doch wo ist das gute Stück während der anderen 364 Tage? Wallfahrtsrektor Dr. Stefan Zekorn führt uns in die Sakristei der Basilika und zögert einen Augenblick vor den vielen dunklen Wandschränken. „Ich muss überlegen, wo er aufbewahrt wird. Hier sind die Hostien, hier die Stolen...”. Der dritte Versuch klappt. In einer Holzschublade hat das Pilgerwerkzeug seinen Platz. Den muss der Wallfahrtsrektor nicht so genau kennen. „Ich bin ja vor der Eröffnung immer mit dem Bischof im Priesterhaus”. Es ist der Küster, der die Zeremonie vorbereitet. Der Pilgerhammer ist nichts Heiliges. Ein Nagel dürfte damit zwar nicht in die Wand geschlagen werden, aber anfassen ist erlaubt. Recht leicht fühlt er sich an. „Messing aus Italien”, sagt Zekorn. Ein wenig abgeschabt sind die Kanten. Schließlich trifft er an der Basilika nicht auf eine Holztüre, sondern aufs schmucke Bronzeportal. „Und er hat schon 30 Jahre auf dem Buckel”, ergänzt der Wallfahrtsrektor. Zekorns Vorgänger Richard Schulte Staade hatte den Brauch mit dem Pilgerhammer 1978 eingeführt, um die Eröffnung der Wallfahrt mit diesem symbolischen Akt festlicher zu gestalten. Zekorn: „Vorher war das unspektakulärer. Es ging einfach los.” Der Brauch hat seinen Ursprung in Rom. Dort wurde im Heiligen Jahr 1500 die Pforte im Petersdom mit drei Hammerschlägen eröffnet. Damit Gäste wie Kardinal Meisner wissen, was sie beim Kevelaerer Ritual zu tun haben, gibt es eine Anleitung. In Klarsichtfolie sind die mit Schreibmaschine betippten Seiten aus den 70er Jahren in einem roten Ordner abgeheftet. Dort steht nicht nur der bekannte Eröffnungssatz „Öffnet die Tore eures Herzens Christus, dem Erlöser.” auf Deutsch, Lateinisch und Niederländisch. Auch der Ablauf ist konkret festgelegt. Ein Beispiel: „Der Bischof begibt sich in Begleitung zum Pilgerportal.” Auch im nächsten und übernächsten und überübernächsten Pilgerjahr soll das wieder so sein. Und mit ein bisschen Glück wird irgendwann an einem 1. Mai noch einmal ein Papst den Pilgerhammer in der Hand halten. Zekorn: „Der Bischof hat ihn eingeladen, bei seinem nächsten Deutschlandbesuch auch nach Kevelaer zu kommen.”

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