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Landwirtschaft

„Das Ganze im Blick haben“

25.03.2015 | 10:00 Uhr
„Das Ganze im Blick haben“
Franz Josef Stork ist der neue Leiter von Haus Riswick.Foto: Andreas Daams

Kleve.  Dr. Franz-Josef Stork ist seit Jahresanfang Leiter von Haus Riswick. Vorher arbeitete der Agrarwissenschaftler an globalen Zuchtzielen in der Schweineproduktion

Als Franz-Josef Stork 1981 mit dem Studium begann, war ihm klar: Mit dem kleinen Bauernhof seiner Eltern in Marbeck bei Borken wird es nicht weitergehen. Die Landwirtschaft jedoch begeisterte ihn nach wie vor – die Vielfalt des Berufs, die Kreativität, die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Und natürlich die Arbeit mit Natur, Tieren und Wetter. Und so setzte er die Familientradition auf eine besondere Weise fort. Nach dem Gymnasium studierte er Agrarwissenschaften in Bonn und blieb so der bäuerlichen Welt verbunden. „Ich mag es, mit Landwirten umzugehen“, erzählt er, „denn das ist keine diplomatisch verstellte Welt.“

Das Studium der Agrarwissenschaften umfasst eine Vielzahl von Wissensgebieten - von Physik, Betriebswirtschaftslehre, Verwaltungsrecht und Pädagogik bis hin zu Pflanzenbau und Tierwirtschaft. „Ein Teil des Reizes besteht ja gerade darin, das Ganze im Betrieb im Blick zu haben“, findet Stork. Er selbst konzentrierte sich schließlich auf die Tierzucht, ein Bereich, in dem er schließlich promovierte. Weil er am Ende des Studiums außerdem seine zukünftige Frau und Mutter seiner vier Kinder kennenlernte, kam ihm die Promotion ganz recht. So konnte er noch einige Zeit an der Uni bleiben.

Seine erste Stelle war dann die eines Lehrers für Tierproduktion und Agrarrecht in Lüdenscheid. Aber schon im zweiten Jahr baute er parallel gemeinsam mit dem Unternehmen Westfleisch ein Qualitätsrindfleischprogramm auf. „Das läuft noch immer“, berichtet Stork. Ansonsten ist in der Branche alles im Wandel. Das erlebte er dann als Geschäftsführer der Genossenschaft Schweineerzeuger Nord-West. „Anfangs haben wir da noch Eber auf Auktionen versteigert, zu denen dann Hunderte Bauern kamen“, erinnert er sich. Die Genossenschaft ging dann ein Joint-Venture mit der niederländischen Topigs ein, um sich im europäischen Markt zu behaupten. Inzwischen gab es eine weitere Fusion. In internationalen Gremien arbeitete Stork unter anderem mit Fachleuten aus China und den Vereinigten Staaten an globalen Zuchtzielen.

Es geht um die Gesundheit

„Schon seit mehreren Jahren geht es aber nicht mehr darum, mehr und schneller wachsende Schweine zu züchten, sondern um Langlebigkeit, Gesundheit und geringeren Ressourcenverbrauch“, betont er. „Ich mag es darum nicht, für etwas angefeindet zu werden, an dessen Lösung ich schon vor Jahren mitgearbeitet habe.“ Fehlentwicklungen sieht er durchaus, etwa in Osteuropa, wo Einheiten mit 5 000 bis 10 000 Schweinen entstehen. Und noch etwas ist Stork wichtig: Genmanipulationen im Labor sind tabu. Zumindest in Europa. „Ich kann natürlich nicht vorhersagen, was in Fernost eines Tages geschehen wird.“

Anfang 2015 wurde Stork Leiter des Versuchs- und Bildungszentrums Haus Riswick, Geschäftsführer der Kreisstellen Kleve und Wesel sowie Schulleiter der Fachschulen Kleve Landwirtschaft, ökologischer Landbau und Agrarservice der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. War er vorher global in einem sehr speziellen Bereich tätig, so ist er nun Generalist auf Kreisebene. Was ihm gefällt, ist die deutschlandweit einzigartige Erforschung der Zusammenhänge, angefangen vom Grünland über Futterkonservierung zu den Wiederkäuern und ihren Ausscheidungen – samt Methan. Geräte in den Ställen messen die Konzentration, die dann in Bezug gesetzt wird zum Futter. „Das sind Fragestellungen, die die Landwirtschaft in Zukunft noch sehr beschäftigen werden“, prophezeit er.

Wenn Franz-Josef Stork privat verreist, was er sehr gerne macht, geht es ihm eigentlich nicht um die Landwirtschaft. Einmal aber doch. Während eines Urlaubs in Wales besuchte er mit seiner Familie eine Bockauktion, die zufällig in der Nähe stattfand. Stork: „Dabei erfährt man ja doch mehr über Land und Leute, als in jedem Reiseführer steht.“

Andreas Daams

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2015-03-25 10:00
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