Damit die Füße trocken bleiben

Hans Walter Nebelung istVorsitzender des Vereins für Heimatschutz Kranenburg und Deichgräf.
Hans Walter Nebelung istVorsitzender des Vereins für Heimatschutz Kranenburg und Deichgräf.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Hans Walter Nebelung ist Vorsitzender des Vereins für Heimatschutz Kranenburg und Deichgräf

Kranenburg-Nütterden..  Auf dem Kleinen Markt in Kleve Fußball spielen - die Zeiten sind vorbei. Als Hans Walter Nebelung, Jahrgang 1944, im Jahr 1953 nach Kleve kam, war das normal. Parkende Autos gab es kaum. Die Stiftskirche war auch noch ein Trümmerfeld - „unser Spielplatz“, erinnert sich Nebelung. Weil er evangelisch war, musste er die Lutherschule besuchen. „Ich konnte nicht verstehen, dass ich nicht in die neue Schule durfte.“ Die neue Schule war katholisch. Und damals waren die Konfessionen noch wichtig und die Sitten noch streng.

So streng, dass Nebelung später nach einem schlechten Zwischenzeugnis auf ein Internat in Bayern kam. Seine ältere Schwester wohnte dort. Aber so richtig heimisch geworden ist er im Süden wohl nicht. Denn zur Ausbildung zog es ihn nach Niedersachsen. An der Ingenieurschule, die man kurz darauf in Ingenieurakademie umbenannte und dann in die Universität Lüneburg eingliederte, wurde er zum Ingenieur für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik. „Den Beruf gibt es in dieser Form heute gar nicht mehr“, erläutert Nebelung. Das Ingenieurwesen jedenfalls liegt wohl in der Familie: Nebelungs Vater war Vermessungsingenieur und seine Tochter ist ebenfalls Vermessungsingenieurin.

Bei der Unteren Wasserbehörde in Mettmann begann Nebelung 1969 seine Laufbahn. Mitte der 70er Jahre wechselte er zur Klever Außenstelle des Staatlichen Amt für Wasser und Abfallwirtschaft Düsseldorf und wurde bald zu deren Leiter. „In der Anfangsphase ging es um die Bepflanzung der Gewässer, ab 1986 auch um den Deichbau“, erinnert er sich. Egal ob Stadtmauer in Rees oder Promenade in Emmerich - immer war Nebelung mit der Bauüberwachung befasst. 2007 - da hatte er 43 Jahre im Öffentlichen Dienst gearbeitet -ging er in den Ruhestand.

Zusammenhänge verstehen

Ruhestand? Schon als seine Kinder klein waren, hatte er sich engagiert, im Kindergarten und in der Schule. Später wurde er in den Rat der Gemeinde Kranenburg gewählt. „Einmal habe ich gegen einen Zuschuss für den Verein für Heimatschutz gestimmt“, sagt er. Daraufhin sagte ihm der damalige Vorsitzende, er müsse dort Mitglied werden, um die Zusammenhänge zu verstehen. Das machte er auch. Inzwischen ist er seit etlichen Jahren Vorsitzender des Kranenburger Vereins, der unter anderem das Museum Katharinenhof, den Mühlenturm, die Scheune und den Gewölbekeller verwaltet. Für einen Großteil des Gemeindelebens ist der Verein für Heimatschutz zuständig: von der Kaffeetafel über Nachtwächterführungen bis zur Museumspädagogik.

Nebelung ist gerne aktiv. Er mäht den Rasen des Bolzplatzes , damit die Kinder nicht auf der Straße spielen müssen. Ins Presbyterium der evangelischen Kirche hat er sich nach zwölf Jahren allerdings nicht wieder wählen lassen. Und im Rat der Gemeinde Kranenburg ist er nach zwanzig Jahren auch nicht mehr. „Das sollen jüngere Leute machen“, findet er. Kontakt zu den Jüngsten hat er ohnehin - fünf Enkelkinder beleben den Ruhestand ungemein.

Und dann ist er bis heute seinem Metier, der Wasserwirtschaft, treu geblieben. „Ich fühle mich ziemlich sicher am Niederrhein“, sagt er mit Blick auf kommende Rheinhochwasser. Damit das auch so bleibt, ist er immer wieder als Deichgräf unterwegs, bei Sonnenschein mit dem Rad und bei Starkregen im Anorak. Bürgerliches Engagement auch das - und zwar eines, das eine lange Geschichte hat: Die Satzung der Deichschau Düffelt stammt aus dem Jahr 1364. „Sie ist natürlich ein bisschen demokratisch angepasst“, schmunzelt er. Aber das Prinzip ist immer noch dasselbe: Wer am Rhein wohnt, will trockene Füße behalten. Und dafür muss man halt etwas tun.