Chicagos Gangster im Landgericht
28.08.2009 | 18:50 Uhr 2009-08-28T18:50:00+0200Nippoldt stellt zum Abschied seines Vaters aus
Kleve. Der eine ging, der andere kam. Als sich Richter Rolf Nippoldt nach fast 33 Jahren richterlicher Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedete, hatte Landgerichtspräsident Ulrich Schambert ihm ein ideelles Geschenk beschert: Eine Ahnengalerie der Gangster – Portraits von Bandenbossen, Männer mit dichten Augenbrauen und der Erfolgsfalte über der Nase, gerne auch mit Zigarre.
In einer herzlichen und amüsanten Rede verabschiedete sich Rolf Nippoldt (65) von seinen Kollegen im Landgericht und plauderte aus dem Nähkästchen. Nur zweimal sei er in all den Jahren krank gewesen, das zeige, wie gerne er dort gearbeitet habe.
Nicht etwa, weil Nippoldt sich so gerne mit Kriminellen umgibt, sondern weil diese Zeichnungen aus der Feder seines Sohnes Robert stammen. Pünktlich zum Abschied des Vaters vertritt der Illustrator mit der Ausstellung „Gangster, die Bosse von Chicago”, seine Familie in der ersten Etage des Landgerichtes.
Al Capones strenger Blick über dem Schwurgerichtssaal, oder das von ihm verübte Valentinsmassaker vorm Zeugenraum. Diese Kombination aus Raum und Gegenstand wirkt und verleiht der Ausstellung einen besonderen Reiz. Die Arbeiten Robert Nippoldts (31), der schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt, sind minimalistisch und gerade deswegen ausdrucksstark. Sie erzählen die düsteren Geschichten des Chicagos der 1920er Jahre. So wie die des Blumenbarons Dion O'Banion, der erst ermorden ließ, um dann Blumenbuquets für die Beerdigungen verkaufen zu können. Auch wenn Nippoldt sich entschieden hat, nicht in die Fußstapfen seines Vater zu treten – das Thema bleibt in der Familie. mae

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