Campus und Airport im Fokus
27.08.2009 | 16:54 Uhr 2009-08-27T16:54:00+0200
Kreis Kleve. Landrat ist sein Traumberuf. Und den Sprung vom Kreisdirektor zum hauptamtlichen Landrat hat Wolfgang Spreen 2004 locker geschafft. Highlight seiner Amtszeit ist die Hochschule in Kleve. Im Interview schildert er Erreichtes und gesteckte Ziele.
1. Warum sollte der Bürger Sie zum Landrat/Landrätin wählen?
Bereits bei der Kommunalwahl 2004 haben mir die Wählerinnen und Wähler im Kreis Kleve ihr Vertrauen geschenkt und mich mit fast 58 Prozent der Stimmen zu ihrem Landrat gewählt. Ich habe mich bemüht, diesem großen Vertrauen durch meine Arbeit und ein gutes Miteinander mit allen Beteiligten gerecht zu werden. Meine politischen Ziele habe ich bei den Kommunalwahlen 2004 in der Aussage zusammengefasst "Chancen nutzen - Zukunft gestalten". Ich finde, dass der Blick zurück auf die seitdem von der CDU-Kreistagsfraktion und mir geleistete Arbeit zeigt, dass wir die sich uns bietenden Chancen erfolgreich genutzt und die Zukunft unserer Bürgerinnen und Bürger und vor allem auch die unserer Kinder positiv mitgestaltet haben. Besonders freue ich mich über die hervorragende Entwicklung des Flughafens in Weeze und darüber, dass es uns gelungen ist, die Hochschule Rhein-Waal in den Kreis Kleve zu holen. Wenn wir nun sagen: "Wir schaffen Zukunft", dann werben wir damit dafür, dass die CDU auch zukünftig die verlässliche, beständige, starke und gestaltende politische Kraft im Kreis Kleve bleiben kann.
2. Welche Projekte haben für Sie im Kreis Kleve Priorität?
Zum einen der rasche Bau eines attraktiven Campus für die Hochschule Rhein-Waal und die Unterstützung der hoch engagierten Gründungspräsidentin Frau Prof. Dr. Klotz beim Aufbau des Hochschulbetriebes in jeder nur möglichen Weise. Die Chancen, die sich aus dieser Hochschulgründung beispielsweise für unsere Jugend, für die Unternehmen, für den Arbeitsmarkt sowie für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in unserem Kreis ergeben werden, sind heute noch gar nicht alle zu ermessen. Des weiteren die Fortentwicklung des Airport Weeze hin zu einem Euregionalen Zentrum für Luftverkehr, Logistik und Gewerbe. Mit rund 1,5 Millionen Passagieren in 2008 und voraussichtlich über 2 Millionen in 2009 sowie etwa 1.000 Arbeitsplätzen hat der Airport selbst optimistische Prognosen und Vorhersagen noch weit übertroffen. Und es ist zu erwarten, dass diese Entwicklung sich weiter fortsetzen wird. Das müssen wir nutzen. Von höchster Bedeutung ist unverändert auch die Fortsetzung der erfolgreichen Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit als Optionskreis Kleve. Trotz der rund 17.000 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt in den letzten Jahre gibt es hier noch viel zu tun.
3. Wie beurteilen Sie den Arbeitsmarkt im Kreis Kleve?
Er ist im Vergleich zu anderen Regionen zwar noch relativ stabil aber natürlich trotzdem nicht zufriedenstellend. Deshalb brauchen wir weitere Arbeitsplätze für alle Begabungen.
4. Was werden Sie unternehmen, um Arbeitsplätze im Kreis Kleve zu halten und neue zu schaffen?
Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass wir alle sich bietenden Chancen für Arbeitsplätze nutzen und die erfolgreiche Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der letzten Jahre fortsetzen und ausbauen. Erst vor kurzem ist wieder einmal eines unserer innovativen Arbeitsmarktprojekte "Vorfahrt für Alleinerziehende" vom Bundesminister für Arbeit zur Förderung ausgewählt worden.
5. Mit welchen Mitteln kann und sollte der Kreis auf die Wirtschaftskrise reagieren?
Wir können hier natürlich nur Rahmenbedingungen mitgestalten. Wichtig ist beispielsweise, dass wir als Kreis unseren Städten und Gemeinden und damit letztlich auch den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen in dieser Zeit nicht mehr an Geld, also Kreisumlage abverlangen als nötig. Dass wir die niedrigste Kreisumlage aller Kreise in ganz Nordrhein-Westfalen haben, ist da natürlich gut. Gleichzeitig initiieren und unterstützen wir erfolgversprechende Projekte wie etwa unsere neue Hochschule oder die Initiative Agrobusiness. Wir haben landesweit einen Spitzenplatz in der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen, weisen ein hervorragendes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten und damit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf, erhalten als Schulträger unsere Berufskollegs und Förderschulen in einem vorbildlichen Zustand, um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen, und setzen uns gerade auch in dieser Zeit für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ein, die es ohnehin schwer genug haben.
6. Der Flughafen Niederrhein entwickelt sich positiv. Gehen Sie davon aus, dass Eigentümer Buurman die Kredite in Höhe von 24,5 Millionen Euro 2010 an den Kreis zurückzahlt?
Verträge sind von allen Vertragspartnern einzuhalten.
7. Wäre eine Kooperation mit dem Airport Düsseldorf aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Dazu gehören natürlich zwei und der Flughafen Düsseldorf hat daran bisher ausdrücklich kein Interesse gehabt. Ich selbst hätte gegen eine Kooperation, die allen Beteiligten nachhaltige Vorteile brächte, nichts einzuwenden.
8. Hochschulstandort Kleve - was versprechen Sie sich davon? Wo liegen die Chancen - und wo eventuelle Risiken?
Zu den Chancen habe ich mich ja schon eben geäußert. Aber zu Risiken?! Da fällt mir jetzt wirklich nichts ein. Für mich ist die erfolgreiche Hochschulbewerbung ein Jahrhunderterfolg des Kreises Kleve und seiner kreisangehörigen Städte und Gemeinden. Wenn wir das richtig anstellen, gewinnen wir alle!
9. Die Bildungslandschaft wird durch die Hochschule komplettiert. Was muss darüber hinaus im Kreis Kleve für die Bildung getan werden?
Wir haben uns zum Beispiel verstärkt der Themen frühkindliche Bildung sowie Begabtenförderung angenommen und wollen dies weiter vorantreiben. Bei der Bildung gibt es sicherlich immer Anpassungs- und Veränderungsbedarf. Das muss aber jeweils auch in engem Miteinander mit den entsprechenden Trägern angegangen werden. Insoweit wird das von uns mitbeschlossene Bildungsnetzwerk Kreis Kleve sicherlich gute Dienste leisten.
10. Wie sollte der Kreis auf den demografischen Wandel reagieren?
Das lässt sich in einem Satz nicht beantworten, jedenfalls muss diese Herausforderung als dauerhafte und übergreifende Aufgabe gesehen werden. Der Schwerpunkt liegt sicherlich mehr bei den kreisangehörigen Städten und Gemeinden als beim Kreis.
11. Wie ist Ihre Position zum Thema Kiesabbau im Kreis Kleve?
Bei diesem Thema sind wir uns im Kreistag einig: es wird bei uns derzeit zu viel und zu schnell abgegraben. Zudem wird zuviel Kies in die Niederlande exportiert, obwohl man dort selbst über Vorkommen verfügt, die jedoch geschont werden. Auch bei uns sollte man die Bewahrung der Schöpfung ernster nehmen. Wir müssen auch an die uns nachfolgenden Generationen denken.
12. Wie kann die Landwirtschaft im Kreis Kleve zukunftsfähig gemacht werden?
Ich bin zunächst einmal von der Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft überzeugt, denn wir haben viele gute und leistungsfähige Betriebe. Sie müssen sich aber natürlich auch immer wieder individuell auf Veränderungen einstellen. Dabei kann der Kreis nur zum Teil helfen. Wichtig waren und bleiben sicherlich unser Einsatz für die Beibehaltung des Standortes von Haus Riswick, die Unterstützung für das Gartenbauzentrum in Straelen sowie unsere Agrobusinessinitiative oder die vielfältigen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve. Wir helfen, wo wir können.
13. Thema Agro-Business: Derzeit stehen Pläne auf Unterglasanbau für etliche Hektar im Kreis Kleve zur Debatte. Wie ist Ihre Position dazu?
Landrat Wolfgang Spreen ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchte im Alter von 20 und 17 Jahren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Rechtswissenschaften in Bonn und Volkswirtschaft in London. Vom Rheinisch-Bergischen Kreis zog es ihn 1998 in den Kreis Kleve. Bevor er 2004 mit 57,9 Prozent zum Hauptamtlichen Landrat gewählt wurde, war er Kreisdirektor. Vom Landratsstress erholt sich der gebürtige Berliner beim Joggen, Radfahren und Lesen.
In dem von der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve hierzu in Auftrag gegebenen und kürzlich öffentlich vorgestellten Gutachten sind für entsprechende Vorhaben relevante Fragestellungen untersucht und beantwortet worden. Damit wurde für alle Entscheider eine fachliche und sachliche Grundlage zur Verfügung gestellt, um auf die Anforderungen des Strukturwandels reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Gartenbaubetriebe am Niederrhein nachhaltig steigern zu können. Ob und wo eventuell ein sogenannter Agro-Park entstehen soll, ist von interessierten Gemeinden und Unternehmen zu klären. Da es sich hierbei um landschaftsprägende Vorhaben handeln dürfte, ist sicherlich eine entsprechende Sensibilität geboten.
14. Welchen Stellenwert hat für Sie der Tourismus jetzt und in Zukunft im Kreis Kleve?
Der Tourismus ist für unseren Kreis von großer und weiterhin zunehmender Bedeutung. Dies belegen die über 850.000 Übernachtungen in 2008 mit einer Steigerungsrate von rund 18 % gegenüber dem Vorjahr. Aus diesem Grund arbeiten wir mit unseren regionalen und überregionalen Partnern weiterhin intensiv daran, den Niederrhein als Tourismusziel noch bekannter zu machen.
15. Wie stellen Sie sich den Kreis Kleve im Jahr 2020 vor?
Als einen weiterhin lebens- und liebenswerten Kreis mit Perspektiven, dessen Bevölkerungszahl gegen den Landestrend weiterhin anwächst und der als Hochschulstandort bereits Tausende von Studierenden begeistert hat.
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