„Bürger darf man nicht umzingeln“

In Pfalzdorf stehen bereits etliche Windenergieanlagen.
In Pfalzdorf stehen bereits etliche Windenergieanlagen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In Kalkar wird intensiv über Konzentrationsflächen für Windräder debattiert

Kalkar..  Frank Hohl fühlt sich bedrängt. Dabei wohnt der Mann mit seiner Familien in Neu-Louisendorf so ländlich, wie man es sich nur wünschen kann. Auf der Bergstraße sucht man seine Nachbarn mit dem Fernglas. Und trotzdem ist die Welt für Frank Hohl seit Anfang Januar nicht mehr so, wie sie einmal war. Im Januar erfuhr Hohl, dass sich die Stadt Kalkar mit der Ausweisung von Windkonzentrationsflächen beschäftigt und ganze drei Flächen sein Haus an der Bergstraße umzingeln. Wenn es schlecht läuft, müsste die Familie Hohl in Kürze mit drei Windrädern im Abstand von 420 und 520 Metern rechnen. „Das ist schon heftig für uns“, sagte er im Gespräch mit der NRZ.

Den Plan nicht gefährden

Das Einzelschicksal der Familie Hohl beschäftigte am Donnerstagabend den Bau- und Planungsausschuss in Kalkar. Die örtlichen Politiker mussten darüber abstimmen, ob man die vorgestellten Windkonzentrationsflächen so genehmigen möchte oder nicht. Der Fall in Neu-Louisendorf bereitet den meisten Fraktionen allerdings Bauchschmerzen. Kann man einen Flächennutzungsplan verabschieden, der einem Einzelnen so eine starke Belastung zumutet?

Fachplaner Michael Ahn, der gemeinsam mit seiner Frau Angelique ein umfangreiches Fachgutachten erstellt hat, sagt ja und argumentiert streng juristisch: Die Aufstellung der Konzentrationsflächen in einem Flächennutzungsplan sage nichts darüber aus, ob da später auch tatsächlich Windräder gebaut werden. Dies müsse dann vom Kreis Kleve in einer individuellen Prüfung entschieden werden. Ahn warnte davor, an dem bereits lange diskutierten Vorhaben noch zu rütteln, da sonst der gesamte Plan Gefahr läuft, zu kippen – und kann könnten im Stadtgebiet Kalkar an zahlreichen Stellen Windräder errichtet werden.

Sondersitzung am 22. Juni

Die Verlässlichkeit der Einzelfallprüfung schienen die Kalkarer Politiker noch nicht so ganz zu trauen. Jochem Reinkens sagte: „Bürger dürfen nicht umzingelt werden von Windenergieanlagen. Es kann nicht sein, dass ein einzelner Bewohner Schmerzensgeld bezahlen muss, während der Betreiber die Rendite davonträgt.“

Das Forum Kalkar stellte einen umfangreichen Fragenkatalog zu dem 300-seitigen Fachgutachten. Doch die 69 Fragen konnten innerhalb einer Woche nicht beantwortet werden. Daher wurde die Entscheidung über die Vorrangflächen für Windräder vertagt. Der Bauausschuss wird am 22. Juni in einer Sondersitzung sich mit diesem Thema erneut beschäftigen.