Bruder reichte kleine Geschwister bei Klever Feuerdrama aus Fenster

Ein großes Einfamilienhaus brannte in der Nacht zu Silvester vollständig aus. Zwei Kinder im Alter von drei und acht Jahren starben.
Ein großes Einfamilienhaus brannte in der Nacht zu Silvester vollständig aus. Zwei Kinder im Alter von drei und acht Jahren starben.
Foto: dpa
Der älteste Sohn der Familie rettete offenbar sechs seiner Geschwister aus dem brennenden Einfamilienhaus in Kleve. Für zwei kleine Brüder kam allerdings jede Hilfe zu spät.

Kleve.. In einem Einfamilienhaus an der Schüttestraße in der Klever Oberstadt ereignete sich in der Nacht zu Silvester ein folgenschwerer Hausbrand. Gegen 1.15 Uhr brach das Feuer in dem freistehenden Einfamilienhaus aus, in dem sich zu dem Zeitpunkt neun Kinder und ihre 42-jährige Mutter aufhielten. Zwei Kinder, drei und acht Jahre alt, kamen ums Leben. Die Ursache für das Feuer ist nach Untersuchungen eines Brandsachverständigen "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ein Adventskranz, dessen Kerzen nicht gelöscht worden waren.

Die Nachbarn hörten gegen 1.15 Uhr die ersten Schreie auf der Straße. Die Polizei bestätigte, dass der älteste Sohn der Familie bis kurz vor Eintreffen der Feuerwehr sechs Geschwister aus dem Haus hat retten können. Er habe die Kinder aus dem Fenster gereicht und danach sich selbst retten müssen. Für zwei seiner kleinen Brüder kam allerdings jede Hilfe zu spät. Sie starben trotz intensiver Reanimationsmaßnahmen noch am Brandort.

Familie wird vom Opferschutz und der Notfallseelsorge betreut

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei der 42-jährigen Mutter um eine Chirurgin aus Kleve, die das Haus mit insgesamt elf Kindern im Alter von drei bis 19 Jahren bewohnt hat. Zum Zeitpunkt des Brandes waren zwei Kinder nicht anwesend. Die überlebenden Brandopfer wurden aufgrund von Schocksymptomen in das Klever St. Antonius-Hospital gebracht. Sie werden vom polizeilichen Opferschutz und der Notfallseelsorge betreut.

Der unmittelbare Nachbar Artur Leenders, selbst jahrelang Leitender Notarzt im Kreis Kleve, leistete mit einigen Nachbarn sofortige Notfallhilfe. Gemeinsam mit seiner Frau habe er in der Nacht die Schreie auf der Straße vernommen und habe schnell begriffen, was los war. Er habe dann die Leitende Notarztfunktion übernommen.

55 Einsatzkräfte waren fünf Stunden lang vor Ort

Ralf Benkel von der Klever Feuerwehr hatte in dieser Nacht die Einsatzleitung. Gegen 1.20 Uhr sei der Notruf eingegangen. Mit 55 Einsatzkräften aus Kleve, Materborn und Donsbrüggen sei man angerückt und habe das Feuer löschen können. Der Einsatz dauerte bis 5.30 Uhr. Ralf Benkel bestätigte, dass der Brandherd sich im Erdgeschoss befunden habe – auf der Rückseite des Hauses. Alle 55 Einsatzkräfte wurde nach Beendigung des Einsatzes von fachlichen Beratern psychologisch unterstützt.

Die Anwohner der Schüttestraße zeigten sich gestern Morgen geschockt. Eine junge Familie, die ganz in der Nähe wohnt, kennt die Kinder der 42-jährigen Mutter. „Was für eine Katastrophe.“