Blutstrom fast versiegt

Immer weniger Freiwillige erscheinen zu den Blutspende-Terminen des DRK wie hier in der Christophorus-Grundschule in Kranenburg.
Immer weniger Freiwillige erscheinen zu den Blutspende-Terminen des DRK wie hier in der Christophorus-Grundschule in Kranenburg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Deutsche Rote Kreuz beklagt akute Versorgungsengpässe mit Blutkonserven in seinen Lagern – steter Rückgang der Spendenbereitschaft auch im Kreis Kleve

Kreis Kleve..  Die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) melden für Nordrhein-Westfalen einen akuten Engpass bei der Blutversorgung. Ein Trend, der sich auch im Kreis Kleve beobachten lässt, wie die Zahlen des DRK-Kreisverbandes Kleve nahelegen: Wurden 2012 kreisweit noch 17.411 Spender registriert, waren es 2013 nur noch 16.056. Im vergangenen Jahr zählte der DRK-Kreisverband indes nur noch 15.453 Spender – dies entspricht einem Rückgang von 3,75 Prozent. Vor allem in den vergangenen Wochen, wo sommerliche Temperaturen herrschten, klagen Veranstalter von Blutspende-Aktionen über ausbleibende Freiwillige.

„Wenn es so heiß ist wie in den letzten Tagen, findet man die Menschen eher im Freibad als beim Blutspendetermin“, führt Heinz Kapschak, Sprecher der DRK, Blutspendedienstes West, als Mitgrund für die ausbleibenden Spenden an. Auch hätten die Ortsverbände wegen des Poststreiks nicht, wie gewohnt, Einladungen zu den Spendeterminen verschicken können, sodass viele Stammspender ihren Termin nicht mehr präsent hatten. „Die Ortsverbände appellieren deshalb momentan besonders an die Öffentlichkeit, um in den Krankenhäusern und Kliniken wieder eine gute Versorgung mit Blutkonserven gewährleisten zu können.“ So wendet sich auch Franz Lück, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Kleve, eindringlich an die Bürger: „Es gibt keinen einfacheren Weg, Menschenleben zu retten als Blut zu spenden.“

„Versorgung auf dem Land besser“

Besonders von dem Engpass betroffen sind die Vorräte an Blutkonserven der Blutgruppe null Rhesus positiv sowie alle Rhesus negativen Blutgruppen. In der Regel wird nur blutgruppengleiches Blut übertragen. Die Blutgruppe 0 Rhesus negativ kann derweil allen Empfängern übertragen werden. Deshalb ist dieses Blut besonders in Notsituationen wichtig, wenn keine Zeit bleibt, den Patienten vollständig zu untersuchen und schnell Blut zur Verfügung gestellt werden muss. Nur sechs Prozent der Bevölkerung verfügt über die Blutsgruppe 0 Rhesus negativ, doch auch andere, häufiger vertretene Blutsgruppen fehlen zurzeit in den DRK-Lagern.

Allerdings sei die Versorgungssituation im Kreis Kleve immer noch deutlich besser als in vielen städtischen Regionen, versichert Thorsten Hemmers, stellvertretender Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes Uedem: „Im gesamten Kreis Kleve gehen im Jahr zwischen 16.500 und 17.000 Blutspenden ein. Das ist immer noch ein guter Schnitt, was vielleicht auch auf einen engeren sozialen Zusammenhalt auf dem Land zurückzuführen ist“, so Hemmers. „In den Städten geht es wohl oft etwas anonymer zu.“ Auch am Karl-Leisner-Klinikum ist es bislang noch kein Rückgang der Blutkonserven zu verzeichnen.

Mit den Blutspenden, die im Kreis eingehen, werden zu 90 Prozent die hiesigen Kliniken versorgt – die Krankenhäuser kaufen die Blutbestände von den DRK-Blutspendediensten, die diese Einnahmen wiederum ausschließlich gemeinnützig für die Vereinsarbeit verwenden. Im Kreis Kleve nehmen die Kliniken etwa 3000 Blutkonserven im Jahr ab.