Blitzer-Tag schreckte nicht ab
10.02.2012 | 18:53 Uhr 2012-02-10T18:53:00+0100
Kreis Kleve. An insgesamt 14 Kontrollpunkten wurde 24 Stunden lang kontrolliert. Braver fuhren die Kreis Klever deshalb aber wohl nicht.
Insgesamt 26 Beamte im Einsatz, 14 Schwerpunkte überwacht und 24 Stunden am Stück mit der Laserpistole am Straßenrand: Wie viele Verkehrssünder der Polizei von gestern bis heute früh im Kreis Kleve auch schließlich ins Netz gegangen sein mögen – der von NRW-Innenminister Ralf Jäger angeordnete „Blitz-Marathon“ hat zumindest kurzfristig das Thema Sicherheit auch auf den hiesigen Straßen ins Gedächtnis gerufen.
Aber der Tag hat – das ist wohl die erste nüchterne Erkenntnis – trotz großer Berichterstattung in den Zeitungen und Dauer-Erinnerung auf den Radiowellen zumindest unmittelbar kaum Wirkung gezeigt am Niederrhein. Denn statt nun viele vorgewarnte und somit brave Fahrer an den kurzfristig bekannt gegebenen Kontrollpunkten zu sehen, hatten die Beamten in den drei Schichten kräftig zu tun.
„Eben hab’ ich’s noch im Radio gehört...“
Besuch bei einem der Teams, vormittags am McDonald’s in Goch. Im Minutentakt winken die Polizisten die Fahrzeuge heraus. Erlaubt sind an der Kreuzung Kevelaerer Straße / Höster Weg 50 Kilometer pro Stunde. „Gemessenes Tempo war 63. Macht 10 Euro“, sagen die Polizisten immer wieder durch heruntergelassene Fensterscheiben. Und kassieren. Große Tempoüberschreitungen sind nicht dabei. „Ach, heute ist ja dieser Blitz-Tag, eben hab ich’s noch im Radio gehört!“ Irgendwo zwischen dem Ohr und dem Fuß auf dem Gaspedal muss die Erkenntnis versackt sein...
„Wir müssen heute nicht weniger Fahrer herauswinken als bei üblichen Kontrollen“, sagt Polizeikommissar Wolfgang Schmitz. „Es kommen die üblichen Ausreden: ‘Ich hab’s gar nicht gemerkt’, ‘Der vor mir war doch genauso schnell’, ‘Ich hab’s gerade ganz eilig, sonst passiert mir das nie’.“ Er sei dabei gelassener geworden, sagt der Beamte und zuckt mit den Schultern. Nur wenn ihn einer direkt uneinsichtig anblaffe, dann gebe es eben trockenes Standard-Programm.
Die Kreuzung sei für die Polizei ein Unfallschwerpunkt. Und Schmitz fügt hinzu: „Hier auf dem Parkplatz von McDonald’s trifft sich auch die Raserszene, das wissen wir.“ Derweil übt drüben die Polizei-Auszubildende am nächsten Mini-Temposünder. Schmitz erklärt weiter: „Das kapieren ja die Wenigsten: wie groß beim Bremsen und bei einem Unfall der Unterschied zwischen 50 und 70 Kilometern pro Stunde ist.“ Für viel gefährlicher aber noch als das Tempo halte er Ablenkung durch Mobiltelefone. „Da schaut man drauf, gerät auf den Grünstreifen, lenkt gegen und landet im Baum. So verlaufen doch schwere Unfälle.“
Situation eigentlich relativ entspannt
Insgesamt sei es aber besser geworden. Die Autos sicherer, das Straßennetz gut ausgebaut – „Als ich in den 90er Jahren hier angefangen habe, hatten wir noch 40 Tote im Jahr. Letztes Jahr waren es im Kreis wohl 16. So wenige wie lange nicht mehr.“ Die Pressestelle der Polizei mag das noch nicht bestätigen, verweist darauf, dass die Unfallstatistik für 2011 noch nicht veröffentlicht wurde. Der Eindruck bleibt, dass das Schreckensszenario von steigenden Zahlen schwerer Unfälle, das Innenminister Jäger wohl auch heute zeichnen wird, sich im Kreis Kleve nicht bestätigt findet.
Und wieder wird einer angehalten. „Jetzt war ich ganz in Gedanken.“ Aber, und auch das ist an diesem Blitzer-Tag ein typischer Kommentar: „Ich weiß doch, dass es vollkommen richtig ist, dass geblitzt wird.“
„Kontrollen an Unfallschwerpunkten“
Von Freitagmorgen, 6 Uhr, bis zum heutigen Samstagmorgen, 6 Uhr, hat die Polizei im mittleren Kreis Kleve außerdem an folgenden Schwerpunkten kontrolliert:
Bedburg-Hau: L 362 / Johann-v-Aken-Ring und B 57 / Hauer Straße. Kranenburg: B504 / Römerstraße. Kevelaer: L 464 / K 13 und B 9. Uedem: Rickenstraße. Kalkar-Appeldorn: B 67 / B 57. Goch: B 67 / Kalkarer Straße.
Polizei-Sprecherin Sue Boekholt: „Die Auswahl haben die Dienststellen nach Unfallschwerpunkten getroffen.“
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