Blendende Aussichten
07.12.2011 | 18:58 Uhr 2011-12-07T18:58:00+0100
Weeze. Der Flughafen ist im Zeitplan, das Megaprojekt - 60 000 Solarmodule auf dem Flughafengelände - schreitet voran. Es wird die größte Solaranlage in NRW.
Es ist ein 25 Millionen Euro teures Mega-Projekt. Bis zum Jahresende wachsen auf dem Flughafengelände 60 000 Solarmodule der Sonne entgegen. Gleich hinter der Startbahn entsteht auf einer 30 Hektar großen Brache zwischen den alten Bunkern die größte Photovoltaikanlage in NRW.
Während draußen 120 Männer unter Strom stehen und im Wettlauf mit der Zeit ackern, damit zum Jahresende die erste Solarenergie mit 21 Cent pro Kilowattstunde vergütet wird, lehnt sich Flughafenchef Ludger van Bebber in seinem Büro zufrieden zurück. Das Projekt Solarpark liegt ihm am Herzen. „Wir können nicht nur von der Energiewende reden, wir müssen was tun“, sagt er, der auch daheim ans Energiesparen denkt und den Wäschetrockner nur dann anschmeißt, wenn es unbedingt nötig ist.
Der Flughafen ist ein anderes Kaliber als sein Privathaushalt. Mehr als sieben Megawatt Strom verbraucht das Unternehmen im Jahr. Wenn die künftig vom Himmel über der Startbahn kommen, freut sich van Bebber über eine „tolle Umweltbilanz“.
Aber ist das Projekt Photovoltaik für den klammen Airport nicht vor allem ein Wirtschaftsfaktor? „Damit kann man keinen Flughafen sanieren“, umschreibt van Bebber die Einnahmen, die seinem Unternehmen die Verpachtung der Fläche an den chinesischen Investor „Baysolar“ bescheren wird. „Das ist ein netter Betrag“, so der Flughafen-Chef über die voraussichtlich knapp sechsstellige Summe, „aber unser Kerngeschäft ist und bleibt das Fliegen.“
Zwei Millionen Euro pro Woche verbaut
Ortswechsel. Jacek Helle ist auf das grüne Bunkerdach geklettert, um das ungewöhnlich große Solarwerk von oben zu betrachten. Umgerechnet zwei Millionen Euro werden hier pro Woche verbaut. Der Diplom-Ingenieur blinzelt in die Sonne. Auch wenn die kühlen Dezember-Strahlen dem Flughafen noch nicht als Energie ins Netz gehen, freut sich der Projektleiter über den blendenden Anblick.
„Das Wetter meint es gut mit uns“, sagt er, der sich noch daran erinnert, wie stark es im vergangenen Jahr um diese Zeit geschneit hat. Den Zeitplan des Weezer Projekts bezeichnet Helle schmeichelhaft als „sportlich“. Seit die Baugenehmigung am 27. Oktober endlich grünes Licht gab und die Bodenarbeiten beendet sind, schuftet das Team der Firma Draka.
Akkordarbeit. Halterungen in den Boden rammen, Solarmodule montieren, Kabel verlegen, Trafostationen bauen – und das alles unter einem enormen Zeitdruck. Denn wenn bis Jahresende nicht der erste Sonnenstrom ins Netz fließt, geht dem Investor die gute Einspeisevergütung verloren.
„Wir schaffen das“, sagt Jacek Helle. Er hat die Hände in den Manteltaschen vergraben, auf dem Flughafengelände pfeift meist ein kühler Wind. „Das ist gut für die Solarmodule“, erklärt Hell. Viel Sonne und trotzdem kühl – so funktionieren sie am besten. Hinter ihm setzt ein Flieger auf der Landebahn auf. Stört die Piloten das glitzernde Meer aus Solarplatten nicht? „Sie blenden nicht mehr so wie früher“, sagt der Fachmann. Mikroprismen auf der Oberfläche sorgen dafür, dass sich das Licht verteilt.
Zwischen den schimmernden Platten tauchen in der Ferne Köpfe der fleißigen Handwerker auf. Kabel müssen verlegt werden, damit die kostbare Energie bald fließen kann. Auf der anderen Seite werden neue Paletten abgeladen. Die nächsten Module sind da, in China gefertigt, in Weeze verbaut. Schwer vorstellbar, dass es wirklich 60 000 sind, die hier bald der Sonne ihre bläulichen Rücken entgegen strecken.
Apropos Sonne – ohne die geht natürlich nichts. Da bleibt für Investor und Flughafen nur die Hoffnung, dass sich der Niederrhein im nächsten Jahr von seiner sonnigen Seite zeigt. Denn bei allem Fortschritt – das Kabel für den Draht nach oben ist noch nicht erfunden.
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