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Wirtschaft

Bio gegen die Krise

18.02.2010 | 05:00 Uhr

Kleve. Die Zeiten, in der der typische Bioladen-Kunde Sandalen und Nickelbrille trug, sind lange vorbei. Bio ist schon lange kein politisches Bekenntnis mehr, sondern ein Wirtschaftsfaktor, der Krisenzeiten trotzt, ja sich sogar in diesen schlechten Tagen noch multiplizieren kann.

Barbara Jacobs, Inhaberin des Bioladen Kleve, hat ihr Geschäft beispielsweise erweitert. Gestern war an der Kalkarer Straße 21 die Wiedereröffnung.

Vor 30 Jahren hat sie mit Freunden auf knapp 50 Quadratmetern am Mittelweg begonnen und hauptsächlich Getreide und Müsli vertrieben, heute verkauft sie unter anderem Brot, Obst, Gemüse, Wein, Kosmetik und sogar Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte auf mittlerweile 450 Quadratmetern. Hundert Quadratmeter sind neu hinzugekommen. Rund 5000 Artikel hat die studierte Ökotrophologin an der Kalkarer Straße 21 im Sortiment.

Starker Wirtschaftsfaktor Bio

Bio boomt. Auch in der Landwirtschaft. Etwa 35 Öko-Höfe gibt es im Kreis Kleve. Jährlich kommen neue hinzu. Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer weiß um den starken Wirtschaftsfaktor Bio, aber auch um die Schwierigkeiten, die die Vermarktung für die Bauern mit sich bringt. „Das ist komplizierter als bei den konventionellen Betrieben und nicht für jeden das Richtige”, erklärt er. Zudem gibt es trotz aller positiven Vorzeichen auch auf dem Biomarkt keine Erfolgsgarantie. Aber doch einen Vorteil für Landwirte im Kreis Kleve: Das Gebiet hat eine gute Lage. In nahen Städten wie Duisburg, Mönchengladbach und Coesfeld sind Biogroßhändler vertreten, die Geschäfte wie den Markt von Barbara Jacobs beliefern.

Oder den Hofladen von Theo Sonderfeld. Der Landwirt kann bei weitem nicht alles anbauen, was er und seine Schwester Dr. Sybille Sonderfeld-Fresko in seinem Geschäft „Die am Deich” in Kleve-Kellen anbieten. „Gerade wegen starken Frosts kommt jetzt viel aus südlichen Ländern”, sagt der 51-jährige Landwirt. Er und seine Schwester sind nicht nur Öko-Fans, sondern müssen auch wirtschaftlich der Konkurrenz voraus sein. Sie sind deshalb mit ihren Waren auf Wochenmärkten unterwegs, betreiben einen Lieferservice und bieten ein Gemüse-Abo an, bei dem Kunden regelmäßig Saisonales abnehmen. „Wir haben während der Wirtschaftskrise zwar kein Plus mehr gemacht wie in den anderen Jahren, aber wir hatten auch keine Verluste”, berichtet Sonderfeld. Er ist mit diesem Ergebnis durchaus zufrieden.

Marietta Hülsmann

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