Billiger einkaufen in Kranenburg

Kranenburg..  Herr Balkenende überlegt kurz, ob er zeigen will, was in seinem Einkaufswagen liegt. Der Niederländer befürchtet, dass ein falsches Bild von ihm entsteht. Schließlich willigt der 70-Jährige doch ein. „Ich bin doch noch harmlos“, sagt er und zeigt auf den Käufer, der nach ihm die Aldi-Filiale im Kranenburger Einkaufszentrum verlässt. Während Wim Balkenende sich mit zwei Kisten Wein und etwa zehn Flaschen Spirituosen eingedeckt hat, türmen sich bei seinem Landsmann kistenweise Kartons mit Hochprozentigem.

Es ist Donnerstagvormittag. Balkenende lädt die Getränke in sein Auto. Sein Fahrzeug ist in einer Reihe geparkt, in der ausschließlich Pkw mit gelben Nummernschildern stehen. Ohne Niederländer wäre der Parkplatz nahezu leer. Vor Jahren waren Häuser in Kranenburg begehrt. Heute ist es Schnaps. Die Grenzlage macht die ländlich geprägte Gemeinde für Niederländer so attraktiv. Die Gründe für den Drang zum Nachbarn ändern sich. Das Ziel ist dasselbe geblieben: Geld sparen. Nach der Schnäppchenjagd im Segment Immobilien und Baugrundstücke, sind es jetzt preiswerte Nahrungsmittel, Kosmetika oder Batterien, die für den Kaufrausch der Niederländer sorgen. Durch enorme Preisunterschiede strömen täglich massenweise Nachbarn in das Einkaufszentrum an der Umgehungsstraße. Wim Balkenende wohnt in Den Haag und hatte Kranenburg nach zwei Stunden Autofahrt erreicht. Qualität und Preis, er spare 50 Prozent, seien hier einfach besser, so der 70-Jährige. Vor der Heimreise füllt Balkenende noch den Fahrzeugtank und spart noch mal.

Dass der Kaufboom vorerst anhalten wird, belegt eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die im Januar veröffentlichte Erhebung gibt Auskunft darüber, wie sich das Kaufverhalten der niederländischen Haushalte im Grenzgebiet entwickelt. Während in den Niederlanden der Umsatz für Lebensmittel von 2014 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent zurückging, gaben niederländische Haushalte im Jahr 2014 hierzulande beachtliche 35,1 Prozent mehr Geld aus als 2013.

Nicht nur die Unternehmen freuen sich über reichlich Kaufwillige, sondern auch Kranenburgs Kämmerer Ferdinand Böhmer. Für nahezu zehn Prozent der jährlichen Gewerbesteuereinnahmen sorgt die Einkaufsarena. Darum soll das Zentrum möglichst schnell erweitert werden.