Bei Schnee macht Stallpflicht wenig

Auf dem Bioland-Hühnerhof von Godehard Schnütgen
Auf dem Bioland-Hühnerhof von Godehard Schnütgen
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Einen Monat lang lebt Geflügel zum Schutz vor H5N8 im Stall. Kreisveterinäramt sammelt nun Kot von Wildgänsen, um Übertragungswege zu analysieren

Kreis Kleve..  Sich sonnen, drinnen im Schlecht-Wetter-Auslauf. Zu Weihnachten Stroh picken. Pfundige Möhren genießen. Den 1200 Hennen auf dem Kranenburger Richtersgut macht die im Kreisgebiet entlang des Rheins geltende Stallpflicht seit dem ersten Adventswochenende zum Schutz vorm Grippevirus H5N8 wenig.

„Bei dem Schneematsch gehen sie sowieso nicht raus. Wenn wir jetzt aufmachen könnten, würden sie drinnen bleiben“, vermutet Bioland-Geflügelbauer Godehard Schnütgen-Nissing. Nur wenn die Sonne zu schön scheint, streben die Tiere gen Stallausgänge. Weil das Gedränge vor verschlossenen Türen für die Hennen gefährlich ist – sie können nicht aktiv einatmen – muss der Geflügelbauer sie ablenken, mit Drei-Kilo-Möhren und Grün. Das ist sein „Schlechtwetter-Aufstallprogramm“. Die Hennen haben was zu tun, hacken Möhren. Der Hof händelt die Situation. Aber Schnütgen-Nissing hält die Ansteckungsgefahr durch Wildvögel-Kot für gering und das Verfahren für „stark übertrieben“.

Kot einsammeln

Vom nassen Wetter profitieren alle Stallpflicht-Durchsetzer, Hobbygeflügelhalter und konventionelle Betriebe, das weiß Kreisveterinäramtsleiterin Sylvia Heesen. Per E-Mail informiert sie, sobald bei der Kreisbehörde eine neue Information landet, die Betroffenen. Denn Nicht-Nachrichten sind die besten: Kein Wildvogel mit dem hochansteckenden Grippevirus wurde im Kreisgebiet gefunden, bisher.

Die Hoffnung ist da, dass dies so bleibt. Denn wenn die Wildvögel den Virus nicht weiterschleppen, könnte man vom bundesweit zuständigen Friedrich-Löffler-Institut Entwarnung erhalten. Zugvögel oder deren Kot gelten als Überträger. Wann eine Entwarnung kommen könnte, das ist unklar. Doch das Kreisveterinäramt sammelt Daten, um die Forschung zu den Übertragungswegen zu unterfüttern: 200 Kotproben von Wildgänsen werden ab sofort pro Monat im Krefelder Labor untersucht.

Plus 100 Proben von Stockenten, die derzeit bejagt werden. Die Jäger melden die Jagd an und schicken dann Proben auf Tupfern oder ganze Köpfe – wofür sie auch den Kurierdienst des Kreisamtes ordern können. Die reguläre Jagd wird so zugleich als Datengewinnung ausgelegt, so hat es NRW im Dezember beschlossen.

Der eigentliche Test geht schnell. Nach zwölf Stunden weiß man, ob die Probe infiziert ist. „Das ist wichtig für die Antwort auf die Frage, wann die Tiere wieder aus den Ställen dürfen“, sagt Heesen, „Die Frage muss beantwortet werden: Haben die Wildvögel Influenza?“