Befristete Lösung

Uedem..  Die Personalfrage entwickelt sich in der Gemeinde zur Gretchenfrage. Im Stellenplan für das Haushaltsjahr 2015 sind keine zusätzlichen Stellen ausgewiesen. Das sorgte für Diskussionen in der Haupt- und Finanzausschusssitzung am Montagabend. Jörg Lorenz, Fraktionsvorsitzender der SPD, sagte, er könne dem Stellenplan (der vom Hausmeister bis zum Verwaltungsbeamter reicht) in der Form wie er jetzt ist nicht zustimmen. Dieser entspräche nicht der Realität. Die SPD fordere mindestens zwei zusätzliche halbe Stellen einzurichten.

Bürgermeister Rainer Weber hält dies für nicht zielführend. Sein Argument: Aktuell könne man noch nicht absehen, wo zusätzlicher Personalbedarf bestehe. „Noch weiß ich nicht, in welchen Bereichen zusätzliche Kräfte gebraucht werden“, so Weber. Daher müsse erst einmal der Bedarf abgefragt und geprüft werden. In der Verwaltungsvorlage vom Dezember war davon noch keine Rede. Aktuell wird aber eine Stellenbemessung im Bereich Hoch- und Tiefbau sowie Ordnungswesen durchgeführt. Ebenso wird für das Jugendzentrum Focus und die Freizeitstätte an der Hohen Mühle ermittelt, wie viel Personal zusätzlich benötigt wird. Eine weitere Bedarfsprüfung soll es speziell bei der Betreuung von Asylbewerbern geben. Ergebnisse wird es voraussichtlich im März oder April geben, schätzt der Bürgermeister.

Dass allgemein Bedarf besteht, ist allen klar. Allein die gestiegene Zahl der Krankheitstage spreche dafür. 2014 ist der Gemeinde die Arbeitskraft von rund 3,25 Vollzeitbeschäftigten durch Krankheit verloren gegangen. Wo die Gründe für den hohen Krankheitsstand liegen, darauf will sich der Bürgermeister nicht festlegen.

Kein Platz für weitere Mitarbeiter

„Wir haben eine schmale Verwaltung. Die Verwaltungsleute sind bis in die Haarspitzen belastet“, sagte hingegen Walter Kanders Ratsmitglied für die CDU. Nun gelte es zu klären, wie die Krankheitsausfälle aufzufangen seien. Bürgermeister Weber schlägt vor, keine festen Stellen zu schaffen, sondern befristete – gegenfinanziert über die „Deckungsreserve“. Das ist eine Kostenstelle im Haushaltsplan, die zur Bezahlung von Mehrausgaben dient.

Kämmerer Gerd-Heinz Billion warnt davor, den Stellenplan unnötig aufzublähen. Man müsse sich im klaren sein, dass einmal geschaffene Stellen auch nicht so einfach wieder zu streichen seien, sollte der Bedarf sich künftig wieder reduzieren. Zudem sieht Billion auch ein Platzproblem: „Ich wüsste nicht, wo ich die zusätzlichen Kräfte hinsetzen soll.“

Befristete Stellen sind aus Sicht von Lorenz aber allenfalls eine Notlösung. Im Stellenplan 2016 wünsche er sich zusätzliche Stellen: „Unter sozialen Aspekten sind befristete Stellen nicht optimal. Menschen brauchen sichere Arbeitsplätze.“ Vorstellen kann er sich aber, dass auch die SPD dem derzeitigen Stellenplan samt befristeter Personallösung zustimmt, sollten in der noch festzulegenden Deckungsreserve alle Kostenpunkte enthalten sein.

Auch Benjamin Paeßens, Fraktionschef der FDP, kann sich damit anfreunden. Zwecks Entlastung, solle jedoch auch über Standards gesprochen werden, wie über die Zurückstellung von Anträgen.