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Industriegeschichte

Bald wird ein Schuh draus

13.08.2009 | 18:44 Uhr
Bald wird ein Schuh draus

Kleve. Der Verein Kleefse Schüsterkes möchte zum Ende des Jahres ein Museum in der einstigen Elefantenproduktion eröffnen

Wer die Räume des ehemaligen Elefanten-Produktionsstandortes an der Siegertstraße in Kleve betritt, der erlebt einen ganz besonderen Zeitgeist. Ihn erwartet ein Stück Geschichte. Sie erzählt von Menschen, die ihren Beruf liebten, die gemeinsam im Firmenchor sangen und nach der Materborner Kirmes zuhause blieben, weil die ganze Produktion stillstand. Vor allem aber sensibilisiert sie für ein Handwerk, das die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Kleve maßgeblich prägte.

Nicht nur Elefanten

Seit der Gründung im Oktober 2008 haben die Mitglieder des Vereins „Kleefse Schüsterkes” viel Zeit und Arbeit investiert, um die Geschichte des Schuhhandwerks chronologisch aufzuarbeiten und darzustellen. Und obwohl die Sammlung der Exponate bereits üppig ist, legt sich der Vorstand noch nicht auf einen genauen Eröffnungstermin des Klever Schuhmuseums fest. Man wolle warten, bis die Sache rund ist, so Vorstandsmitglied und Schuhtechniker Norbert Leenders. „Ende des Jahres soll es so weit sein”, gibt er eine Richtung an.

Die Exponate sind vielfältig. Sie reichen von der Zwick-, bis zur Steppmaschine, von der japanischen Stelzsandale bis zum modernen Schuh.

Woran es mangelt sind Fotos, Dokumente, Menschen und ihre Geschichten. „Wir suchen Zeitzeugen, die noch irgend etwas im Keller haben”, sagt der Vorsitzende Theo Knips. So etwas wie das Arbeitszeugnis von Mathilde Elting, die laut „Frau Gustav Hoffmann” immer willig und fleißig war. Lebendig wird die Geschichte des Schuhhandwerks, das in Kleve längst vor der Großproduktion um 1900 eine Rolle spielte, durch den authentischen Ausstellungsort. Als „echten Glückstreffer” bezeichnet Vorstandmitglied Reinhold Tobisch die Räume über dem Coffeehouse, die Zevens Grundbesitz zur Verfügung stellte. Die etwa 300 Quadratmeter auf zwei Ebenen sind mit der Galerie von luftigem, freundlichem Charakter. Doch obwohl vor einer der Fensterfronten die berühmten roten Elefanten prangen, soll es im Klever Schuhmuseum längst nicht nur um die Firmen Hoffmann, Pannier und Bause gehen. „Wir haben ein großes Interesse daran, alle Betriebe zu würdigen, die, ob klein oder groß, Kleve zum weltbekannten Standort der Herstellung von Kinderschuhen gemacht haben”, so Theo Knips. Über 50 sind in den bis jetzt gesichteten Unterlagen (ab 1848) namentlich erwähnt.

Bei der Gestaltung des künftigen Museums schauen die Kleefse Schüsterkes nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch nach vorn. Den Mitgliedern des Vereins schwebt ein zeitgemäßes Angebot mit interaktiven Veranstaltungen vor. Kooperationen mit niederländischen Schuhdesignern gehören dazu. „Ins Museum gehört Bewegung”, sagt Leenders, der hofft, dass vor allem die jungen Klever lernen, wie Schuhe hergestellt werden und wieder mehr Respekt vor dem ehrwürdigen Handwerk bekommen.

Stefanie Männchen

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