Auf der Suche nach Form und Linie

Valentina Vlasic erläutert das nur als Schwarz-Weiß-Foto vorliegende Gemälde „Madonna mit der Dornenkrone“.
Valentina Vlasic erläutert das nur als Schwarz-Weiß-Foto vorliegende Gemälde „Madonna mit der Dornenkrone“.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Museum Kurhaus Kleve zeigt mit der Ausstellung „Ewald Mataré – Die Berliner Jahre“ das Frühwerk des Malers, Zeichners und Bildhauers zum 50. Todestag des Künstlers

Kleve..  Als Ende der 70er Jahre Teile der Skulptur „Toter Krieger“ in Kleve wiederentdeckt wurden, und die Stadt beschloss das Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges zu restaurieren und ihm einen Platz vor der Stiftskirche zu geben, war der Anfang gemacht für einen Kontakt mit der Familie Ewald Matarés. Der Rest ist Klever Kunstgeschichte. Denn mit der Übergabe des Mataré-Nachlasses 1988 durch Tochter Sonja Mataré und die Eröffnung des Museums Kurhaus Kleve 1997 entstand eine Symbiose zwischen den Werken des wichtigen Vertreters der klassischen Moderne und der Ausstellungstätigkeit des Museums, das „Ewald-Mataré-Sammlung“ im Namenszusatz trägt.

Nach verschiedenen Ausstellungen, etwa seiner Holzschnitte, Skulpturen oder Aquarelle widmet sich die aktuelle Präsentation, die am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet wird, dem Frühwerk Matarés, seinen Berliner Jahren zwischen 1907 und 1932. Das Museum zeigt in acht Räumen und auf zwei Etagen den Weg des Künstlers vom Maler nach akademischen Vorgaben und den Vorlieben seiner Zeit zu einem Bildhauer, Zeichner und Holzschnitzer auf der Suche nach der Freiheit der Form und der Linie.

Der Weg des Künstlers ist in der Ausstellung in allen Facetten nachgezeichnet. Beginnend mit der klassischen Malerei bzw. Schwarz-Weiß-Fotografien von in den Wirren des Krieges zerstörten Bildern über Zeichnungen im expressionistischen und kubistischen Stil über Aquarelle und Holzschnitte bis zu den wunderbaren, handschmeichlerischen Skulpturen aus Holz und Bronze kann der Besucher dieser Ausstellung den radikalen Bruch und den Stilwechsel im Werk Matarés nachvollziehen.

Kaum bekannte Gemälde

Die Klever Ausstellung zeigt zehn Gemälde, die Mataré nicht ohne weiteres zugeordnet würden und die bislang kaum jemand kennt. „Viele der insgesamt 30 Gemälde Matarés sind verschollen“, berichtet Kuratorin Valentina Vlasic. Es sei gelungen, zehn in Kleve zusammen zu tragen. Mataré malte – ganz klassisch – Porträts, Akte, einige wenige Landschaften im Stil der Zeit. Dann, um 1915 wendete er sich ab von der Lehre des Aachener Kunstmalers Eugène Klinckenberger oder des Historienmalers Arthur Kampf an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Mataré erfindet sich neu. Nur für kurze Zeit unter expressionistischem Einfluss findet er eigene Motive. Und einen eigenen Stil. Für den Besucher deutlich erkennbar vollzieht sich dieser Bruch in der Pinakothek des Museums. Matarés menschliche Darstellungen, seine Porträtköpfe sind nicht mehr rein deskriptiv, sie werden im Ausdruck deutlich konsequenter. So ist seine Darstellung der „Madonna mit der Dornenkrone“ ein schonungsloses, fast brutales Bild vom Moment des Todes.

Nur ein kleiner Schritt zur Skulptur

Auch seine Zeichnungen in der ersten Etage zeigen seinen Stilwechsel innerhalb nur weniger Jahre. Zahlreiche Aufenthalte Matarés an der Nordsee um 1920 führen den Künstler zur Auseinandersetzung mit dem Holzschnitt. „Von dort war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Skulptur“, sagt Vlasic. Die einsamen Strände der Nordseeinseln bescheren dem Künstler intensive Naturerfahrungen, die sich in seinen in sich ruhenden, grasenden Kühen widerspiegeln. Mataré beginnt mit Tropenholz und Bronze zu arbeiten. Doch auch hier ist es stets die Suche nach der Form, die ihn antreibt. „Lange abgeschliffene Steine lassen den gestalteten Menschen nur noch erahnen“, beschreibt Museumsleiter Prof. Harald Kunde. Das Museum widmet dem Mataré „wie man ihn kennt“, gleich zwei Räume. Einer gehört ganz seinen wundervollen Kühen.

Das Zustandekommen dieser Ausstellung ist auch der Tochter des Künstlers, Sonja Mataré, gedankt. „Sie hat noch einige weitere Schätze aus dem Nachlass ihres Vaters zur Verfügung gestellt“, freut sich Valentina Vlasic.

Der Dank der Klever Ausstellungsmacher geht außerdem an zahlreiche Leihgeber. So stammt eine der Holzskulpturen aus dem Landesmuseum Saarbrücken. Dort ist der langjährige Kustos des Kurhauses, Dr. Roland Mönig, seit einem knappen Jahre künstlerischer Leiter.