Astra soll Kindergarten werden

Jugendzentrum Astra
Jugendzentrum Astra
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In Goch fehlen allein für Über-Dreijährige mehr als 100 Kita-Plätze. Laut derzeitigen Anmeldungen wären aber auch 100 jüngere Kinder ohne Platz

Goch..  Eltern melden ihr Kleinkind bereits vor dem dritten Geburtstag in der Kindertagesstätte an, um auf jeden Fall einen Platz fürs Kind bis zur Einschulung zu ergattern. Seit August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen U3-Platz. Das betrifft auch Goch. Doch das angebliche „wer-früh-fragt-kriegt-den-Platz“-Szenario kann die Zahlen der (von gut 50 zuhörenden Eltern besuchten) Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses Dienstagabend eigentlich nicht erklären.

100 Plätze für Über-Dreijährige und noch einmal 100 Plätze für Unter-Dreijährige fehlen laut der erstmals vorliegenden Anmeldedaten-Tendenz für das kommende Kita-Jahr, das im August beginnt. Darin enthalten sind nicht die benötigten (Puffer-)Plätze für: Neubürgerkinder, Flüchtlingskinder oder Kinder die ihren Kita-Platz verlieren, weil eine Sondergenehmigung ausläuft. Otto versicherte, dass „die Verwaltung und auch ich Sorge tragen werden, dass kein einziges Kinde ohne Betreuungsplatz bleibt.“ Dafür müsse man aber ein „bißchen flexibel“ sein, sagt Otto und zaubert eine Idee aus dem Hut: Das Jugendzentrum Astra könnte zu einer großen Kindertagesstätte umfunktioniert werden.

Eine Kita reicht nicht

Aber: Im Grunde reicht eine komplett neue Kita für die Ü3-Kinder gar nicht aus, um den Bedarf zu decken. Vier Gruppen a 25 Kinder könnte eine neue Kita in Goch versorgen. Die Anzahl pro Gruppe schließt aber aus, dass Kinder dort 45 Stunden betreut werden - nur 20 Kinder dürften dann in eine Kita-Gruppe.

Die ungeplante Mehr-Anfrage für U3-Kinder müsste dann noch durch mehr Tagesmütter aufgefangen werden. In so genannten Großtagespflegestellen, wo bis zu drei Tagesmütter sich zusammenschließen, dürften neun Kinder betreut werden. Bei mehr wird eine Betriebserlaubnis fällig.

Doch die Hoffnung besteht, dass die Eltern von U3-Kindern ihre Anmeldung vielleicht zurückziehen, so sie sich denn sicher fühlen auch später einen Kita-Platz zu erhalten. Zumindest der Vorsitzende des stadtweiten Zusammenschluss der Kita-Eltern Ralf Haimerl äußerte sich so im Ausschuss. Mit einem Nicken schloss sich Bürgermeister Karl-Heinz Otto dieser Hoffnung an.

Überrumpelt und überrascht von einem derart hohen Fehlbedarf diskutierte die Politik dann auch gar nicht über den Lösungsvorschlag: das Jugendzentrum Astra könnte eine Kita mit vier Gruppen werden. Niemand hatte mal eben einen alternativen Standort, oder alternative Ausbauideen in diesem Ausmaß in petto. Die Entscheidung muss vor dem 15. März fallen, damit man zu diesem Stichtag die Zahlen ans Landesjugendamt melden kann, um die Förderung zu erhalten.

Mit der Astra-Lösung wolle man übrigens, so Bürgermeister Otto, den Eltern von U3-Kindern die Sorge nehmen, später keinen Platz mehr zu bekommen. Zu 100 Prozent könne man das aber nicht garantieren.