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Artenvielfalt im Luftraum

17.01.2009 | 00:30 Uhr

Vögel mit und ohne Motor im Areal. Hohes Gras neben der Landebahn macht Flugschneise fürs Federvieh unattraktiv.

Idyllisch liegt er, der Flughafen Niederrhein – umgeben von Ackerflächen und Wald. Ein idealer Lebensraum für Vögel, vor allem Krähenarten. Wäre da nicht Christoph Reichelt. Der 47-Jährige ist Vogelschlagbeauftragter und muss dafür sorgen, dass das Federvieh den Airport meidet. Zur Sicherheit. Zwischen 3000 und 4000 Raben, Dohlen und Co. flattern allmonatlich im Luftraum des Airports herum. Dass bei den Starts und Landungen keines der Tiere in die Triebwerke gelangt – wie am Donnerstag in New York – , dafür sind Christoph Reichelt und vier weitere Mitarbeiter des Vogelkontroll-Teams da.

Eine Überprüfungstour über den ganzen Airport ist Pflicht: vor jedem Start und jeder Landung. „Mit Warntönen aus dem Megaphon werden die Tiere im Fall der Fälle vertrieben”, erklärt Reichelt. Zwei der Geräte, mit denen die Signalrufe verschiedener Vogelarten imitiert werden können, wurden eigens in England bestellt. Nutzen diese Warnungen nichts, steht überdies Flughafenjäger Robert Weyers bereit.

Dass trotz der Vorsichtsmaßnahmen „immer mal wieder ein Vogel in ein Triebwerk gerät, ist normal – davon kriegen die Passagiere nichts mit”, meint Flughafenchef Ludger van Bebber. Problematisch und gefährlich wird's indes, wenn ein ganzer Schwarm in die Maschinen flöge. „Mit großen Zugvögel-Gruppen müssen wir uns aber selten beschäftigen”, beruhigt Christoph Reichelt. Die Flugbahn der Tiere sei überdies vorhersagbar. Vom Deutschen Ausschuss zur Vogelschlagverhütung wird der Airporttower über die aktuellen Strecken der Zugvögel informiert. Ähnlich wie der Deutsche Wetterdienst Sturmwarnungen herausgibt.

„Darüber hinaus achten wir darauf, dass kein Müll auf dem Flughafen herum liegt”, so Reichelt weiter. Denn viele Vögel, Aaskrähen etwa, würden von dem Abfall angezogen. Außerdem wird der Rasen selten gemäht. Zwischen 25 und 30 Zentimeter sind die Halme hoch. „Damit verhindern wir, dass sich Vögel auf dem Flughafengelände wohl fühlen. Hohes Gras stört ihr Sozialverhalten – sie können keinen Blickkontakt zu anderen Tieren aufnehmen”, erklärt Reichelt. Greifvögel entdecken im hohen Rasen zudem keine Beute.

Hundertprozentig verhindern können auch die Experten den Vogelschlag nicht: So flog 2004 eine Ente am Weezer Flughafen in ein Triebwerk. „Der Pilot war noch auf der Startbahn, beendete den Abflug sofort, kehrte um – die Maschine stand zwei Tage bei uns zur Reparatur”, erinnert sich Reichelt. Wahrscheinlich wäre auch in der Luft noch alles gut gegangen: „Selbst wenn nur noch ein Triebwerk funktioniert, kann ein Flugzeug weiterfliegen”, beruhigt Ernst van den Berg, Leiter des Flugbetriebs in Weeze. Solche Situationen trainiere jeder Pilot immer wieder in der Ausbildung. Damit er sie im Notfall so perfekt umsetzen könne wie Chesley Sullenberger, der am Donnerstag die Unglücksmaschine in New Yorkt lenkte: „Das war großartig. Hut ab!”

Anne Heidrich

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