Anpacken für die Gemeinschaft

Marlies Janßen aus Kalkar wurde für ihre Verdienste geehrt.
Marlies Janßen aus Kalkar wurde für ihre Verdienste geehrt.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Marlies Janßen war bei den Landfrauen aktiv, in der Pankratius-Bruderschaft und als Kirchenführerin. Jetzt erhielt sie die Ehrenplakette der Stadt Kalkar

Kalkar..  Als Marlies Janßen hörte, dass sie die Ehrenplakette der Stadt Kalkar erhalten sollte, war sie erstaunt. „Warum ich? Es gibt doch so viele, die etwas in der Gemeinde tun.“ Dabei hat sie selbst ja eine ganze Menge geleistet und ist immer noch sehr aktiv als Kirchenführerin in St. Nicolai und in der Pankratius-Bruderschaft, die sie mitbegründet hat.

Etwas selber anzupacken, liegt vielleicht in Herkunft und Erziehung begründet. Marlies Janßen wuchs auf einem Bauernhof in Schaephuysen bei Rheurdt heran. Prägend war die Landjugend, die Kirche, die Mitarbeit auf dem Hof. Damals konnte man von Melkrobotern noch nicht mal träumen, und dass ein paar Mähdrescher in wenigen Stunden ein ganzes Feld abernten, war auch noch Zukunftsmusik. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine ländliche Hauswirtschaftslehre, im Winter gab es Unterricht in der Landwirtschaftsschule Moers, im Sommer war Arbeiten angesagt. Ein Jahr verbrachte sie in einem Betrieb in Kempen. „Ein sehr gutes Jahr war das und eine tolle Familie“, schwärmt Marlies Janßen noch heute.

Ihren Mann lernte sie über eine Freundin kennen, die mit seinem Vetter befreundet war. Solche verwandtschaftlichen Beziehungen spielten später noch mal eine Rolle, als sie nämlich feststellte, dass die Hausdame des ehemaligen Papstes Benedikt weitläufig mit ihrem Mann verwandt ist. Anlass für eine Pilgerreise mit der Pankratius-Bruderschaft nach Rom, wo sich herausstellte, dass der Papst über den Niederrhein ganz gut Bescheid wusste.

1966 heiratete Marlies Janßen und zog an den Hof ihres Mannes nach Altkalkar. Sie hatte nicht nur Glück mit ihrem Mann, sondern auch mit ihrer Schwiegermutter: „Eine liebenswerte Frau, die sich auch Neuerungen nie verschloss.“ Sogleich trat sie der KFD und den Landfrauen bei. 1987 wurde sie Vorsitzende, kam einige Jahre danach auch in den Bezirksvorstand und war Mitglied der Landwirtschaftskammer NRW. Zu organisieren gab es eine Menge: von Gymnastik- und Kochabenden über Lesungen, Vorträge und Tagesausflüge bis hin zu großen Fahrten bis Andalusien und Frankreich. „Die Frauen sollen sich aufgehoben fühlen“, betont die Mutter von drei Söhnen.

Als sie 2002 aus dem Vorstand ausschied, suchte sie nach neuen Betätigungsfeldern. Die fand sie in der damals neu eröffneten Nikolaikirche als Führerin für die zahlreichen Besucher. „Manchmal waren vier Gruppen gleichzeitig in der Kirche, das war logistisch ganz schön schwierig“, lacht sie. Nebenbei führte sie viele Jahre durch die Kalkarer Mühle. Und als die Idee aufkam, für einen Turmhelm für die Kirche in Altkalkar zu sammeln, war sie gleich mit von der Partie. Einmal im Monat organisierte der Förderkreis in Turmfrühstück im Pfarrheim. „Da traf sich die Gemeinde nach der Messe, das war eine tolle Gemeinschaft“, erinnert sich Marlies Janßen. Aus diesem Förderkreis erwuchs die St. Pankratius-Bruderschaft, nachdem das Bistum einem neuen Turmhelm ablehnend gegenüberstand. Fortan unterstützte die Bruderschaft etliche Einrichtungen - von der Übermittagbetreuung für sozialschwache Schüler über die Gemeindecaritas bis hin zum Sozialdienst katholischer Frauen.

Die Bruderschaft hat auch nach dem Verkauf des Pfarrheims und damit dem Wegfall der Turmfrühstücke noch ein reiches Jahresprogramm. Marlies Janßen betont, dass sie das alles ohne die Unterstützung ihres Mannes nicht hätte leisten können - und ebenso wenig ohne die Mitarbeit vieler anderer. Die Ehrenplakette hat sie dankbar entgegengenommen: „Ich habe mich über alle gefreut, die sich mit mir gefreut haben.“