An die Zeit angepasst

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Goch..  Für Zimmer in Altenheimen gelten ab Juli 2018 neue Vorgaben was Größe und Ausstattung anbelangt. Die Bruderschaft zu Unserer Lieben Frau in Goch ist einer der Träger, die deshalb frühzeitig aktiv geworden sind und ihre Einrichtung an die Zeit angepasst haben. Insbesondere das Alten- und Pflegeheim an der Picardie wurde umgebaut. Von außen war von den Arbeiten nicht viel zu bemerken, denn die Änderungen fanden nur im Inneren statt. Die unmittelbare räumliche Nähe zum historischen Männerhaus gibt dem Ensemble seinen besonderen Charakter.

Dr. Christian Moll als amtierender Rendant der Bruderschaft, Norbert Lamers als Geschäftsführer des Heims, Provisor Franz Peters, Architekt Heinz Wrede und seine Kollegin Marion Laue zeigten der Presse nun, worauf es bei dem Umbau ankam. Und was den Bewohnern nun geboten wird.

„Ursprünglich hatte das Haus an der Picardie zwölf Altenheimplätze und sechs Wohnungen. Letztere waren aber nicht mehr am Bedarf orientiert, denn inzwischen handelt es sich um ein reines Pflegeheim. Wir haben deshalb die Wohnungen aufgelöst und zu elf Einpersonen-Appartements umgebaut“, erklärt Wrede. Gemeinsam mit den zwölf Altenheimplätzen, die es bisher gab, stehen nun 23 Heimplätze mit jeweils eigener Nasszelle und Balkon zur Verfügung. Wobei die „Nasszellen“ schon richtige Bäder sind – geräumig und rollstuhlgerecht.

Auf jeder Etage wurden ein 30 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum und eine Küche eingerichtet. Dort können die Männer und Frauen, die dort leben, essen, Kaffee trinken oder spielen. Wer dazu fit genug ist, kann außerdem den zweigeschossigen Speiseraum und die angrenzenden historischen Zimmer des benachbarten Männerhauses nutzen. Das stammt (mit seiner von der Mühlenstraße aus zu bewundernden Fassade) aus dem Jahr 1453 und ist damit eines der letzten noch existierenden ganz frühen Gebäude der Stadt. Ein Verbindungsgang, vorbei an dem neu gestalteten Sinnesgarten, bringt die beiden Gebäudekörper zusammen.

Einer der Vorteile des Ensembles liegt in seiner Lage: ganz nahe an Markt und Fußgängerzone. „Wir wünschen uns, dass sich noch mehr Ehrenamtler finden, die mal mit den Bewohnern spazierengehen oder sich mit ihnen unterhalten“, sagt Norbert Lamers. Das Problem dieses wie vieler anderer Häuser: Die Gäste kommen meist erst, wenn sie sehr alt und pflegebedürftig sind und kaum mehr selbstständig. „Gerade deshalb ist uns eine menschlich zugewandte Pflege sehr wichtig“, betont Christian Moll, und Franz Peters versichert: „Die Stiftung macht mehr, als sie muss. Wir sind eben kein kommerzielles Haus, sondern eine gemeinnützige Einrichtung.“ Der vergleichsweise günstige Personalschlüssel muss sich natürlich auch erwirtschaften lassen. Auch dafür sind viele kleine Appartements besser geeignet als sechs größere Wohnungen. Der große Trakt des Heims am Redonplatz mit angesiedelter Physiotherapie-Praxis und ambulanter Pflege ist schon 2010 / 11 entstanden, das Gebäude am Frauenhaussträßchen wurde 2011 / 12 umgebaut. „Damals haben wir etwa die sowieso kaum genutzten Balkone als zusätzliche Wohnfläche einbezogen, um die Zimmergröße den Anforderungen anzupassen“, erklärt Wrede. Nun betreibt die Bruderschaft in Goch 97 Heimplätze – alle entsprechen dem neuen Landespflegegesetz.