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„Aber bitte keinen Supermarkt“

09.06.2012 | 14:22 Uhr

Kleve. Die Stimmungslage im Klever Rathaus war am Mittwoch schon wieder auf Betriebstemperatur. Die veröffentlichte Kritik zur Bebauung des Minoritenplatzes stieß bei der Verwaltung nicht gerade auf Gegenliebe. Zu sensibel ist für sie das Thema, als dass man diese zentrale Bebauung in der Unterstadt schon im Vorfeld zerredet. Geschäftsleute und Politiker kritisieren Teile des Bebauungsplanes und des begleitenden Einzelhandelsgutachtens der Beratungsfirma CIMA (wir berichteten): Zu klotzig und zu wenig Qualität habe das, was von der vorgeschlagen wird.

Herz am Spoykanal

Neben dem Neu- und Umbau des Rathauses ist die Bebauung des Minoritenplatzes die zentrale städtebauliche Planung der Stadt Kleve. Der Bebauungsplan 1-279-1 schreibt diesem Platz eine „Schlüsselstelle der Stadtentwicklung“ zu und das CIMA-Gutachten geht davon aus, dass das Herz des Einzelhandels künftig in der Unterstadt schlägt. Das Projekt soll zur Flaniermeile der Herzogstadt werden und endlich den Spoykanal besser an die Innenstadt anbinden.

Am 30. März 2012 hat die Stadt Kleve das Unternehmen CIMA damit beauftragt, die künftige Nutzung des geplanten Einzelhandelszentrums zu überprüfen und auch die Auswirkungen auf den Rest der Klever Innenstadt ins Auge zu fassen.

Auf dem Minoritenplatz soll auf 7000 Quadratmetern Einzelhandel entstehen. Laut CIMA-Gutachten sind dort ein Lebensmittelmarkt (2500 Quadratmeter), ein Kleinkaufhaus (1800 Quadratmeter), ein Unterhaltungselektronikmarkt (2500 Quadratmeter) und kleinere Shops auf 700 Quadratmetern vorgesehen.

Für die Klever CDU und Teile der Geschäftswelt ist dies nicht gerade eine Traumbesetzung für ein Einkaufszentrum, welches zur Perle für die Stadt Kleve werden soll. „Da unten darf gerne ein Feinkostladen rein, aber bitte kein Supermarkt auf 2000 Quadratmeter“, sagt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Jörg Cosar. Kämmerer Willibrord Haas entgegnet: „Vor nicht allzu langer Zeit haben wir breit diskutiert, dass es in der Klever Innenstadt einen Supermarkt geben muss.“

Das CIMA-Gutachten befürwortet den großen Lebensmittelmarkt, weil er die Nahversorgung in der Innenstadt sichere und auch der Marktlage entspreche: „Die beiden führenden Anbieter in Deutschland, Rewe und Edeka, verflogen bei Neuansiedlungen verstärkt die Realisierung von Märkten mit bis zu 2000 Quadratmetern“, schreibt Gutachter Dr. Wolfgang Haensch. Zudem werde der absolute Zuwachs der Verkaufsfläche durch die erwartete Aufgabe des vorhandenen Edeka-Marktes (650 Quadratmeter) in der Innenstadt reduziert.

Für besondere Aufregung sorgt die geplante Einführung eines Unterhaltungselektronikmarktes. Im CIMA-Gutachten heißt es dazu: Es sei nicht auszuschließen, dass mit der Ansiedlung so eines Marktes am Minoritenplatz „der vorhandene Markt in der Neuen Mitte aufgegeben wird. Dies ist auf jeden Fall gegeben, wenn als Betreiber des neuen Marktes die Firma Saturn gewonnen wird.“ Aus CIMA-Sicht habe der Minoritenplatz für Saturn gegenüber dem Standort Neue Mitte eindeutige Vorteile. Die Neue Mitte habe viele Schwachstellen: Lage des Haupteingangs, Zufahrt Parkhaus, das Raumklima und die Gestaltung des Innenhofes.

CIMA sieht die Unterstadt künftig als das neue Zentrum von Kleve: „Die Neuansiedlung von C&A in der Herzogstraße sehen wir als deutliches Indiz dafür an, dass die Haupteinkaufslage von Kleve zukünftig den Minoritenplatz und die Große Straße umfassen wird und die Hagsche Straße zusammen mit der Kavariner Straße 2er Lagen darstellen werden.“

Für das neue Kleinkaufhaus auf 1800 Quadratmetern führt das Gutachten das Beispiel der Drogeriekette Müller an. Die Ansiedlung von Müller „wäre eine denkbare Variante“. Die Kette könnte sich aufgrund der Größe zu einem Anziehungspunkt in der Klever Innenstadt entwickeln, heißt es im Gutachten.

Zusammengenommen sollen die drei geplanten Magnetbetriebe einen jährlichen Umsatz von 33,7 Millionen Euro erwirtschaften, die kleineren Shops 2,4 Millionen Euro, heißt es in dem Gutachten.

Andreas Gebbink

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