2600 Pferdestärken auf einem Hof

Günther Schmidt und Sohn Jan vor dem großen Pferdetransporter.
Günther Schmidt und Sohn Jan vor dem großen Pferdetransporter.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Günther Schmidt aus Uedem landete mit „Taxi4Horses“ einen Volltreffer

Uedem..  Der Name ist Programm: Taxi4Horses transportiert nicht einfach Pferde von A nach B, es chauffiert sie. Bis zu 40 Rösser könnte Günther Schmidt mit seinen Kollegen und dem PS-starken Fuhrpark auf einmal durch die Lande kutschieren.

Apropos PS-stark. „Hier auf dem Hof stehen insgesamt 2600 PS“, zählt er für die NRZ zusammen. Davon beanspruchen alleine die Privatfahrzeuge 1000 Pferdestärken. Ein Cabrio, ein amerikanischer Pick-up und ein Motorrad. Zu Hause auf dem wunderschön restaurierten Hof in Keppeln, der – wie sollte es anders sein – passenderweise an der Rennstraße liegt. Der Rest der PS liegt im Motorraum der Transporter, besser gesagt: Pferdetaxis.

Keine einzige Pferdestärke steht im Stall. Zumindest nicht dauerhaft. Eigene Pferde hat die Familie ebenfalls nicht in Keppeln, um die wenige Freizeit wirklich vollkommen ungebunden verbringen zu können. Auf dem Hof wohnen neben der Familie wohl noch vier Katzen und ein Wolfshund.

Hier lebt der sympathische 51-Jährige den privaten und unternehmerischen Traum. Mit einem ursprünglich recht mutigen Schritt. Der gelernte Immobilienmakler hatte bereits 1992 ein Gestüt in Geldern gegründet, bevor er dann mehr als zehn Jahre später gemeinsam mit seiner Frau Elke die Leidenschaft für Vollblutpferde zum Beruf machte und 2003 Taxi4Horses gründete.

„Wir dachten, als Nebengewerbe könnten wir das auf die Beine stellen und so 50 000 Kilometer im ersten Jahr erfahren. Daraus wurden 100 000 Kilometer“, wundert sich Schmidt noch heute über den Erfolg.

300 Euro bis 7 Millionen

Schnell wuchsen die Zahl der Transporte und der Transporter. In Vollblutkreisen sprach sich herum, dass Günther Schmidt und sein Team – Ehefrau Elke, Markus Mundry und Heinz Krause (alles Pferdewirtschaftsmeister) – ein besonders sensibles Händchen für besonders sensible Pferde haben.

Dem Taxi-Chef wurde das Gespür für edle Rösser quasi in die Wiege gelegt, seine Familie ist seit 1950 dem Galopprennsport verbunden.

Überwiegend chauffiert Taxi4Horses edle und unglaublich wertvolle Zucht- und Rennpferde quer durch Europa. Meistens von Deutschland oder Frankreich nach England, Irland und zurück. Oft sind es Zuchtstuten, die dort gedeckt werden.

Das teuerste Pferd, das seinen Transporter betrat, war gleich mehrere Millionen Euro wert. „Aber ich habe auch schon für eine Familie zwei Connemaraponies aus Irland hierher gebracht, die kosteten knapp 1000 Euro.“ Schmidt ergänzt: „Ob ein Pferd 300 Euro oder 7 Mio kostet, ist für das Pferd doch völlig egal. Es will gut behandelt werden.“

Letzteres kann der Pferdemann garantieren. Wie sagt er doch über sich: „Ich liebe fast nichts mehr als die Pferde.“ In seiner Branche gilt er als der deutsche Monty Roberts in Sachen Transport. Bei ihm geht jedes Pferd in die luxuriösen Transporter. „Ein ängstliches Pferd braucht Vertrauen und ein stures Konsequenz“, weiß der Fachmann.

Einmal auf dem Wagen gibt’s Wasser, Heu, Aufsicht, medizinische Versorgung und auch viel Platz. Kein Pferd ist während der Fahrt in der Transportbox angebunden, alle stehen quer zur Fahrtrichtung. „Die balancieren sich so besser aus“, weiß Schmidt aus Erfahrung. Passiert ist noch nie etwas.

Irisch

Mit seinem Team versteht sich der Taxi4Horses-Erfinder Schmidt bestens. Mittlerweile greift ihm auch sein LKW-begeisterter Sohn Jan (20) fleißig unter die Arme. Alle zusammen feiern übrigens gut und gerne in der jüngst fertig gestellten „Pub4Drivers“ Bar, eine original irische Kneipe in der Hofscheune.

Infos auch im Netz unter www.taxi4horses.com