Zweiter Herner Krimisommer mit Jan Seghers entspannt eröffnet

Autor Jan Seghers in der Alten Druckerei.
Autor Jan Seghers in der Alten Druckerei.
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Was wir bereits wissen
Das Publikum in der Alten Druckerei lernte einen sympathischen Autor kennen, der gerne über seine Arbeit sprach und aus dem fünften „Marthaler“ las.

Herne..  Wenn Jan Seghers ein neues Buch schreibt, treibt er sich erst mal herum. Taucht ein in die Welt, die er beschreiben will, recherchiert. „Das sieht aus, als würde ich überhaupt nichts tun“, erklärte er am Mittwoch in der Alten Druckerei. Nicht einmal Notizen macht er sich. Erst wenn „ein Kosmos im Kopf gewachsen ist“, legt er los, und je näher der Abgabetermin rückt, umso mehr hält er sich ran. So ist auch „Die Sterntaler-Verschwörung“ entstanden, der fünfte Krimi um den Frankfurter Kommissar Marthaler, aus dem Seghers in Herne las, als erster Autor im zweiten Krimisommer.

Präzise Beschreibungen

Matthias Altenburg, so heißt der Journalist und Schriftsteller im richtigen Leben, schreibt präzise und liest angenehm entspannt. Die Passagen, die er ausgewählt hat, machen mit Robert Marthaler, seiner tschechischen Freundin Tereza und der jungen Journalistin Anna bekannt, die ihn auf die Spur einer verschwundenen Kollegin setzt. Außerdem wird Süleyman eingeführt, eine Art Dorf-Gigolo, der einen merkwürdigen Unfall beobachtet. „MP“, den Ministerpräsidenten von Hessen, lernen die Zuhörer gleich eingangs kennen, einen Politiker mit einer Schwäche für rosa Honigbällchen. Er wird in diesem Krimi eine entscheidende Rolle spielen, in dem es um die Verstrickungen von Politik und Wirtschaft beim Frankfurter Flughafen-Ausbau geht - was nicht ganz zufällig an reale Vorgänge in Hessen vor ein paar Jahren erinnert.

„Kein Politkrimi, sondern ein Kriminalroman“, sagt Seghers, selbst privat auch Krimifreund, aber mindestens so sehr Anhänger des großen Gesellschaftsromans. Ein Mordfall, sagt er später, sei nichts anderes als „die Wurst an der Stange“, die es ihm erlaube, „viel aus dem Leben zu erzählen“.

Zum Krimischreiben riet ihm ein Freund, als er gerade zwei Bruchstücke von Geschichten nicht zusammen bekam. Auf dessen Rat legte er sich auch ein Pseudonym zu, gegen die Schreibblockade - und es lief. Erfreulich uneitel erzählt Jan Seghers solche Geschichten im Gespräch mit Jochen Schübel. Auch dass er heute fast keine deutschen Kriminalromane mehr lesen kann, erfahren die Zuhörer. Aus Angst, dass jemand anderes „das Buch veröffentlicht hat, das ich gerade schreibe“. Und dass er niemals jemandem etwas zeigt, bevor nicht ENDE unter dem Roman steht, nicht mal der eigenen Frau: „Jede Reaktion wäre falsch.“

Zu seinem Kommissar Marthaler hat der Autor eine gewisse Distanz behalten, sagt er. Klar, er ist Frankfurter wie er, fährt lieber Fahrrad als Auto und trinkt gern Rotwein, „aber ich will, dass er auch mal was Überraschendes tut“. Überraschend war für Seghers auch die Besetzung der Figur in der ZDF-Verfilmung mit Matthias Koe­berlin. Zu jung, zu fit ... aber am Ende doch ein Typ, mit dem er sich anfreunden konnte.