Zwei Vollblutentertainer in Herne auf geistreicher Rundreise

Thomas Pigor (rechts) und Bernhard Eichhorn präsentierten politisches Kabarett.
Thomas Pigor (rechts) und Bernhard Eichhorn präsentierten politisches Kabarett.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Musikkabarett der Extraklasse erlebten die Besucher der Flottmann-Hallen am Mittwochabend mit Thomas Pigor und Bernhard Eichhorn am Flügel.

Herne..  „Volumen 8“ nennen die Berliner Vollblutentertainer ihr Programm, bei dem „Pigor singt“ und „Eichhorn begleiten muss.“

Dass sie sich dabei einen verbalen Schlagabtausch liefern, bei dem man an die Querelen eines alten Ehepaars denkt, erhöht den Reiz ihrer geistreichen kulturellen Rundreise. Sie nimmt einen Rückblick über die umstrittene Persönlichkeit Richard Wagners zum Anlass für Betrachtungen über die wechselnde Beliebtheit der Deutschen bei den europäischen Nachbarn in den letzten zweihundert Jahren. Dabei nehmen die Gäste aus Berlin sich ganz nebenbei auch die Salonkultur als „Zwischenöffentlichkeit“ vor: Hier sorgt Bernhard Eichhorn durch einen Vortrag über „etwas Uninteressantes“ wie die Geschichte der Buchführung dafür, dass das Publikum der Flottmann-Hallen die gepflegte Langeweile hautnah im Selbstexperiment erfahren kann – allerdings nicht lange, denn die urkomischen, dabei aber treffsicheren und pointenreichen Dialoge von Thomas Pigor und Bernhard Eichhorn lassen einfach nie Monotonie aufkommen.

In einer Moritat im Stil einer Brecht-Ballade beschäftigt sich Thomas Pigor mit den Gefühlen des gestressten modernen Menschen, der zu den hämmernden Rhythmen des Klaviers nie seinem „To do“-Hamsterrad entkommt. Überhaupt ist das Leben zu kompliziert geworden. Aber wenigstens die Sprache könnte man vereinfachen, meint Thomas Pigor - und erklärt, wie Esperanto funktioniert. Und Bernhard Eichhorn singt und spielt sich seinen Trennungsfrust in markanten Rhythmen und mit mancher Stichelei über das Ruhrgebiet von der Seele. Nach Seitenhieben auf Politikerinnenkompetenz, Fallstricke der Steuererklärung, anonymes Cyber-Mobbing und die Heimwerkerleidenschaft der Deutschen endete ein spritziges Kabarettprogramm voll messerscharfem satirischem Witz und schnoddrigem Charme mit einer Klage über die Müdigkeit, die jede Zärtlichkeit im Keim erstickt.