Zwei Hauptschulen sollen "auslaufen"
04.11.2009 | 19:48 Uhr 2009-11-04T19:48:00+0100Die Königin-Luisen-Hauptschule und die Hauptschule Jürgens Hof sollen bereits im kommenden Jahr keine Eingangsklassen mehr bilden. Das schlägt die Stadt Herne vor. Die Schulleiter schäumen vor Wut. Der Rat entscheidet wohl im Dezember.
Dass die Stadt Herne beabsichtigt, die Hauptschulen Jürgens Hof und Königin-Luisen auf absehbare Zeit „auslaufen” zu lassen, ist kein Geheimnis. In dem im Frühjahr 2008 veröffentlichten Schulentwicklungsplan bis 2012 steht das so drin (die WAZ berichtete). Jetzt aber drückt die Verwaltung gehörig aufs Tempo. Schon in einer Sondersitzung am 25. November sollen die Mitglieder des Schulausschusses beschließen: Die beiden Hauptschulen in Alt-Herne und Wanne-Eickel dürfen bereits im kommenden Schuljahr keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Voraussichtlich vier bis fünf Jahre später wären die Einrichtungen dann Vergangenheit.
Laut Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff gebe es für diesen Schritt zwei zentrale Argumente: die demografische Entwicklung mit sinkenden Schülerzahlen und das Schulwahlverhalten der Eltern. „Schon in diesem Jahr hat es an einigen Hauptschulen Schwierigkeiten gegeben, genug Anmeldungen für die Bildung von Eingangsklassen zusammenzubekommen”, sagt Thierhoff zur WAZ. Dieser Realität müsse man sich stellen. „Das hat nichts mit der Qualität der Arbeit zu tun, die jede einzelne Hauptschule leistet.” Bei derart sinkenden Schülerzahlen mache es aber keinen Sinn, viele kleine Systeme zu erhalten. Dass gerade die Schulen Königin-Luisen und Jürgens Hof für das „Auslaufen” ausgewählt worden seien, habe „objektive Gründe”: Standort, Zustand der Gebäude, gezahlte Fördermittel des Landes.
Die Schulaufsicht von Land und Bezirksregierung unterstützt Thierhoff zufolge die Pläne der Stadt. Und auch von Seiten der Politik erwartet die Bildungsdezernentin keine großen Einwände: „Ich würde es für absurd halten, würde man sich über objektive Zahlen die Köpfe einhauen.”
Ganz anders sehen das die Leiter der betroffenen Schulen, Werner Sprack (Jürgens Hof) und Ulrich Machnick (Königin-Luisen). Sie schäumen vor Wut. „Wir schreiben der Politik das Recht auf Irrtum zu. Wir erwarten aber eine verantwortungsvolle Entscheidung auf Basis aktueller Daten”, so Machnick. Seine Kritik fußt auf zwei Punkten: Die Königin-Luisen-Hauptschule verzeichne einen Zulauf. „Das Wahlverhalten spricht im Gegensatz zu anderen Hauptschulen für uns, das wird bewusst ignoriert.” Und: Seine an der Wilhelmstraße beheimatete Schule sei eine von zwei integrativ arbeitenden Einrichtungen. Heißt: Die Königin-Luisen-Hauptschule arbeite erfolgreich mit Kindern von Förderschulen zusammen. „Die Stadt sagt, das könnten auch andere Schulen machen, ich sage, sie könnten es nicht, weil sie es gar nicht wollen.” Darüber hinaus weist Machnick auf eine mögliche Schulstrukturreformen hin: „Es wird auch in NRW etwas passieren. Wer zuvor eine leistungsfähige Schule preisgibt, handelt töricht. Wir sind eine Vorzeigeschule in Bezug auf Ausstattung und Pflegezustand. Es wäre ein Verbrechen, wenn hier in absehbarer Zeit keine Kinder mehr unterrichtet würden.” Die Mitglieder des Schulausschusses forderte er auf, sich vor einer Entscheidung vor Ort zu informieren.
„Zu kurz gesprungen” – so kommentiert der Leiter der Hauptschule Jürgens Hof, Werner Sprack, die Pläne der Stadt. Die Familienentwicklung zeige, dass im Umfeld seiner Schule künftig mehr Kinder leben würden als etwa im Herner Süden. Und: „Wir sind die einzige Hauptschule im Bezirk Sodingen und die einzig integrative in Alt-Herne. Wir sollen sogar in einem Kompetenzzentrum mit drei Förderschulen zusammenarbeiten. Jetzt will man uns dichtmachen – ein Irrwitz.” Zudem kritisiert Sprack die Stadt scharf für die Art und Weise des Umgangs: „Ulrich Machnick und ich sind am 6. Oktober einbestellt worden ohne zu wissen, worum es geht. Sie haben uns behandelt wie Schuljungen. Unter gelebter Demokratie stelle ich mir etwas anderes vor.” Sprack und Machnick kündigten massive Proteste an.
22:21
Wie erbärmlich der Zustand in Herne wirklich ist, sieht man doch wieder an der vom Schulministerium durchgeführten Delfin Studie:
Anzahl der Kinder, die zum 01.08.2011 schulpflichtig werden: 1416
Anteil der getesteten Kinder mit zusätzlichen Förderbedarf: 33,2%
Gelsenkirchen, Duisburg, Oberhausen und Dortmund liegen ebenfalls über 33,2%
Aber auch da durfte die SDP sich um Integration und Entwicklung kümmern.
Erbärmlicher kann so ein Ergebnis doch kaum ausfallen.
Da wundert man sich kaum noch, dass z.B. in Horsthausen die Menschen mit Migrationshintergrund selten in der Lage sich, sich in diese Gesellschaft zu integrieren und der Nachwuchs den Anschluss verliert.
Danke, dass schon seit Jahrzehnten die Probleme bekannt sind (Wanne) und offenbar erfolglos weitergemacht wird.
Danke, wieder eine Chance vertan!
Wundert mich schon, dass das Ergebnis seit dem 16.11. auch unter Pressemitteilungen des Schulministeriums veröffentlich wurde, aber hier im Lokalteil nichts zu finden ist.
17:03
Entlich mal jemand der wahre Worte spricht,was soll aus unseren Kindern oder denen die noch folgen werden werden? Fragt sich das mal einer?Es wird so enden Überfüllte Klassen keiner kümmert sich um die Kinder aus der Unterschicht die werden dann auf der Strasse Landen ein Hauptschüler ist besser bei der Arbeit zu gebrauchen als einer der vom Gymnasium kommt die wollen sich die Finger nicht schmutzig machen oder aber mittlerweile sieht es ja auch schon so aus das Kinder aus Sozial hohen Elternhaus eine nicht mehr so Hochgesteckte Schule besuchen der trennt Hauptschule wird wieder kommen und was dann??
00:03
Betroffen und entsetzt haben wir Eltern von der geplanten Schulschließung erfahren.
Unsere Kinder lernen in einem der bestausgestatteten Gebäude im Umkreis der vorhandenen
Haupt- und Gesamtschulen.
Hier arbeitet eine Lehrerschaft, die mit viel Herz und Verstand, großer Einsatzbereitschaft
und enormen Einfühlungsvermögen zum Wohle unserer Kinder ihren Beruf ausübt.
Kennen Sie noch eine Schule, wo jeder Lehrer jeden Schüler mit Namen kennt?
Das sind für unsere Kinder die besten Lernvoraussetzungen für einen guten Schulerfolg!
mclane waren Sie mal an der KLS und haben sich dort umgeschaut? Können Sie sich überhaupt ein Bild davon machen, was die Lehrer dort tagtäglich leisten?
Was sie Erhalt ihrer persönlichen Königreiche nennen, nenne ich einen sehr hohen Einsatz zum Wohle unserer Kinder!!
Keiner verschließt hier die Augen vor der Realität, ganz im Gegenteil:
Fakt ist, dass man auf dem Rücken des schwächsten Gliedes der Gesellschaft,
unseren Kindern, die Finanzlöcher stopfen will!
Fakt ist es ebenso, das die erzielten Erfolge, sowohl in der Arbeit mit Kindern mit besonderem Förderbedarf sowohl als auch das hervorragende Abschneiden bei den Lernstandserhebungen in den Fächern Deutsch und Englisch wohl für sich alleine schon sprechen.
Um hier nicht allzulang zu werden, verweise ich auf die Homepage der KLS. Schauen Sie sich in Ruhe um, informieren Sie sich ersteinmal über die geleistete Arbeit und fällen Sie dann ihr Urteil!
Wir Eltern der KLS sind stolz und sehr dankbar, das unser Schulleiter, sowie auch die Lehrpersonen an der KLS, sich in diesem hohen Maße für unsere Kinder einsetzen!
Carola Wagener
(Elternpflegschaftsvorsitzende der KLS)
Nachtrag: Es gibt bestimmt unnötigere Gebäude in der Stadt Herne, von der sich die Stadt trennen könnte, als 2 sehr gut funktionierende und erfolgreiche Schulen. Und die Zeche der Kosten für die Bürger wird bestimmt noch höher werden, wenn viele Schüler und Schülerinnen keine gute Schulbildung erhalten, und zu Sozialhilfeempfängern werden!!
23:32
hallo alleswisser, wie du weißt hat die SPD mit Michell S., Norbert Schwa. und Birgit K. drei versierte Schulpolitiker, die sicherlich ein langfristiges Konzept im Kopf haben. Deine Zeilen sind auch deshalb Blödsinn, weil die SPD schon lange im Rat keine Mehrheit hat und auch keine Sparkommission berufen kann. Sicher ist, dass in Zukunft gespart werden muss und man sich in vielen Bereichen von nicht mehr benötigten Gebäuden trennen muss, denn die Zeche für die Kosten zahle ich, der Bürger
20:06
..im rat hat die spd jetzt eine sparkommission einberufen - da sollen jetzt mit den anderen parteien die grausamkeiten beschlossen werden - bürgerinnen und bürger die schliessung von zwei schulen ist erst der anfang - die spd hat noch viel mehr grausamkeiten auf der pfanne - wehrt euch!
12:58
Schlimmer ist doch, dass sich durchschnittlich 60-70% der Klassen aus Kindern mit Mgirationshintergrund zusammensetzen, welche keine Zwangs-Kita-Erfahrung gesammelt haben und somit mit sehr geringen und die Kommunikation behindernden Sprachkenntnissen (DEUTSCH) eingeschult werden.
Die städtisch angebrachten Initiativen, hier entsprechend gegenzusteuern gibt es natürlich nicht. Also wird diese Schulform als eher nicht geeignet betrachtet.
Leider steigt das Leistungspensum bei höheren Schulformen, so dass dort noch weniger auf Integrationsprobleme eingegangen werden kann.
Statt also an den Hauptschulen intensivierte Integrationsarbeit zu betreiben und zusammen mit Ausländerbeauftragten und Jugendamt durch erhöhte Mittelfreigaben dem zu begegnen, provoziert man lieber einen weiteren Bildungsrückgang durch solche Aktionen.
Zwar war es stets nicht förderlich, gerade in Stadtgebieten wie Horsthausen solche Schulformen beizubehalten, aber eine vernünftige Konsolidierung wurde versäumt.
Aber dafür hätte man ja etwas tun müssen. Wie in so vielen städtischen Bereichen.
Und wer lange sitzt und noch wenige Zeit sitzen muss, dem ist es zu bequem geworden und der mag sich halt nicht mehr bewegen. Der wartet einfach nur noch ab.
Man kann auch warten, bis die Bürger selbst die plötzlich vom Himmel gefallenen Blätter entsorgen oder der Wind diese in die Nachbarstädte geblasen hat. Oder ein sehr tragischer Unfall mit oder ohne Todesfolge passiert und plötzlich wilder Aktionismus an den Tag gelegt wird.
11:18
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10:34
Nach Dortmund wundert sich doch keiner mehr, oder?
Ich warte nur noch auf eine Wahrheit, welche gravierenden Einfluss auf die Lebensumstände einer signifikaten Menge von Bürgern hat und welche erst jetzt mittels Salami-Taktik den Bürgern vermittelt wird.
Nein, Kost und die aktuelle Höhe des Haushaltslochs waren schon vorher mehr oder weniger bekannt.
Vielleicht gibt es dann auch einen KRAFT-akt der Hatz-IV und Rente_mit_67 Unterstützung aus der Landesebene, die plötzlich von nichts mehr gewusst haben wollen.
Lach
09:30
Und schon wieder die obrige Stadtverwaltung. Wenn diese das Wort erhält, haben alle anderen zu spurten. Toll so was. Ist das Demokratie, zurecht stellt Herr Machnick diese Frage.
Cool nur, dass all die Wahrheiten und Fehler erst nach den Kommunalwahlen deutlich werden. Diese Stadt braucht einen Wechsel. Zuerst in der Politik, danach in der Verwaltung.