Zwei Frauen auf der Flucht

Die offensichtliche Ähnlichkeit zum ersten Bestseller von Jonas Jonasson machte mich neugierig, die Geschichte überzeugt jedoch durch ihren eigenen Charme.

Karen Valter ist 83 Jahre alt und in ihrem hellblauen Plymouth Furys mit Vollgas auf der Flucht vor ihrer Familie. Unterwegs wird sie in einen Tankstellenüberfall verwickelt und kommt so zu ihrer jungen Reisebegleitung: Azar, 17 Jahre alt, mit iranischen Wurzeln und schwanger. So unterschiedlich die beiden Frauen sind, haben sie doch eine Gemeinsamkeit, sie laufen davon: vor ihrer Vergangenheit, aber auch vor der Zukunft. Karen ist auf dem Weg nach Fetknoppen, einer kleinen Schäreninsel, auf der sie ihre Kindheit verbrachte. Dort ereignete sich vor 65 Jahren ein Mord, für den ihre Familie auch in der Gegenwart noch verantwortlich gemacht wird. Zusammen mit Azar taucht Karen ein in ihre Familiengeschichte der 40er-Jahre und versucht auf diese Weise ihren Frieden zu finden. Das Ende kommt etwas abrupt, bringt aber eine Überraschung mit sich.

Eine große Geschichte, die dem Leser einerseits einen Einblick in das Leben der 40er-Jahre in Finnland gibt, andererseits aber auch das Gefühl der Heimatlosigkeit junger Menschen mit Migrationshintergrund aufzeigt. Foto: R. Bodemer