Zwei Bürger kippten den Herner Nahverkehrsplan

Sie mobilisierten den Bürgerprotest im Herner Süden gegen die Fortschreibung des Nahverkehrsplans: Peter Windhäuser (li.) und Markus Ruwe.
Sie mobilisierten den Bürgerprotest im Herner Süden gegen die Fortschreibung des Nahverkehrsplans: Peter Windhäuser (li.) und Markus Ruwe.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
„Wir fühlten uns gezwungen, etwas zu tun.“ Markus Ruwe und Peter Windhäuser kippten 2014 das Verfahren zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans.

Herne..  April 2014: Der Rat der Stadt beschließt ohne große Debatte die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für die Bezirke Herne-Mitte und Sodingen. Die Opposition übt Kritik an einzelnen Punkten für Herne-Süd, zwei, drei Leserbriefschreiber haben bereits zuvor in der WAZ ihrem Ärger Luft gemacht. An der Mehrheit für die Fortschreibung ändert das nichts.

So hätte es kommen, wenn, ja wenn die Süder Peter Windhäuser (60) und Markus Ruwe (49) nicht die Initiative ergriffen hätten. Sie befürchteten erhebliche Verschlechterungen für den Nahverkehr im Herner Süden. „Wir sahen uns gezwungen, etwas zu tun“, sagt der Vorruheständler und frühere Industrie-Mechaniker Windhäuser.

Er und der klinische Pathologe Ruwe haben etwas getan: Sie mobilisierten die Bürgerschaft und sorgten letztlich dafür, dass Stadt und Politik auf Druck das gesamte Verfahren anhalten und neu aufrollen mussten. Der Nahverkehrsplan für Herne-Mitte und Sodingen soll nun erst 2015 verabschiedet werden - unter Berücksichtigung der zahlreichen Hinweise von Bürgern.

„Wir haben uns nicht gesucht, aber gefunden“, beschreibt Windhäuser das Verhältnis zu seinem Nachbarn Markus Ruwe. Man habe sich immer nur freundlich gegrüßt. 2008 änderte sich das, als sie der Ärger über die Pläne für eine frühere Fortschreibung des Nahverkehrsplans erstmals zusammenführte. Schon damals mit Erfolg - nicht zuletzt auch deshalb, weil sie vor sechs Jahren von Anfang an bei der SPD auf offene Ohren stießen.

Diesmal musste das Duo ganz andere Geschütze auffahren, um von Parteien und Verwaltung überhaupt gehört zu werden. „Eine echte Diskussion mit Austausch von Argumenten fand nicht statt“, so Windhäuser. Er und Ruwe druckten kurzerhand 3000 Flugblätter, verteilten diese in Herne-Süd und luden zu einer Bürgerversammlung ins Gemeindehaus an der Lu­therstraße ein.

Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. „Beim Blick in den Saal sind einigen Vertretern von Verwaltung und Politik die Gesichtszüge entglitten“, sagt Windhäuser. Rund 200 Süder drängten sich in den aus allen Nähten platzenden Gemeindesaal. Am Ende der denkwürdigen Veranstaltung ließ Markus Ruwe abstimmen. Das überwältigende Votum: Nur zwei Bürger hoben für den Nahverkehrsplan Herne-Süd die Hand.

Initiative hat bereits 30 Mitglieder

„Ohne die Unterstützung aus der Bevölkerung hätten wir das alles nicht geschafft“, resümiert Ruwe. Auch künftig will das Duo am Ball bleiben und - wenn nötig - dem Bürgerwillen Gehör verschaffen. „Wir leben hier, wir kennen uns aus, wir wollen unser Viertel mitgestalten und uns nicht irgendetwas aufzwängen lassen.“ Gemeinsam mit dem früheren SPD-Stadtverordneten Wolfgang Stohr haben sie die Bürgerinitiative Süd ins Leben gerufen. Rund 30 Mitglieder zählt diese bereits.