Zusammen statt einsam – Besuch beim Herner „Wohlfühltreff“

Hütchenspiel: Die Museumspädagogin Helga Sklorz (re.) zeigt Marianne Schmelter und Wolfgang Biermanski originelle Kopfbedeckungen. Die Idee: Weil viele nicht gut zu Fuß sind, bekommen sie eben häufig Besuch.
Hütchenspiel: Die Museumspädagogin Helga Sklorz (re.) zeigt Marianne Schmelter und Wolfgang Biermanski originelle Kopfbedeckungen. Die Idee: Weil viele nicht gut zu Fuß sind, bekommen sie eben häufig Besuch.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim „Wohlfühltreff“ kommen Herner mit und ohne Behinderung zusammen. Einmal im Monat tauschen sie sich aus - nicht nur über Krankheiten.

Gemeinsamkeiten zu erleben und nicht alleine zu sein – das treibt die Mitglieder des „Wohlfühltreffs“ an. Im Bürger-Selbsthilfe-Zentrum im Rathaus Wanne und beim ASB in Herne-Süd treffen sich regelmäßig Menschen jeden Alters und sowohl mit als auch ohne Behinderung. „Das Hauptthema unseres Treffens ist ,Raus aus der Einsamkeit’. Das Knüpfen von neuen Kontakten steht im Vordergrund“, sagt Wolfgang Biermanski (42), der die Gruppe leitet und selbst stark schwerhörig und beinahe blind ist.

Seit März 2013 treffen sich die Mitglieder jeden zweiten Freitag im Monat. „Insgesamt sind wir so 20 Leute, zu den Treffen kann natürlich nicht immer jeder kommen“, erzählt Klauspeter Biermanski, der seinen Sohn Wolfgang unterstützt. Der Kern der Mitglieder kommt aus Herne und Wanne-Eickel, der eine oder andere reist aber sogar auch mal aus dem weiteren Umkreis an. „Ich finde es schön, dass ich hier andere Menschen kennenlernen darf. Der gegenseitige Austausch ist mir wichtig“, sagt etwa Marianne Schmelter aus Unna.

Die einzelnen Treffen sind unterschiedlich gestaltet, der Austausch untereinander steht jedoch immer im Mittelpunkt. „Jeder erzählt einfach das, was ihn gerade bewegt. Das können Krankheiten sein, aber auch etwas ganz anderes“, sagt Wolfgang Biermanski. Natürlich werde auch einfach mal ein Witz erzählt. So wird in gemeinsamer Runde das eine mal Kaffee getrunken, während sich die Mitglieder austauschen, ein anderes Mal stehen Ausflüge an. „Die Treffen sollen nicht ganz ziellos verlaufen. Wir waren schon im Schloß Strünkede, in der Akademie Mont-Cenis oder im Gysenberg“, so Biermanski. Da nicht alle Mitglieder mobil sind und zum Teil im Rollstuhl sitzen, bekommen sie manchmal auch einfach Besuch.

Mobiles Hutmuseum zu Gast

So wie an diesem Frühlings-Nachmittag: Helga Sklorz vom Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen ist mit einem mobilen Hutmuseum zu Gast beim Wohlfühltreff. „Wir kommen mit einem Teil der Ausstellung zu Leuten hin, die selbst nicht in der Lage sind, uns zu besuchen“, sagt die Museumspädagogin. Aus ihrem Fundus holt sie einen gelben Arbeitshelm hervor, eine weiße Bäckermütze, dann einen schwarzen Zylinder. Der Reihe nach setzt jeder die Hüte auf und kann sich so in andere Berufe oder mit der schwarzen Dole, die eine Vogelfeder schmückt, in andere Zeiten versetzen. „Schade, dass heute nur noch so wenige Menschen Hüte tragen“, sind sich die Besucher des Wohlfühltreffs einig. Zum Abschluss des Nachmittags singen sie gemeinsam Lieder, die zu dem Besuch passen: „Schön ist ein Zylinderhut“, stimmen sie an und werden dabei von Walter Penzek auf der Mundharmonika begleitet – auch er ein regelmäßiger Besucher.

Für die nächsten Treffen hat Biermanski schon Pläne: „Ich suche in der WAZ immer nach neuen Anregungen. Nun will ich Sammler von außergewöhnlichen Gegenständen zu uns einzuladen.“