Zimmerschlacht unter Ehepaaren im Herner Kuz

„Der Vorname“: Die  Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre Patellière  amüsierte am Mittwoch 500 Zuschauer im Kulturzentrum.
„Der Vorname“: Die Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre Patellière amüsierte am Mittwoch 500 Zuschauer im Kulturzentrum.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Im Herner Kulturzentrum amüsierten sich die Zuschauer bei der Komödie „Der Vorname“. Wermutstropfen: der Kuschelkurs zum Finale.

Herne..  Ausgerechnet Adolf. Dürfen politisch korrekte Eltern ihrem Sohn einen so belasteten Namen geben? Im Jahr 2015 ist dies der Stoff, aus dem Komödien sind. 500 Zuschauer im Kulturzentrum verfolgen amüsiert, wie auf der Bühne die Fetzen fliegen.

Dort trifft man sich zum Abendessen, es entwickelt sich vertrautes Geplauder in hinlänglicher Harmonie, durchbrochen von ein paar Spitzen. Es dauert eine Viertelstunde, bis der Boden bereitet ist für die Zimmerschlacht unter befreundeten Ehepaaren und „Der Vorname“ ins Spiel kommt. Aber schließlich ist die Fallhöhe erreicht für den dramatischen Aufschlag: Der werdende Vater Vincent, wohlhabend und großspurig, zückt ein Ultraschallbild und kündigt seinen Sohn „Adolphe“ an. Die sanfte französische Endsilbe macht den Namen nicht verträglicher. Hebt der Fötus nicht schon den rechten Arm zum Hitlergruß?

Gastgeber Pierre, Literaturprofessor und gebildeter Kleingeist, ereifert sich und wird grundsätzlich. Damit ist das gefährliche Niveau des Unausgesprochenen erreicht, zu dem nach jahrzehntelanger Freundschaft jeder etwas beitragen kann. Aufgetischt wird also nicht nur ein marokkanisches Menü, an dem sich Hausfrau Elisabeth stundenlang abgearbeitet hat, sondern manches Unappetitliche mehr: Nickeligkeiten, langgehegter Groll, Vorurteile, gekränkte Eitelkeiten, Wahrheiten unter Eheleuten. Oft wechseln die Fronten, Koalitionen, die Rollen von Täter und Opfer. Am Ende wissen alle mehr übereinander, als sie jemals wissen wollten.

Wie damit leben? Die Frage stellt sich nicht, das ist ein wenig enttäuschend, denn das Schauspiel der französischen Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière geht zum Finale auf Kuschelkurs. Die beiden Streithähne Pierre und Vincent sind ein Herz und eine Seele, bevor der Vorhang fällt. Die Komödie erinnert an „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza, ist aber vor allem im ersten Teil nicht so pointenreich, böse und bissig. Doch die Schauspieler verstehen ihr Handwerk, sind auf der Bühne als markante Figuren präsent: Das passt gut und ist gut anzusehen. Statt „Adolphe“ kommt übrigens eine Tochter zur Welt – Francoise.