Yunus Ulusoy gab in VHS Herne Einblicke in die „neue Türkei“

Referent Yunus Ulusoy vor seinem Vortrag zum Thema „Quo vadis Türkei?" in der VHS.
Referent Yunus Ulusoy vor seinem Vortrag zum Thema „Quo vadis Türkei?" in der VHS.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Quo vadis Türkei?“ lautete die Frage. Der Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien sprach über Erdogan und aktuelle Entwicklungen.

Herne..  Es waren zu drei Vierteln „Bio-Deutsche“, die sich am Montagabend in der Herner Volkshochschule für die aktuellen politischen Entwicklungen in der Türkei interessierten. „Sonst wäre die Diskussion anders verlaufen“, mutmaßte Yunus Ulusoy am Ende scherzend. „Sehr hitzig, emotional und unsachlich“.

Der frühere Herner Ausländerberiatsvorsitzende war als Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien in seine alte Heimatstadt eingeladen worden, um in der Volkshochschule Fakten zur Einschätzung des Landes darzulegen, das er mit neun Jahren 1973 verlassen hatte. Gut 60 Zuschauer hörten Ulusoy zu, der zunächst „aus der Perspektive des wissenschaftlichen Beobachters“ erläuterte, wie sich Recip Erdogan seit 2002 zwischen der säkularen Tradtion des Republik-Gründers Atatürk und des muslimisch-konservativen Orientierung der Bevölkerungsmehrheit positioniert. Anhand einiger Beispiele machte Ulusoy deutlich, wie die „neue Türkei“ des Staatpräsidenten je nach politischem Standpunkt bei den Türken ankommt. So werde die Abkehr von der westlichen Orientierung von Erdogan-Anhängern als „Rückbesinnung auf die eigenen Werte“ gedeutet, von seinen Gegnern dagegen als „Aufoktroyieren des eigenen Lebensstils“ kritisiert.

„Die Türken wählen vor allem Stabilität“, sagte Ulusoy. Unter Erdogan sei das Bruttoinlandsprodukt in elf Jahren um 153 Prozent gestiegen, und die Inflationsrate sank von 68,8 auf 7,2 Prozent. Zahlen, die den Wahlerfolg Erdogans erklärten, was auch in Deutschland spürbar sei: „In den 80er Jahren mussten viele ihre Angehörigen unterstützen, heute bringt man eher Geschenke aus der Türkei mit.“ Erdogan („fromm, modern und wertkonservartiv“) passe zu den Türken wie Angela Merkel zu den Deutschen, ist Ulusoy überzeugt, der zugleich eine Demokratisierung der Türkei als notwendig erachtet. Dass die AKP im Juni 2015 wieder gewinnt, steht für Ulusoy außer Frage. Die im Gezi-Park aufgetretene Opposition finde sich nicht im politischen Spektrum repräsentiert. Gülen-Bewegung, Rolle der Frau und Kurdenfrage waren weitere Themen unter anderen. „Wohin geht die Türkei?“ war der Vortrag überschrieben. „Wenn es nach der Bevölkerung geht, jedenfalls nicht in die EU“, so Ulusy. Nur noch 28 Prozent seien dafür. Trotzdem: „Die Türkei kommt von Europa nicht los und umgekehrt.“

Am 23. März, um 19 Uhr, hält Yunus Ulusoy einen weiteren Vortrag. dann stehen in der VHS die deutsch-türkischen Beziehungen im Vordergrund.