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Wolfgang Schorlau las in Herne aus „Die schützende Hand“

14.02.2016 | 15:50 Uhr
Wolfgang Schorlau las in Herne aus „Die schützende Hand“
Wolfgang Schorlau in der VHS Herne.Foto: Barbara Zabka /

Herne.   Bei einer Veranstaltung in der Volkshochschule sprach der Autor über seine Recherchen zu seinem neuen Politkrimi über die NSU-Morde

Der bekannte Politkrimi-Autor Wolfgang Schorlau gastierte in Herne für eine Lesung, eingeladen von der Stadtbibliothek Herne. „Ich bin wahrscheinlich zum ersten Mal in Herne“, versuchte sich der Autor zu erinnern. Der Saal der Volkshochschule Herne war gut gefüllt. Im Gepäck hatte Schorlau seinen achten Roman „Die schützende Hand“.

„Ich soll schöne Grüße von Georg Dengler ausrichten, er kann leider nicht hier sein“, eröffnete Schorlau, „er arbeitet bereits an einem neuen Fall“. Gelächter im Saal, denn: Dengler ist die fiktive Hauptfigur in all seinen Krimiromanen. Das erste Viertel der Lesung war von Lachen und Anekdoten geprägt. Schorlau erzählte von seinen Gesprächen mit Dengler, der sich über sein Gehalt beschwerte und Schulden bei seiner Vermieterin besaß. Von einer unbekannten Person, bekam Dengler jedoch den Auftrag, die Todesfälle von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos aufzuklären. Die beiden Terroristen gehörten gemeinsam mit Beate Zschäpe zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Die Stimmung im Saal änderte sich schlagartig.

Zum Hintergrund: Im offiziellen Polizeibericht gehen die Ermittler von einem Selbstmord aus. Am 4. November überfielen die beiden Verbrecher eine Bank in Eisenach. Auf der Flucht hatten sie sich in einem Wohnmobil eingebunkert. Als die Polizei erschien, sollen sie zunächst einen Schuss auf die Polizisten angegeben haben, daraufhin sollen sie sich selbst erschossen haben. Die Rekonstruktion besagt, dass Uwe Mundlos Uwe Böhnhardt erschossen haben, dann den Wohnwagen in Feuer gesetzt und sich selbst getötet haben soll.

Fußnoten und Quellen

Sowohl Schorlau, als auch Dengler im Roman, zweifeln an dieser Version. Für Schorlau ist die Selbstmord-Theorie zweifelhaft, es gebe zu viele Ungereimtheiten: eine Patronenhülse zu viel im Wagen, fehlende Gehirnmasse im Wohnwagen, die aus den Köpfen hätte austreten müssen und eine zu kurze Zeitspanne zwischen dem ersten Schuss auf die Polizisten und den Selbstmorden. Schorlau vermutete, dass Mundlos und Böhnhardt schon vorher tot gewesen seien. Er betonte: „Nicht der Staat als solcher ist involviert, sondern bestimmte Staatsschutzorgane sind dubios.“ Als Reaktion auf seinen Roman sagte Schorlau bereits vor dem NSU-Untersuchungsausschuss aus.

Im Roman verschwimmen Realität und Dichtung. „Die Figuren, ihr Handeln und Denken, das ist fiktional“, erklärte der Autor, „die Fakten hingegen habe ich sehr ausführlich recherchiert und sie stimmen“. Deshalb beinhaltet der Roman auch Kuriositäten wie Fußnoten und ein Quellenverzeichnis. Fußnoten deshalb, da die Fakten so unglaublich seien, dass die Leser denken müssten: So einen Schwachsinn gibt es gar nicht! Immer wieder schüttelten die Besucher ihre Köpfe. Zum Schluss lockerte sich die Stimmung wieder, als ein Gast seine Frage an Schorlau ankündigte mit: „Ich lese ihre Bücher noch nicht so lange, mein Hausarzt hat sie mir empfohlen…“. Lachen, Applaus. „Als nächstes werden meine Bücher von der Krankenversicherung übernommen“, scherzte Schorlau.

André Wielebski

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