Wohnungsvereins-Chef wünscht sich Stadtentwicklungs-Dezernat

Diskutierten über die Zukunft des Wohnens in Herne: Karlheinz Friedrichs, Anke Hildenbrand, Alexander Rychter und Karl-Heinz Abraham (v.l.).
Diskutierten über die Zukunft des Wohnens in Herne: Karlheinz Friedrichs, Anke Hildenbrand, Alexander Rychter und Karl-Heinz Abraham (v.l.).
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Was wir bereits wissen
Karl-Heinz Abraham, Chef des Wohnungsvereins Herne, wünscht sich ein Stadtentwicklungsdezernat. Die Baumschutzsatzung hält er für überholt.

Herne..  Karl-Heinz Abraham, Vorstandsvorsitzender des Wohnungsvereins Herne, wünscht sich die Schaffung eines Stadtentwicklungsdezernats. Dies sagte Abraham gestern bei einer Podiumsdiskussion aus Anlass des 110-jährigen Bestehens der Wohnungsbaugenossenschaft.

Bislang seien die Kompetenzen in drei verschiedenen Dezernaten bei der Stadtverwaltung verteilt. Das sei schwierig zu steuern. Mit einer Bündelung würde die Schlagkraft der Stadtentwicklung erhöht. Damit geht Abraham noch weiter als Politik und Verwaltung, die über die Einsetzung eines Kümmerers für die Wohnungswirtschaft nachdenken, und weiter als OB-Kandidat Frank Dudda (SPD), der beim Neujahrsempfang am Mittwochabend die Einrichtung einer Stabsstelle für Stadtentwicklung im Falle seiner Wahl angekündigt hatte.

Fonds für Schrottimmobilien

Doch Abrahams Wunschliste war deutlich länger: So forderte er - in Übereinstimmung mit dem Herner Arbeitskreis Wohnungswirtschaft - eine Veränderung der Baumschutzsatzung. Diese sei äußerst restriktiv und nicht mehr zeitgemäß. Bei Ela hätten sehr viele alte Bäume Schäden angerichtet. Das hätte aus seiner Sicht verhindert werden können. Abraham nannte einen weiteren Grund für die Forderung: In manchen Wohnungen brenne an 365 Tagen im Jahr das Licht, weil Bäume das Tageslicht schluckten. Als Beispiel nannte er die Goebenstraße. Dass er alles andere als ein Baumvernichter sei, offenbare die Tatsache, dass der Wohnungsverein in den vergangenen Jahren 40 Bäume gepflanzt habe, „ohne jegliche Verpflichtung“.

Darüber hinaus sähe er gerne den Arbeitskreis mit einem festen Sitz im Planungsausschuss. Außerdem hofft er in der Zukunft auf eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren. Verzögerungen könnten der Stadt möglicherweise schaden, weil potenzielle Investoren ihr den Rücken kehren.

Planungsdezernent Karlheinz Friedrichs und Anke Hildenbrand, Vorsitzende des Planungsausschusses, dürften die Forderungen nicht neu gewesen sein. Schließlich hatten sie erst Ende Dezember mit der Wohnungswirtschaft Eckpunkte für ein „Bündnis für Wohnen“ erarbeitet (die WAZ berichtete). Diese Eckpunkte, so Friedrichs, seien die Erkenntnis, dass Wohnen zentrales Thema der Stadtentwicklung ist; die Entwicklung des Wohnungsbestands; die Entwicklung von Quartieren in Hinsicht auf Demografie Energie-Effizienz; sowie Antworten auf das Problem der Schrottimmobilien.

Bei Letzterem hat Friedrichs seinerseits einen Wunsch an Abraham und die Wohnungswirtschaft: die Beteiligung an einem gemeinsamen Fonds, um handlungsfähiger zu werden. Alexander Rychter, Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft Rheinland/Westfalen, machte darauf aufmerksam, dass Gelsenkirchen mit so einem Fonds bereits relativ weit gekommen sei, möglicherweise käme auch eine Landesförderung für so einen Fonds in Frage.

Friedrichs bekräftigte noch einmal die Absicht der Stadt, ein „Bündnis für Wohnen“ mit konkreten und verbindlichen Regeln zu besiegeln. Dies, so Anke Hildenbrand, sei zwar immer eine Frage des Geldes und der Mehrheiten in der Politik, doch das Ziel am Ende sei, Lebensqualität in die Stadt zu bringen.