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Wohnen bleiben im alten Viertel

07.02.2014 | 00:18 Uhr
Wohnen bleiben im alten Viertel

„Wir reden, reden und reden“, sagte Rolf G. Heinze, aber schließlich ist das ja sein Beruf. Der Professor an der Universität Bochum gehörte zu einer Runde von Rednern, die nicht nur um des Redens wegen ins Archäologische Museum gekommen waren. Es ging um nichts weniger als um die Zukunft des Lebens, des Wohnens der Menschen in ihren Wohnvierteln. Und so waren sich wohl alle der über 200 Teilnehmer mit der Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens (Grüne), einig, die sagte: „Wenn wir bei den Strukturen von heute bleiben, wird das nicht gehen.“

„Gesundheitswirtschaft trifft Quartiersentwicklung“ lautete das Thema der Veranstaltung, bei der es sich letztendlich um die eine Frage drehte: „Wie können wir Menschen im Alter, aber auch Menschen mit Behinderungen in ihren Wohnvierteln ein möglich angenehmes Leben ermöglichen, und zwar da, wo sie immer gelebt haben?“ Das Teuerste sei für die Wohnungswirtschaft der Leerstand, sagte die Ministerin, selbst 52 Jahre und damit in einem Alter, in dem man sich um die Perspektive für den Lebensabend mehr Sorgen macht als junge Menschen.

In Pantoffeln erreichbar

Sie sprach von „nicht altengerechten Quartieren, in denen Strukturen fehlen.“ Nicht nur Barrierefreiheit meinte sie damit. Sondern auch Einrichtungen, die quasi in Pantoffeln zu erreichen sind. Einrichtungen sowohl der gesundheitlichen Versorgung als aber auch der kulturellen. Das Selbstbestimmungsrecht der Alten müsse so weit wie möglich erhalten bleiben, forderte die Gesundheitsministerin und fügte provozierend hinzu: „Ich möchte lieber mit den Fingern essen als gefüttert werden.“

Oberbürgermeister Horst Schiereck hatte die Veranstaltung mit einer hoffnungsvollen Zwischenbilanz eröffnet: „Wir haben eine gute Basis, starke Partner in der Gesundheitswirtschaft.“ Leistungsfähige Krankenhausbetreiber, Wohnungsunternehmen und Genossenschaften mit neuen Angeboten gehörten dazu. Beim abschließenden Podium wurde gezeigt, wie innovatives Wohnen im Alter aussehen kann. Eine Genossenschaft aus Hattingen stellte eine Mehrgenerationenwohnprojekt vor. Aus Bochum kam ein Beispiel anhand einer Wohnanlage mit einem Sozialzentrum in der Mitte, ein Treffpunkt für Bewohner mit Beratungsstelle, Veranstaltungsraum und Nachbarschaftscafé.

Der Herner Geschäftsführer des Arbeiter Samariter Bundes, Albert Okoniewski, stellte die drei Häuser des ASB in Herne vor und appellierte – auch an die Ministerin – bessere Voraussetzungen für ambulante Wohngruppen zu schaffen. Hier laufe gerade einer Gesetzesinitiative in die richtige Richtung.

Martin Tochtrop

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2014-02-07 00:18
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